Selbst die, nicht unbedingt als blitzgescheite Zeitung verschriene New York Post hat etwas gemerkt: Junge Leute lesen keine Zeitungen mehr, sie konsumieren nicht mehr willenlos den massenkompatiblen Blockbusterscheiß, den ihnen die Multiplex-Kinos vorsetzen (Star Wars-Jünger vielleicht mal ausgenommen), sie sitzen nicht mehr so viel vor der Glotze und natürlich kaufen sie auch keine überteuerten CDs kurzfristig herangezüchteter Bands mehr, welche ihre Ursprünge in den Chemiebaukästen selbsternannter Marktforscher haben. Aus, vorbei, die Nummer mit den Massenmedien ist vorüber (na ja gut, sie werden uns noch eine Weile begleiten) zumindest aber hat sie keine Zukunft mehr.
Schön, dass auch ein Massenblatt wie die NYP sich mal laut Gedanken macht, noch schöner ist jedoch, was Mike Elgan folgert:
So when people spend time getting news and opinions from blogs, then return to TV, they find it a strange and alien land. The pancake makeup, hairdos, bizarre body language and vocal intonations and forced, informal chit-chat delivered through a clenched-teeth grimace that passes for a TV smile -- all that suddenly looks like a bunch of crazy people with nothing to say.
Da ist wirklich was dran. Wie Siggi Becker schon sagte: "Wie absurd ist es eigentlich, dass jemand im Fernseher mir die Nachrichten vorliest?" (Zitat sinngemäß). Wenn man sich täglich in der (sorry, .de, US-amerikanischen) Blogosphäre rumtreibt, wo jede Aktion gerne direkt eine Reaktion hervorruft, wo keine Behauptung unwidersprochen bleibt und wo jede Nachricht fröhliches Geschnatter (manche mögen es Rauschen nennen, ich eher nicht) auslöst, fühlt man sich abends, beim Anblick der Tagesthemen in der ARD, nun ja, irgendwie teils auf Zeitreise in die Vergangenheit, teils entmündigt (weil man permanent den "Comment"-Button sucht oder vorspulen will) und größtenteils in der Zuschauerrolle einfach deplaziert -- oder einfacher ausgedrückt: gelangweilt.
Ich bin kein Prophet und habe nicht für 0,02 € Ahnung, wohin diese Reise führt, aber ich spüre, dass etwas zu Ende geht.
Massenmedien (speziell TV, aber in letzter Zeit auch vermehrt Radiostationen) leben von der Annahme, dass ihr Publikum dumm ist. Es besteht aus "Konsumenten" (oder noch schlimmer: "Verbrauchern") die erst Gottschalk, dann Big-Brother konsumieren (verbrauchen) und danach möglichst alles kaufen, was ihnen die Werbeschreihälse zwischendurch aufschwatzen wollen. Mit Verlaub: das ist nicht besser als SPAM! Hinter beiden Konzepten steckt die gleiche Idee. In dem Moment, in dem das vormalige Publikum sich aber miteinander unterhält, wenn Gespräche entstehen, ist es nicht länger dumm (zumindest nicht im Kollektiv), es ist nicht länger stumm und es hat kein Interesse mehr an Schreierei. Und: dann ist es plötzlich auch kein Publikum mehr.
Massenmedien sind noch nicht tot, aber sie riechen schon verdammt faulig.
