Lieber Jimmy Wales, liebe Wikipedianer...

... ich bin ja ein erklärter Fan der Wikipedia. Aber jetzt mal ernsthaft: Diese Datenhippie-Nummer mit der Spendenfinanzierung solltet ihr endlich mal knicken. Das wird auf Dauer eh nicht klappen. Klebt einfach ein paar Text-Ads auf die Seiten und gut ist. Mit euren Pageimpressions gehört ihr flugs zu den Großverdienern im Internet.

Stellt euch bitte mal vor, was für tolle gemeinnützige Aktionen ihr mit all der Asche anstellen könntet. Jimmy, du hast das Thema kürzlich ja selber angeschnitten. Gut so. Aber wie der Rheinländer sagt: Jetzt mal Butter bei die Fische.

Und Schluss mit der Bettelei. "Hasse mal ne Mark n Euro" hat noch nie für stabile wirtschaftliche Verhältnisse gesorgt.

Update 1: Jeff Jarvis ist offenbar meiner Meinung.

Update 2: Steve Rubel macht sich über Jimmy Wales Rumeierei so seine Gedanken.

Update 3: Auch Peter sinniert.

Update 4: Mathias Schindler hat eine vorläufige FAQ zum Thema erstellt.



Kommentare dazu:

Ich bin erschüttert. Wer ist denn bitte auf diese Idee gekommen - Jimmy Wales himself? Mir kommen die Tränen, lange nicht so einen ausgeleierten Ansatz gesehen. Taschentuch bitte! Schneuz.
habe ich auch schon drüber abgelästert. die ganzen klon-seiten machen millionen und das wikipedia macht auf bettler. hier sollte der zweck die mittel heiligen, alles andere ist einfach nur dumm.
Mario: Die Spendenfinanzierung ist ausgeleiert, da hast Du recht - aber es gibt für Wikipedia vielleicht vielversprechendere Einnahmequellen - gerade in den USA ist der Etat für prestigeprächtige Bildungsprojekte wirklich astronomisch. Aber dazu darf man eben nicht nur Wiki, sondern muss etwas mehr pedia sein.

Die BusinessTimes-Überschrift ist übrigens ne Ente. Im Artikel selbst hört sich das ganz nach dem altbekannten Statement an, dass Werbeeinnahmen nicht ausgeschlossen sind.

Gerald: Welche "Klon-Seite" macht denn Millionen? Die meisten Mirror werden schlicht draufzahlen - aber es ist ja aus der Portokasse zu finanzieren, wenn alles frei zur Verfügung gestellt wird.
@Torsten, ich meinte schon den Plural, d.h. die Summe der Klone macht die Millionen Summe. Ich glaube ausserdem, dass das Wikipedia mit passender Werbung locker ne Millionen und mehr im Jahr verdienen könnte.
@Torsten, nach dem Nature-Artikel http://www.nature.com/nature/journal/v438/n7070/full/438900a.html wird Wikipedia wohl recht bald "pedia" werden
Ich verstehe ja, wenn ein Handelsblattblogger (nein, nicht Schubladendenken, sondern nur Folksonomie) meint, daß es nicht ohne Werbung geht. Auf der Zugfahrt neulich kam mir ein "Handelsblatt am Abend"-Beilagenteil aus der 1. ICE-Klasse in die Hände. Der Hanelsblattverlag trug dort zu gefühlten 80% der Werbung bei (linke Tasche, rechte Tasche?) und trotzdem wurde der Kommentar auf Seite 2 nicht besser.

Ist das mehr nur als der Schrecken darüber, daß es auch anders geht?
Glasklar, die Spendenmasche kann irgendwann nicht mehr funktionieren. Spätestens dann, wenn Wikipedia wirklich das ist, was Jimmy Wales sich für seine Tochter wünscht - freie Kultur durch Wikipedia. Und statt dieser ewigen Spendenaufrufe, die mann ja gottseidank per CSS verschwinden lassen kann, wäre ich über Textads gar nicht so verstimmt.
Mathias: Der Beweis, dass es auf Dauer anders geht, steht ja noch aus.

Sagen wir es mal so: Wikipedia braucht keine Werbung, sondern ein Einnahmemodell. Die Mozilla Foundation macht das grade vor.
Der Beweis, daß es auf Dauer anders geht, steht bei so gut wie jedem Modell noch aus. Ein Bezahlmodell für Musiktitel im online- und offline-Bereich möge diesen Beweis auch erstmal antreten wie spiegel online (wie war das noch mit Break even im FY05/Q4?) und andere.

