09/08/2007

Wir alle haben Kommentarspam zugestimmt, sagt Sebastian Foss

Wer die Vorgeschichte nachlesen will: Teil 1, Teil 2, Teil 3 bei Udo.

Für alle anderen hier eine kurze Zusammenfassung: Sebastian Foss von der e-trinity GmbH aus Lindlar vertreibt ein Programm namens Blog-Blaster, bei dem es sich nach allen Gesetzen der Logik um Kommentar-Spam-Software handelt, mit deren Hilfe Online-Casinos, Viagra-Versender und ähnliches Volk, auf einen Schlag etliche Blogs zumüllen können.

Per Abmahnung wollte Sebastien Foss mir verbieten, diese Information in meinem Blog zu veröffentlichen. Da ich mir von einem Spam-Software-Dealer natürlich nicht den Mund verbieten lasse, habe ich -- zwecks Vorbereitung auf einen eventuellen Gerichtsprozess -- gestern das fragliche Programm im Web käuflich erstanden -- vor Zeugen und unter meinem echten Namen. Ganz legal also.

Zur Erinnerung: Sebastien Foss gibt auf seiner Website an, die Software verbreite "Werbung" auf insgesamt mehr als zwei Millionen Blogs, die diesen "Werbeschaltungen" explizit zugestimmt hätten. Wörtlich:

We only post ads on blogs whose owners gave us their permission.

In der juristischen Korrespondenz der letzten Tage behauptete der gegnerische Anwalt obendrein steif und fest, die Einwilligungen der zwei Millionen Blogger "liegen vor".

Nach eingehender Untersuchung des Programms mit diverser Anti-Virus-Software (man weiß ja nie), startete ich -- zwar mit spitzen Fingern aber dennoch beherzt -- den Installationsprozess und hatte danach ein recht simples Programmfenster vor mir, das ein Texteingabefeld für die "Anzeige" sowie den dazugehörigen Link enthielt, und außerdem noch eine Suchfunktion für Schlagwörter, anhand derer das Programm dann "passende" Blogs aus der Liste der angeblich zwei Millionen "werbewilligen Blogger" auswählt.

Die geneigte Leserschaft mag sich mein Erstaunen vorstellen, als plötzlich mein eigenes kleines Blog in der Liste der "Werbewilligen" auftauchte:



Und nicht nur das, auch Udos Blog war recht schnell zu finden:



Wir halten fest: Da vertickt jemand Blog-Spam-Software, will einem Blogger per anwaltlicher Abmahnung verbieten lassen, dieses Dingens Blog-Spam-Software zu nennen und vertreibt gleichzeitig seelenruhig ebendiese Software weiter, mit deren Hilfe man nicht nur das Blog des Abgemahnten, sondern auch das seines Anwalts zuspammen kann.

Hallo? Jemand zu Hause?

Hochinteressant wird es, wenn man sich anschaut, wer denn so alles angeblich Sebastien Foss die Erlaubnis gebeben hat, sein Blog via Blog-Blaster mit "Werbung" zu beglücken.

Also wirklich, Jens, das hätte ich nicht von dir gedacht:



Auch der Herr Basic scheint sich über "Werbung" in seinen Kommentaren zu freuen:



Ebenso wie Herr Turi:



Bei Herrn Niggemeier wundert mich das weniger, der schaltet ja sogar Werbung von Adical ;-)



Umso mehr stutzte ich, den Teekännchen-Blogger aus Bayern in dieser Liste zu entdecken:



Und sogar zweimal:



Und auch Knüwi, der Handelsblatt-Blogger, experimentiert offenbar freiwillig mit, hüstel, "innovativen Werbeformen":



Zur Klarstellung: Ich habe keine Ahnung, ob das Teil wirklich technisch in der Lage ist, alle genannten Blogs aus der Liste vollzuspammen. Zumindest aber behauptet Sebastian Foss dieses in seiner Werbung (naja gut, er nennt es "Anzeigenschaltung"). Versuchsweise den entsprechenden Button zu klicken, war mir aus verständlichen Gründen zu heikel, schließlich will ich keine unbescholtenen Blogger belästigen.

