Indiskretion Ehrensache

Die Lottogesellschaften haben sich bekanntlich verpflichtet, die Identitäten ihrer jeweiligen Großgewinner geheim zu halten und das aus gutem Grund: Anlagebetrügervertreter, Bittsteller und Bild-BluthundeReporter würden den Glückspilzen ansonsten ihr Leben ganz schön schwer machen.

Dieses Mal hat ein Gewinner sogar rund 38 Millionen Euro einstecken können. Bei solch einer Riesensumme fällt das Dichthalten offenbar besonders schwer. Aus dieser Agenturmeldung lassen sich mühelos einige interessante Fakten über den Lottokönig extrahieren:

  • Er ist männlich
  • lebt in Westfalen
  • ist 41 Jahre alt
  • ist von Beruf Krankenpfleger
  • er ist verheiratet
  • er hat eine Tochter (12) und zwei Söhne (9 und 2)
  • und er arbeitete heute in der Frühschicht

Ich nehme Wetten an, wie lange es dauert, bis die Geier der Blöd-Zeitung und des Unterschichtenfernsehens den Vorgarten der Familie belagern.

"Er bekommt auch Tipps, wie er sich vor dubiosen Anlageberatern oder Bettelbriefen schützen kann"

heißt es in dem Bericht.

Na, nach so viel Offenherzigkeit wird er diese Tipps wohl auch nötig haben.



Kommentare dazu:

Mario, Du hast so recht, aber eines meiner Prinzipien bei der Bewertung solcher Vorfälle lautet immer: "Gehe nie von bösem Willen oder Verschwörungen aus, wenn zur Erklärung Faulheit, Dummheit oder Inkompetenz völlig ausreichen!" Ich denke, es gibt immer noch sehr viele Leute, die sich der Macht der Datenverarbeitung einfach nicht bewußt sind.

Denn, bevor es Computer gab und sie jedem zur Verfügung standen, wäre es sehr schwer gewesen, mit diesen Daten jemanden zu indentifizieren.
Markus, einen Computer wird man dafür kaum benötigen: In der westfälichen Provinz wissen jetzt zumindest seine Nachbarn und Kollegen Bescheid. Heute Abend auch deren Nachbarn und Stammtischbrüder. Nur eine Frage der Zeit, bis einer von denen versucht, sein Wissen bei irgend einer Redaktion zu versilbern. Ganz old school.
...und wer sagt euch, dass die Fakten stimmen. Evtl. werden ja bewusst falsche Informationen gestreut. Das hindert die Journalisten naemlich, bei zu wenig Info nachzufragen...

Ich kann mich natuerlich auch irren:-)
Aufwändige Sache, wenn man Kollateralschaden vermeiden will: Man müsste absichern, dass es nirgends eine Person gibt, auf die die "falschen" Daten passen. (Das kann man kaum. Hypothese deshalb: Falsche Information streuen ist zu riskant und wird deshalb nicht gemacht.)
Schade, klingt einleuchtend. Aber die Idee (Falschinfos) fand ich gut.
Etwas muss an diesem Bericht seltsam sein, wenn die Google-Anzeige darunter "Nacktes Mädchen" verspricht...
"Hier nehmt euch nen Hunni und geht was ordentliches essen, anstatt hier herumzulümmeln ... "
Sehr schön, Herr Sixtus, und wieso beteiligen Sie sich dann so detailliert an diesem unappetitlichen Extraktionsspiel?

Bigott, das.
Vieleicht, um es zu entlarven, Herr Maternus?

<kopfschüttel>
Oh man, da kann man eigentlich froh sein, nicht im Lotto gewonnen zu haben. Ich glaub ich tipp nie wieder ;o) Naja bis zum nächsten Jackpot vielleicht ^^
Da fällt mir gerade noch die Frage ein: Woher stammen diese Infos eigentlich? Gibt die Lottogesellschaft die einfach so raus? Hat die Lottogesellschaft Presseanfragen an den Gewinner weitergeleitet und das war das, was er rausgegeben hat? Oder wie oder was?
So wie ich es sehe, stammen die Infos eindeutig von der Lottogesellschaft. Ob der Gewinner dieser Übermittlung zugestimmt hat, halte ich zumindest für fragwürdig. Zugegebendermaßen habe ich allerdings diese Vermutung nicht überprüft.
Wobei "Westfalen" ja nicht sooo klein ist. Immerhin knapp halb NRW und damit über 8 Mio Einwohner.

Da es in Westfalen auch Großstädte gibt (Dortmund, Münster, Bochum, Paderborn usw.usf.), könnte es dennoch anonym bleiben, denn "auffem Land" da weiß man ggf. was die Nachbarn für Berufe haben, aber in anonymen Wohnsiedlungen in der Großstadt nicht unbedingt.
Münster und Paderborn lass ich aber nicht als Großstädte gelten ;-)
Okay, dann nenne ich noch Hagen, Herne, Gelsenkirchen und Recklinghausen!

Wobei mich dabei interessieren würde, ob WestLotto einen Unterschied bei den Gewinner"regionen" macht. Jetzt wurde ja von "Westfalen" gesprochen, was ja implizieren würde, das es ansonsten nur noch das "Rheinland" geben würde (von "Lippe" reden wir mal nicht...).

Wenn es nur diese Grobunterteilung geben würde, wäre die Angabe Westfalen als Herkunftsort okay, da man ca. 8 Mio Einwohner dort hat.

Ich meine aber mich daran zu erinnern, auch mal die Herkunft "Ruhrgebiet" gehört zu haben. Und sollte Westlotto die (logischere) Aufteilung Rheinland, Westfalen und Ruhrgebiet haben, dann würde Westfalen das ganze weniger anonym machen.


 










06.09.2008, 4:16

14.08.2008, 19:12

05.08.2008, 11:50

27.06.2008, 13:08

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