Interessant eigentlich...

... dass unsere Sprache keine Bezeichnung für das Gegenteil von Neugier kennt. Nach solch einer Vokabel habe ich während des Schreibprozesses schon häufiger gefahndet -- ohne Ergebnis.

Schlussfolgerung: Die Abwesenheit von Neugier ist hierzulande der Normalzustand, den man nicht extra benennen muss. Das Neue verursacht mindestens Unwohlsein, wenn nicht gar Angst und daher hält man sich besser davon fern, statt, nun ja, neugierig darauf zu sein. Der neugierige Mensch tanzt hingegen völlig aus der Reihe, weswegen man ihn mit einem speziellen Adjektiv versieht.

Wenn ich jetzt schriebe, für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft sei diese geistige Grundhaltung fatal, dann klänge das doch arg kulturpessimistisch, also lasse ich es lieber.

Aber ich bin neugierig auf eure Meinungen.



Kommentare dazu:

Sattheit?
Ignoranz ist das genaue Gegenteil von Neugier.
Desinteresse?
Nein, Gleichgültigkeit (was ich als passive Ignoranz sehe, also allein die Grundhaltung) nennt sich meines Erachtens nach das Wort, welches du suchst.

Deine Schlußfolgerung oben ist aber stark konstruiert - Optimisten würden sagen, offensichtlich gibt es sowas hier nicht - also brauch man kein WOrt.
Kein Wunder. Neugierde wird einem ja auch konsequent abgewöhnt. Schon in der Schule wird mit stumpfsinnigem Frontalunterricht und ungeeigneten Lernmethoden (Wissen so lange in den Kopf prügeln, bis es die Klassenarbeit übersteht) der Spaß am Entdecken und Erforschen abgetötet. Und denjenigen, die letztenendes trotzdem noch Interesse an Neuem haben, wird dann jeglicher Zugang zu Wissen verwehrt, weil irgend jemand ein kommerzielles Interesse daran hat.
Selbsständig zu denken, was irgendwie die Grundvorraussetzung für Neugierde ist, trauen sich/können selbst bei den (mir bekannten) Akademikern erschreckend wenige, und wenn, dann nur in ihrem eng abgesteckten Fachgebiet.
Ironischerweise ist genau das aber der Grund, warum unsere Gesellschaft überhaupt funktioniert. Denkende Menschen würden sich nicht zu Konsum- und Wahlvieh machen lassen.

Frag doch mal bei der FAZ. Ich glaub, die haben genau vor dem Gegenteil von Neugier Angst. Weil ihre Leser davon irgendwie befallen sein könnten.
Apathie. Aber die Idee mit den FAZ-Lesern gefällt mir doch besser.

[...wird dann jeglicher Zugang zu Wissen verwehrt, weil irgend jemand ein kommerzielles Interesse daran hat...]

Äh, Bibliothek? Kost' nix, außer man häuft über einige Wochen Mahngebühren an.
Die Schlussfolgerung ist so schlüssig aber nicht: Der "Normalzustand" ist auch Normalzustand und wird mit Normalzustand benannt ;)
Logische Argumentation, aber vielleicht auch andersrum:

Neugier ist so natürlich, dass jedes Lebewesen neugierig ist, wissenbegierig bzw. erfahrungsbegierig, dass es das Gegenteil, also dieses Desinteresse, garnicht gibt...

Wäre auch denkbar aber ich glaube nicht ganz so realistisch :-/
Die Neugierde gibt es nicht, also kennt man auch kein Gegenteil. Ich bin mein ganzes Leben lang gierig nach Neuem. Vom Entdeckungsdrang der Kindheit bis zum hinter die Dinge blicken wollen, das mich seit meiner Jugend begleitet.
Genau. Eigentlich ist das ne (linguistische) Tilgung: Vollständig müsste es heissen:"Neugier für X" oder deren Abweseneheit. "Neugier" ist eigentlich die Substantivierung eines Prozesses, und endet wie jede Substantivierung als gute Monty Python Vorlage.

Denn Abwesenheit von N(x) ist /= genereller Abwesenheit von Neugier.

Phlegma?
Desinteresse oder Gleichgültigkeit treffen es m.E. am besten.
Also meiner Meinung, trifft es eher das Wort Desinteresse. Denn Neugierig setzte ich auch mit "Wissbegierig" gleich. Das sind wir Menschen schon seit frühen Kindesalter. Bei einigen stumpft es leider mit der Zeit ab. Und dann entsteht Desinteresse.
Also meiner Meinung, trifft es eher das Wort Desinteresse. Denn Neugierig setzte ich auch mit "Wissbegierig" gleich. Das sind wir Menschen schon seit frühen Kindesalter. Bei einigen stumpft es leider mit der Zeit ab. Und dann entsteht Desinteresse.
Neugier=aktiv
Das Gegenteil davon müsste ein Ausdruck von Passivität sein.
Desinteresse=aktiv. kann als aktives Mittel d. Widerstandes eingesetzt werden.
Sattheit bzw. Überdruss trifft es m.E. am ehesten.
Das ist doch ganz normal. Hätten wir im Deutschen für alles ein einzelnes Wort (z.B. für "Kleines blaues Auto, mit Hamburger-Kennzeichen"), wären wir wie die Chinesen und hätten zehntausende von unterschiedlichen Schriftzeichen und/oder Wörtern.


 










16.05.2008, 15:14

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