Das ist aber auch gar nicht der Punkt: Es ist in meinen Augen bereits eine Frechheit oberster Kajüte, mit welcher Dreistigkeit Sebastian Foss seine angebliche "Werbe-Software" mit angeblichen "Werbepartnern" füttert, die garantiert nicht ihr Einverständnis gegeben haben, in diesem Programm aufzutauchen.

Ich empfinde es jedenfalls als äußerst rufschädigend, meinen Namen und mein Blog in dieser Liste zu entdecken.

Ich kann mir vorstellen, dass es einer Menge deutscher Blogger ähnlich geht wie mir. Wer wissen möchte, ob sein Blog ebenfalls in der Liste der "Werbewilligen" auftaucht, schickt mir einfach eine Mail an blog-blaster@sixtus.org Bitte nur den Blog-Namen und die URL in die Betreffzeile. Werde ich fündig, schicke ich dann einen Screenshot zurück. (Falls die Antwort ein wenig dauern sollte: ich muss zwischendurch auch noch ein klitzekleinbisschen arbeiten, maile aber auf jeden Fall zurück. Danke für eure Geduld.)

Mit diesem Screenshot kann der jeweilige Blogger dann machen, was er will. Den Blog-Spam-Software-Dealer kostenpflichtig abmahnen zu lassen, wäre sicherlich eine Möglichkeit. Der Anwalt Ihres Vertrauens weiß, wie man so etwas macht, der Anwalt meines Vertrauens ist obendrein mit der Materie vertraut und weiß auch, wie man so etwas macht. Das nur als kleiner Hinweis.

Bei Bedarf bestätige ich natürlich gerne schriftlich, an Eides statt oder schwöre auf Wunsch auch mit der rechten Hand auf der TV-Spielfilm, dass die entsprechenden Screenshots wirklich der aktuellen Version des "Blog-Blasters" entstammen.

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn aus dieser Sache ein "Blog-Blast" der anderen Sorte würde und der Blog-Spam-Software-Dealer von möglichst vielen Seiten zu hören bekommt, was Blogger denn so von seinen Aktivitäten halten.

Update: In den Kommentaren meldet sich jemand zu Wort, der sich Sebastian Foss nennt und redet wirres Zeugs:

Die Webseiten werden in meiner Software aufgelistet da sie bei Google eingetragen sind und die Software alle Einträge von google.com anzeigt. Somit habe ich keinen Einfluss auf die Angezeigten Seiten. Ich versichere Ihnen allerdings dass meine Software keine Werbeeinträge auf Ihren Seiten hinterlässt, da diese vorher überprüft, ob Ihre Seite in unserer Datenbank steht und wir die Einverständnis dafür haben.

Angeblich habe er die Softwareoberfläche nun um einen Satz ergänzt --> Pic.

Der echte Sebastian Foss kann das kaum sein, denn der echte Sebastian Foss würde ja die Bedienungsanleitung kennen, die mit seiner Software geliefert wird.

Nach Schritt 1 (Installation) und Schritt 2 ("Anzeigentext" eigeben) geht es wie folgt weiter:





Wir lernen (frei übersetzt): Nachdem man sich für einen Anzeigentext entschieden hat, soll man die Blogs auswählen, auf denen Blog-Blaster dann die "Anzeigen" veröffentlichen wird. Ein, zwei Schlagworte eingegeben, "Find Blogs" geklickt und die Resultate (Anm: also die Blogs, in denen der "Anzeigentext" dann veröffentlicht wird) erscheinen in der Liste. Danach wird nur noch übermittelt:




Zur Linken, so erfahren wir aus dem Text, sehen wir die betreffenden Blogs (nämlich die aus Schritt 2), zur Rechten Statusinformationen, die über den Erfolg der Übermittlung Auskunft geben.

Wer es lieber animiert mag, in diesem Film wird das Prozedere ebenso dargestellt.

Außerdem, wie Kraven richtig in den Kommentaren anmerkt:

Wenn man sich das hier so anguckt, dann wird einem also nach Sebastian zuerst eine vollkommen sinnlose Liste von Blogs per Google-Suche angezeigt. Aber man muss sie sich anzeigen lassen, um die Werbung abzuschicken. Und das Programm zeigt dann genau diese ausgewählten Blogs an, die dann keine Nachricht bekommen? Sorry, Sebastian! Ich dachte eigentlich ich hätte ein wenig Ahnung von Computern und Programmen, aber dein Programm musst du mir noch mal erklären. Und das wo das doch so leicht sein soll *seufz*

Eben, bei dem Kommentator kann es sich unmöglich um den echten Sebastian Foss handeln, der würde einen doch nicht für sooo damlich halten und sich gleichzeitig in aller Öffentlichkeit um Kopf und Kragen phantasieren.

