Interpunktion als Prostitutionsbeweis. Das nennt sich dann wohl "Einen Bock geschossen" (woher kommt eigentlich diese Redensart?): Die Kollegen der altehrwürdigen London Times haben sich da wohl ein winzigwenig vergallopiert. Aber der Reihe nach: Unter belle de jour bloggt seit geraumer Zeit eine unbekannte Autorin das "Diary of a London Call Girl". Viel beachtet, oft zitiert, preisgekrönt und gerüchtumwittert ist die Site. Fiction, Fake oder fucking Truth? Nichts genaues weiß man nicht. Für den einen oder anderen Times-Journalisten ein unhaltbarer Zustand.
Was macht man in solch einer unbefriedigenden Situation? Richtig, man bittet Fachleute um Hilfe. In diesem Fall holten die Times-Jungs Professor Don Foster ins Boot, einen Sprachexperten, der die wahre Schreiberin anhand sprachlicher Eigenarten identifizieren sollte. Die Art, wie sie Kommata und Anführungszeichen setzt, wurden der Journalistin und Autorin Sarah Champion schließlich zum Verhängnis. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei sie der bloggende Betthase, trompetete das Blatt. Dumm nur, dass Mrs. Champion sich seit fünf Jahren nicht mehr in Großbritannien aufhält und auch ansonsten nicht viel mit der Dame aus dem horizontalen Gewerbe gemein hat: außer, tja, außer der Kommasetzung vielleicht.
Im Observer durfte Sarah Champion sich gestern den Frust über die Medienhatz von der Seele schreiben.
Manchmal ist mir mein Beruf peinlich.
