Theaterstücke verbieten?


Foto: Akuppa

Wie mehrere Medien berichten, verfasste Cho Seung Hui, der Amokläufer von Blacksburg, in seiner Freizeit Theaterstücke mit zum Teil gewalttätigem Inhalt. Die deutsche Politik reagierte prompt:

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und ihr nordrhein-westfälischer Kollege Armin Laschet stellten dazu in Berlin ein "Sofortprogramm" für eine deutliche Verschärfung des Jugendschutzes vor.

"Wir wollen den Verbotskatalog deutlich erweitern - auf extrem gewalthaltige Theaterstücke, auch wenn sie nicht verherrlichen", erklärte von der Leyen. "Gewalt darf nicht belohnt werden in einem Bühnenspiel zum Beispiel, indem man den nächsten Akt erreicht oder indem Applaus geerntet wird." Diese Stücke dürften nicht mehr im herkömmlichen Theatern gezeigt und auch nicht in der Werbung angepriesen werden.

Das Sofortprogramm soll der Ministerin zufolge noch vor der Sommerpause vom Bundeskabinett gebilligt und bis zum Jahresende in Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein kritisierte das Sofortprogramm als unzureichend. Er forderte Laschet und von der Leyen auf, sich an den Koalitionsvertrag zu halten und solche Stücke generell zu verbieten.

Bayern will am Freitag eine eigene Initiative gegen die so genannten Killerssprechspiele im Bundesrat zur Debatte stellen. Dabei geht es um Verbote nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene.

Derzeit sind 44,7 Prozent aller Theaterstücke ohne Altersbeschränkung. 3,9 Prozent der Bühnenspiele sind nur für Erwachsene zugelassen. Die Diskussion um Verbote oder Beschränkungen beim Besuch von "Killersstücken" war 2007 nach dem Amoklauf eines Jugendlichen ausgelöst worden, der Theaterstücke verfasst hatte. Da nur zehn Prozent der im Land angebotenen Bühnenspiele auch in Deutschland verfasst werden, setzt die Bundesregierung auch auf internationale Kooperation beim Jugendschutz in diesem Bereich. Dazu soll es bis Anfang 2008 eine europäische Fachkonferenz geben.

(Text hier entnommen und leicht verfremdet)

Update: Ich geb's auf. Einmal mehr toppt die Realität die Satire. [Seufz...]



Kommentare dazu:

endlich müssen die schülerInnen dann keinen Shakespeare und Schiller anschauen, bei so viel gewalt in den stücken!
Jetzt hat auch der Philologenverband neben der Altersteilzeit endlich ein neues Thema gefunden.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/88493
Kann jupe nur beipflichten: las gestern einen Auszug aus dem mittelalterlichen irischen Volksepos "Neuigkeiten von Mac Da Thos Schwein" - da sind die diskutierten Killerspiele bestenfalls konkurrenzfähig......
ja, nur konsequent. homer wird als erster auf dem index landen. wäre noch die frage, ob theater (und eigentlich auch klassische literatur) wieder attraktiver für junge menschen würde, würde man es verbieten. einen versuch wäre es fast wert.
Interessant wird es doch erst, wenn jemand auf die Idee kommt, die Theaterstücke zu inszenieren. Weil man mit derlei Dingen Geld verdienen kann, wird die Umsetzung nicht lange auf sich warten lassen...


 










27.06.2008, 13:08

18.05.2008, 1:16

16.05.2008, 15:14

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