Afterblogging-Blogging

So, mit ein paar Tagen Abstand folgen nun unsortiert, ungewichtet und natürlich allerstrengstens subjektiv, ein paar Erkenntnisse, die ich von meiner vierwöchigen Deutschlandreise mitgebracht habe:

1. Deutschland ist hässlich
Klar, es gibt auch ein paar hübsche Ecken und nette Landstriche, aber generell ist dieses Land wirklich nicht schön. Das kann niemand ernsthaft behaupten. Das schlimmste sind die Kleinstädte. Orte wie beispielsweise Pirmasens sind einfach die Vorhölle. Ungastlich, muffelig, grau: Jedes Lachen wirkt wie ein Fremdkörper und wird von den Ureinwohnern mit misstrauischen Blicken bestraft.

Überhaupt die Provinz: Sollte ich mich noch einmal bloggenderweise durch die Republik rollen, werde ich an Tagen, an denen ich mich in Orten unter 200.000 Einwohnern aufhalten muss, Buschzulage verlangen.

2. Deutschland ist reich
Es herrscht offenbar wuchernder Wohlstand: Wo man auch hinkommt: nagelneue Autos. Da klagen Bürger über Steuerlast und geminderte Zersiedelungssubventionen (vulgo: Pendlerpauschale) und steigen im Anschluss daran in ihre blitzblanken Audis. OK: Wahrscheinlich sind die Kisten allesamt auf Pump gekauft, das ändert aber nichts daran, dass das Geld vorhanden ist. Es ist eine Frage der Relationen: Wer sich früher alle zwei Jahre ein neues Auto angeschafft hat und nun seit drei Jahren den gleichen Wagen fährt, empfindet das wahrscheinlich bereits als unerträgliche Zumutung und beschwert sich lautstark über diese vermeintliche Ungerechtigkeit. Eine Attitüde, die ich zutiefst verabscheue.

3. Deutschland ertrinkt im Audio-Müll
Ob an Raststätten, in Hotel-Frühstücksräumen, auf Toiletten, in Tankstellen und wahrscheinlich sogar in Beichtstühlen: Überall dudeln diese unerträglichen, profillosen Privatradiosender vor sich hin: Es ist zum Hirnerweichen. Die Audiorezeptoren der meisten Beschäftigten in der Gastronomiebranche sind durch Dauerbewurf mit akustischem Unrat offensichtlich bereits abgestorben. Auf meine Bitte hin, doch bitte das Radio etwas leiser zu drehen, antwortete mir eine Kellnerin einmal: "Radio? (Pause, in die Phil Collins hinein jammerte) Ach das meinen sie..."

Wer auch immer dieses Land in den nächsten Jahren regiert: Priorität Nummer eins sollte die Verhundertfachung der GEMA-, GEZ- und sonstigen Gebühren für Dudelkästen im öffentlichen Raum sein, damit diese Psycho-Folter mal ein Ende hat.

4. Deutschland hat ein Software-Problem
Politiker, speziell regionale und lokale, doktoren gerne an der Hardware herum. Sie fordern Umgehungsstraßen, Autobahnanschlüsse, ICE-Bahnhöfe, Gewerbegebiete und sonstigen Krimskrams. Das ist -- mit Verlaub -- gesteigerter Bullshit. Die Hardware in dieser Republik ist super in Schuss, nur an der Software mangelt es. Zu lange sind wichtige Patches und Updates nicht aufgespielt worden. Deutschland gleicht einem High-End-Computer, der unter einem Betriebssystem aus den 70-ern läuft. Angst-Subroutinen haben sich verselbständigt und fressen kostbare Systemressourcen. Trägheits-Tasks ziehen im RAM ihre Endlosschleifen: Dieses Land lebt im Idle-Zustand. Jeder wartet auf irgend etwas und die ganz nervigen Zeitgenossen warten darauf, dass es irgendwann so sein wird, wie sie glauben, dass es einmal war.

Ansonsten ist es aber ganz nett hier :-)

Ach ja: Kann das mal bitte jemand übersetzen? Danke.



