Das Zitat des Tages...

... stammt diesmal von Gerhard Henschel aus dem Dezember 2005 und erschien seinerzeit im Merkur und danach in der Taz

Dass zwölf Millionen Schwachköpfe wissen möchten, wer nun wem "am drallen Allerwertesten" gefummelt habe, und dass es ein ehrloses Klatschblatt gibt, das solchen Wissensdurst stillt und die Ehekräche primitiver Schlagerfuzzis bekochlöffelt - damit könnte man leben. Aber dass eine Kulturnation bis hinauf in die höchsten Spitzen der Regierung, der Wirtschaft und der Erbverwalter Goethes mit diesem Zentralorgan der Unterhosenspionage paktiert, ist ein Skandal. In Bild gurgelt der Gully obszön vor sich hin. Wer in dieses Abflussrohr hinabsteigt, der hat seinen Geist aufgegeben. Wer Bild als Kolumnist oder als Interviewpartner dient, der ist ethisch gerichtet und hat seinen intellektuellen und moralischen Bankrott erklärt. Und wer, wie Gerhard Schröder es getan hat, einen ausländischen Staatsgast zum gemeinsamen Bild-Interview willkommen heißt, der sollte sich die Frage vorlegen, ob es nicht anständiger gewesen wäre, den Gast in einem gut geführten Bordell zu begrüßen als in Kai Diekmanns dreckiger Sexualnachrichtenkaschemme.

Via Giesbert / Jonet



Kommentare dazu:

Das Buch "Gossenreport", welches auf der Basis dieses lesenswerten Artikels entstanden ist, findet man derzeit auf meinem Nachttisch.

Aber so sehr man es Henschel auf gönnen mag - irgendwann trägt die ewige Tirade dünn, und aus "scharfzüngig" wird "pöbelhaft". Dazu endlose Kraus-Exzerpte, und die wirklich penetrante Aufzählung lustig-empörender Sex-Anzeigen aus der Bild (für einen solchen Kampf hätte ich die Trennung von Medium und Werbekunden für angebracht gehalten - auch wenn sich vom einen auf das andere schließen läßt).

Das Buch dehnt nur den vorausgegangenen Artikel - es erweitert ihn nicht. Letztlich eine substanzarme und sehr gallige Salve mit der Schrotflinte auf das Scheunentor, die durch etliche Schreibfehler nicht gewinnt (schon die erste Bildunterschrift enthält einen eklatanten Fehler, der wirklich auch einem blinden Lektor hätte auffallen müssen).

Zucker die Stelle: "Einen Papst, der sich mit BILD-Redakteuren knipsen läßt, statt sie aus dem Tempel zu peitschen, wird es nicht kränken, wenn man ihm die Charakterfestigkeit und Prinzipientreue einer Flaschengurke bescheinigt."

Es bleibt die eher grundsätzliche Frage: 14 Euro für 180 SEHR schnell gelesene Seiten - zu teuer, oder ein akzeptabel kleines Opfer für die Unterstützung der Aufrechten?
12 Millionen Leser sind auch 12 Millionen potentielle Wähler. Schroeder arbeitete - zumindest von Zeit zu Zeit - immer gerne an der Basis und darum ist es nur folgerichtig, sich auch auf das Niveau der Basis hin zu begeben. "Halt kein so elitärer, intellektueller, abgehobener Politiker, der sich für uns überhaupt nicht interessiert." Zum Schluss hatte er dann allerdings diese Sympathien weitestgehend verspielt.
Also im Prinzip hat er ja Recht, der Henschel... Ob er nun schreiben kann oder nicht, die BILD-Zeitung ist wohl kaum als seriöser Journalismus zu betrachten.

Im Dezemeber 05 schon in den Beutel gebloggt!
http://www.mehrzweckbeutel.de/comments.php?id=4537_0_1_0

Der Link zum Online-Merkur funzt allerdings nicht mehr. Aber nette Diskussion ...

Grüzi
Ich würd die Bild Zeitung ja nichtmal mehr als Zeitung bezeichnen. Es informiert zwar, aber mit falschen oder unvollkommenen Informationen - voll gegen den Journalismus.


 










16.05.2008, 15:14

27.04.2008, 16:05

21.03.2008, 22:17

03.02.2008, 1:02

16.01.2008, 18:04

09.01.2008, 21:37

20.12.2007, 1:55

13.12.2007, 16:18

12.12.2007, 21:57

08.12.2007, 14:01

04.12.2007, 18:14

28.11.2007, 18:08

28.11.2007, 2:10

27.11.2007, 18:07

06.11.2007, 11:27


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