Oder?

Sollte der echte Sebastian Foss jedenfalls auch juristisch eine dermaßen durchsichtige Verteidigungsstrategie wählen, dann freue ich mich schon darauf :-)

Update 2: Wir haben mittlerweile sowohl den aktuellen Blog-Blaster, als auch eine ältere Version aus dem Jahre 2005 in Quarantäne unter Beobachtung. Als kurzes Zwischenergebnis: Die angezeigte Liste wird tatsächlich über einen Google-Suchstring generiert. Was das Programm im Anschluss an diese Suche macht, dazu möchte ich mich hier noch nicht abschließend äußern.

Na gut, ein wenig noch: Es wird jedenfalls definitiv keine Verbindung zu einer Datenbank o.ä. aufgebaut, um die Google-Treffer mit irgend etwas abzugleichen. Diese Behauptung, die der Mann, der sich Sebastian Foss nennt, hier in den Kommentaren und per E-Mail an betroffene Blogger aufgestellt hat, ist nachweisbar unwahr.

Und: Ob die Liste über Google dynamisch generiert wird, oder ob Sebastians Omi sämtliche Blogs von Hand in jeden einzelnen Programm-Download häkelt, ist juristisch vollkommen ohne Belang. Fakt ist: Sowohl auf seiner Website, als auch im programmbegleitenden PDF suggeriert Sebastian Foss, die Blogger in dieser Liste hätten ihm das Einverständnis gegeben, via Blog-Blaster "Werbung" zu veröffentlichen. Punkt. Ich bin zwar kein Jurist, aber meiner Meinung nach ist das eindeutig eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts und obendrein rufschädigend. Allein damit kann man Foss wohl jederzeit problemlos auf Unterlassung abmahnen.

Beispielhaft finde ich die Reaktion von Ingo Vogelmann auf Foss' Ausflüchte:

Sehr geehrter Herr Foss, sie wollen mir bitte offenlegen, wie ihre “Datenbank” technisch funktioniert, denn ich kann mich wahrlich nicht erinnern, einem Berechtigungprozess meinerseits beigewohnt zu haben. (...)

Sollten sie technisch keine Möglichkeit haben, meinen Eintrag in ihrer Software zu entfernen, werde ich sie - für sie kostenpflichtig - auffordern müssen, den Vertrieb dieser Software komplett einzustellen (...). Ich wiederhole deshalb meine Aufforderung, mir das technische Funktionieren der Software offen zu legen.

Was ihr Anwalt da erklärt, ist mir ziemlich gleichgültig. Ich kann ihr fehlendes Interesse an einem Rechtsstreit nachvollziehen (...) Aber ich werde nicht zulassen, daß eine Software mir und meinen Mitarbeitern Zeit durch das Löschen von Spameinträgen stiehlt. Das, werter Herr Foss, KOSTET NÄMLICH GELD. Sie sollten ihr Vorgehen dringend einstellen, da das sehr teuer für sie werden kann.

Touché :-)

Update: Nach eigenen Angaben hat Sebastian Foss die Software mittlerweile dahingehend geändert, dass der "missverständliche Zwischenschritt" einer Google-Abfrage nun nicht mehr im Programm enthalten ist. Die Software enthalte nun nur noch eine Liste von ein paar Blogs, die Foss selbst betreibe.

a) Da ich auch noch anderes zu tun habe, habe ich diese Aussage bislang noch nicht überprüft.

b) Nach wie vor preist Foss seine merkwürdige Software mit den Slogans an: "I have developed a software that automatically places your ad on millions of blogs" und "Blog Blaster automatically posts your ad to more than 2 Million Websites!". Wie diese Behauptungen mit der eigenen Aussage zusammengeht, der Blog-Blaster versorge jetzt nur noch ein paar Foss-Blogs, entzieht sich meiner Auffassung von Logik. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich Verbraucherschützer für diese Diskrepanz interessieren.





 





















































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