Kommentare dazu:

So ... "When knowing that Michael ティルャ sword E Thomas is called MTT, lightly being to be impact, it does, it is the case that, but a certain thing we would like to see being carefully, cirque ハインツ Glasser KHG produces, as for ヨハネス B Kerner jbk is. Well, don't you think? with, the JFK っ て it is the extent which is said it is... with writing, て by your ツッコミ. And as for me jbk joining malt D coming.
" .. oder so ähnlich sagt der Translator.
D’accord (ganz besonders, was die Provinz betrifft), d’accord, d’accord und nochmals d’accord.

Nur mal aus Interesse: Welches Land ist Ihrer Meinung nach schöner als Deutschland, Herr Sixtus?
>3. Deutschland ertrinkt im Audio-Müll

das ist zwar schön das du über die privaten lästerst, aber hast du schon mal jump (vom MDR) in sachsen, thüringen und sachsen-anhalt gehört? das ist genau der gleiche mist...
Wie recht du hast, mit allem. Vor allem die Lärmbelästigung... privat mag ich mir das nicht mehr antun. Stille wird ein immer größeres Privileg.
Sie waren nicht in Dresden? :-)
Danke, eins, weitermachen
Och - die Pauschalkeule gegens Radio nimmt bei der schreibenden Zunft langsam überhand... natürlich gleichen sich die großen Landesweiten von Bundesland zu Bundesland, da kann man dem schon überdrüssig werden, dem Otto-Normalverbraucher wird das aber nicht auffallen. Trotz der Massentauglichen bietet fast jedes Bundesland 1-2 Perlen auf dem UKW-Band.

Und auch im Printmarkt tummelt sich so einiges an Dudel-Zeitungen, wie immer natürlich mit ausnahmen, schonmal die Dithmarscher Nachrichten in der Hand gehalten? Eben!
'Buschzuschlag' ist gut!

Eine weitere übersetzung.

@Andi: 1-2 Perlen? Keine, die man immer einschalten kann. Ich höre mit Antennenradio meist Deutschlandfunk, weil da so wenig Musik läuft. Oder Klassik-Sender, obwohl ich sonst kaum Klassik höre. Das alles, weil auf dutzenden von Sendern fast unentwegt Müll gesendet wird. Wieso reicht es nicht für ein paar Spartensender? Zum Glück gibt es jetzt das Internet und damit Abhilfe. Und Dudel-Zeitungen kann man sich wenigstens komplett entziehen.
Das mit dem Übersetzungs-Link hat nicht geklappt. Kann man hier nicht verlinken? Zudem wird die unverlinkte, lange URL im Kommentar-Preview abgeschnitten, manuelles Kopieren ginge auch nicht. Egal, wäre hiermit gewesen: http://babelfish.altavista.com
Deutschland ist reich. Aber alle heulen. Ein Staat der sich 5 Mio Arbeitslose leisten kann muß defacto viel Geld raushauen, und baut trotzdem noch Kreisverkehre die schöner als die meisten Terrassen sind.
Ich ware gerade in Oberhausen: Da sagst Du "Hallo" und Dein Gegenüber automatisch: "Is aber viel Grün hier". Schon als vorauseilende Verteidigung. Dabei isses eben nicht alles Grün. Nur wo Bäume stehen. der Rest ist grau. Ziemlich grau sogar.

Gegen schlechtes Radio helfen gute Podcasts. Muss ich ja sagen. Oder mal echten Menschen zuhören. Statt den Weichspülern der Servicewellen.
Tja..was ist schön?

Deutschland hat ein Journalistenproblem, das ja, vor allem.
Genau.

Daheim hocken und per Socialsoftware kommunizieren. Nur daheim ist es doch schön...

Für was das ZDF Geld ausgibt.....

Was ist schön?
Und wann ersäuft die Arroganz in Dummheit und Unverständnis? Wann kann man sehen, WIRKLICH zu kommunizieren?

Eben.

