Manchmal fühle ich mich ja ein wenig wie der berühmte Rufer in der Wüste. Dass Blogs irgendwie, irgendwo und überhaupt die Medienwelt verändern werden, hat mittlerweile wohl selbst der Stadtbote Fulda kapiert. Dass das Netz aber das Alpha-Medium des 20-ten Jahrhunderts als nächste Speisenfolge auf dem Menü hat, will den meisten Fernsehmenschen noch nicht ins Hirn.
Als das Internet sich anschickte Stellen-, Auto-, Immobilien- und sonstige Kleinanzeigen aufzusaugen und vielen renomierten Tageszeitungen dadurch nicht nur die Butter vom, sondern gleich etliche Scheiben des ganzen Brotes aus den Händen riss, reagierten die meisten Verlagshäuser bekanntlicherweise eher irritiert und die Verleger hofften, dieses komische Internet möge doch bitte wieder weg gehen, so wie eine Grippe oder der Besuch nerviger Verwandter. Es ging natürlich nicht wieder weg, es wird auch nicht mehr gehen und langsam realisieren das auch zähneknirschend die Verlagslenker. Was sie sich einfallen lassen um ihre wirtschaftliche Situation zumindest zu stabilisieren, ist ihre Sache. Das ist ihr Beruf. Ich stehe nur daneben und wundere mich, wie lange es dauert, bis eine Erkenntnis in den obersten Etagen ankommt.
Themenwechsel: TV, das Medium, mit dem die meisten von uns aufgewachsen sind. Glamour, Fernsehpreise, Deutungshoheiten, Millionen Wetten-dass-Glotzer. Am letzten Wochenende durfte ich erleben, wie selbstzufrieden und selbstverliebt Vertreter dieser Branche durchs Leben gehen. Das Netz als Herausforderung? Pffft. Ich bin Peter Klöppel. Viel wichtiger: Stehen oder sitzen, während man die Nachrichten vorliest.
Ich bin nicht Peter Klöppel. Ich bin das Orakel von Flingern und ich prophezeihe: In spätestens zehn Jahren ist programmiertes Fernsehen ein Randmedium für die Alten und die Dummen. Die Jungen und die Nichtganzsodummen werden dann längst woanders sein.
Das erzähle ich hier nicht zum ersten Mal, wie jedes gute Orakel habe ich einen Sprung in der Platte und wiederhole mich gern. Hier habe ich diese These schon mal etwas länger ausgewalzt und werde es künftig noch häufiger tun. Aktueller Anlass: "Global Frequency"

Global Frequency ist ursprünglich ein DC-Comic. Comic-Verfilmungen sind gerade hip und daher lag es natürlich nahe, die allseits beliebten Zeichnungen in bewegte Bilder zu verwandeln. Gemäß der Regeln des amerikanischen TV-Geschäfts produziert man also erstmal einen Pilotfilm. Kommt der an, geht das Ding in Serie, sonst halt nicht. Ganz einfach eigentlich.
Gefällt der Pilot hingegen noch nicht einmal den Auftraggebern, geht gar nichts in Serie und selbst der Testfilm wird dann nicht ausgestrahlt. Auch ganz einfach. Survival of the Fittest. So war das immer. GF passierte es im letzten November, dass niemand sie lieb hatte. Aus die Maus, tot, Feierabend. Endstation Archiv.
Diesmal aber ist etwas anders: Der Pilotfilm von Global Frequency fand kürzlich irgendwie (PR? Wer weiß? Falls, ja, war es eine nahezu perfekte Aktion) seinen Weg ins Internet. Via BitTorrent gelangte er quasi zwangsläufig auf X Festplatten und sorgte für eine Menge Gesprächsstoff. Vielen gefiel er (was ich von dem Filmchen halte, tut hier nichts zur Sache) und die Fans einer Serie, die nie im TV zu sehen war, machen nun plötzlich für die Realisierung eben dieser Serie mobil.
Produzent John Rogers ist von den Socken und ein wenig hilflos, da der Schlüssel zu der Kasse, die das Projekt ermöglichen würde, nicht in seinem Besitz ist. Aber er sieht klar:
"I bitch and moan about how all this emergent technology is going to change the entertainment industry and nobody's taking advantage of it. And here I have, well, unless I'm mistaken, a fan base which exists and is trying to organize for a show which has never appeared on television. Not a cancelled show -- a show which has literally never aired on broadcast television."
Er sieht zwar weiterhin schwarz für eine komplette Serie, stellt aber kopfschüttelnd fest:
"On the other hand, the entire idea of Global Frequency is of ordinary people subverting the establishment and getting things done. The concept of a fan base for the show subverting the establishment and getting things done ... frankly that's a little irresistible."
In den Kommentaren heißt es dann:
"It might be a paradigm shift to try to bring a new series direct to DVD/Internet - but it's exactly the paradigm shift that I believe the television needs."
Exakt! Wer braucht noch Sender? Oder gar Senderfamilien? Wer will sich von Programmplanern den Abend diktieren lassen? Das Distributionsmodell werbefinanziertes Free-TV stinkt bereits wie toter Fisch. Die Produzenten sind da, ihr Publikum ist da, wer will noch die eitlen Mittelsmänner? Klar, irgendwie muss noch Geld den Besitzer wechseln, aber dafür existieren ja auch bereits einige erste Ideen.
Aber noch hoffen die Fernsehmacher wohl, dass dieses komische Internet einfach wieder verschwinden wird.
Mein Name ist immer noch nicht Peter Klöppel und während ich diesen Eintrag verfasse, stehe ich nicht, sondern sitze auf einem Stuhl. Und nun das Wetter.
To be continued.
Update: Das ORF hat ein paar Zahlen zum Trend.