Nur weil etwas 20 Jahre funktioniert hat, würde ich noch nicht von "Dauer" sprechen.

Dass BIFAB bis heute überlebt hat, ist ebensowenig einer erwiesenen Dauerhaftigkeit ihres Geschäftsmodells zu Verdanken wie ihrer Fehlerquote im Erkennen von Kundenbedürfnissen. EBI's "Werbemodell" liegt ja ebenso auf dem Schrottplatz der Geschäftmodelle wie Clickfish.

Andersherum: Warum muss es überhaupt "auf Dauer" sein? Alle 5 Jahre ein neues Finanzierungsmodell wäre erträglich, solange es überhaupt eines ist.

Zu dem Einnnahmemodell: ack
Mathias: Alle fünf Jahre ein neues Modell? Dann wirds grade Zeit :-)
Geschäftsmodell: Eine Religion gründen. Innerhalb der letzten 2000 Jahre häufiger passiert.

Geschäftsmodell: Werbefinanziert. Passiert.

Geschäftsmodell: Kriegswichtig. Im Moment nicht wirklich anwendbar.

Geschäftsmodell: Serviceverträge. Kann T-Systems "besser".

Geschäftsmodell: Partei gründen. Macht die DVU schon.

Geschäftsmodell: Staat gründen. Luxemburg. (rentacountry.com)

Andy Müller-Maguhn erzählte vor zwei oder drei Congressen, daß bei irgendeinem UMTS-Abendessen dauernd Manager an den Tisch kamen und "Habt ihr mal ein Geschäftsmodell" riefen. Ich will das jetzt nicht nachmachen.
Es geht ja erstmal nicht um ein *Geschäfts-*, sondern um ein *Einnahmen-*Modell. Non-Profit ist ja OK, aber muss es deshalb Non-Revenue sein? Auf der einen Seite Wikipedia-Server, die regelmäßig am Limit ächzen, auf der anderen Seite, Wikipedianer, die mit dem Hut rumgehen. Das hat doch keine Perspektive.

Und dann: exponenziell steigende Abrufzahlen die momentan für Probleme sorgen, statt sie zu beseitigen.

*Gerade* als Non-Profit-Organisation sollte man sich über Einnahmen Gedanken machen, mit denen man eben mehr schaffen kann, als wackelige Webserver zu stabilisieren.

Wie wäre es (laut gedacht) mit einer USB-Stick-Variante der Wikipedia, die gemeinsam mit Negropontes 100-Dollar-Laptop ausgeliefert wird (so es denn kommt)? Dafür würde ich gerne ein wenig Werbung ertragen. Mit Spendenaufrufen allein kann man solche Projekte knicken.
...da kostet der stick dann ja mehr als der ganze labtop. kann man doch schön vorinstallieren auf hd - so kann man den stick schön zum datentausch nutzen. "usb-sticks braucht die (dritte)-welt!"

also ich finde das mit der spendenfinanzierung gar nicht so schlecht - die wikipedia mit ads zupflastern? nein, dann geht ein teil der idee verloren.
sicher, die einnahmen wären beträchtlich. auch ich würde dann nichtmehr spenden, sondern klicken. aber das hängt mit der persönlichen einstellung zusammen: die, die sowieso nie gespendet hätten werden auch mit sehr geringer warscheinlichkeit klicken.

"wacklige webserver"? - nunja, google hatte mit seinen "unendlich skalierbaren" clustern auch so sein probleme (denken wir an die ersten analytics-wochen).

mit ads bin ich nicht einverstanden, auch wenn ich sie als (einzige) praktikable alternative sehe. die teilnahme an der wiki beruht im grunde auf altruistischen motiven: es steht einem frei, mitzuarbeiten; es steht einem ebenso frei, zu spenden. (aber es steht einem NICHT frei, werbung anzuschaun).

doch: einnahmemodell hin oder her, ich werde auch weiterhin die wiki unterstützen, wo es mir möglich ist...
a) Hinweis auf http://www.medienrauschen.de/archiv/2006/01/01/wikipedia-mit-werbeeinblendungen/

b) Um die Verhältnisse etwas gerade zu rücken (siehe oben Gerald). Die konservativsten Schätzungen gehen bei der "Verschönerung" mittels Google AdSense von ~1 Mio. USD pro MONAT aus, nicht pro Jahr.

c) Viel Geld ist schön, aber siehe die erwähnte FAQ.

d) Falls alle Stricke reissen und keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden können, dann - ja dann gibts wohl Werbung.


 










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