How many roads must a man lok down...
Deutschland ist hässlich? Dann warst Du noch nicht in Schottland :)
Stimmt - Audio Müll. Bin letzte Woche auch quer durch die Republik gefahren (von Nord nach Süd) und ich kann mich an höchstens 10 verschiedene Songs erinnern die in Verkehrsinfo Sendern zu hören waren. Aber die Radio-Moderatoren machen die Sache erst vollends unerträglich (Und das sage ich als jemand, der mit 16 Moderationstapes gemacht hat und nach dem Abi bei SWF3 hospitiert hat).
Ah, wollten Sie dich danach nicht? ;) Okay, ich hör auf mit flamen.

Nein, Radio macht wirklich wenig Spaß. Sogar den Moderationsäffchen, die sich im Kaufhaus wundern, dass sie ohne Optimode et. al. gar nicht als Radiostimme erkannt werden...
2. kann ich unbedingt bestätigen, 3. geht mir oft genauso - besonders hirnmarternd sind die in Kaufhäusern in Endlosschleife laufenden unterschichtentauglichen Chart-Renner oder auf Primitivtöne kastrierten ehemals melodischen Ursprungslieder. Nachwachsende potentielle Komsumenten spielen sich täglich auf Schulhöfen die Varianten der 3-Ton-Musik gegenseitig in orgastischer Freude vor! Auch hirnschrumpfende Gurgellaute eines deformierten Frosches einer gewissen Berliner Firma an der Spree sollen dabei kursieren. Hoch lebe die Klingelton- und Musikindustrie!
Wahrscheinlich ist den Pirmasensern entgangen, dass Sie da waren. Sie hätten sonst sicher sehr laut gelacht. Das tun sie nämlich sehr gerne.
Wer sich über Radiosender in Deutschland beschwert hat noch nie versucht, in Holland Radio zu hören. Gruselig.
Stefan, wenn Schottland haesslicher ist als Deutschland, warum fahren dann so viele Deutsche zum Urlaub dorthin? Aber fast keine Schotten nach Deutschland zum Urlaub?

OK, Cumbernauld, East Kilbride und Konsorten sind nicht gerade die schoensten Orte, aber da faehrt sowieso keiner hin.

Mal davon abgesehen, diese nervige Musikberieselung gibt's hier drueben auf der Insel auch, das scheint ein weltweites Problem zu sein.

Dem Hardware/Software Problem (und dem Reichtum) kann ich nur zustimmen. Wenn ich mal nach Deutschland komme und dort die Strassen, Eisenbahnen usw sehe komme ich immer wieder ins Staunen wenn ich das mit dem "Wirtschaftswunderland" UK vergleiche. Gemeckert wird hier zwar auch, aber dann wird erst einmal ein Tee getrunken und sich weiter durchgewurstelt. Irgendwie geht's schon weiter.

Und deshalb gefaellt's mir hier.
pirmi war so schlimm, ja?

was hatter da geschrieben: humorlos, misstrauisch, grau...

hm.

wie gerne hätte ich bei sixti nun ein wenig eindruck geschunden, so after after blog...allein: selbst das textfeld hier ist grau... wie soll ich da glänzen? wie schillern? wie bunteln?... ach, der sixtus, der will mir einfach keine chance geben...
zu 2.: Komisch, ich bin wohnhaft in der Opelstadt Rüsselsheim (die übrigens auch schon seit Jahren mit sich selbst, aufgrund ihrer innenstädtischen Hässlichkeit, am kämpfen ist) und dachte nur hier wäre das mit dem Neuwagenwahn so ausgeprägt.

Nunja - so kann man sich irren. Aber die meisten Fahrzeuge bei uns sind Leasingvehikel. Opel Mitarbeiter bekommen die ja zu einem lächerlichen Monatspreis.

Viele Grüsse aus der Motorcity
Und ja - ich mag sie doch, vielleicht gerade weil sie hässlich ist ;)
Mario
Audio-Müll? Das Volk bekommt, was es wählt. Ist ja nicht so, dass nicht auch dutzende Kanäle mit Klassik, Jazz, Hörspielen und so intellektueller wie wortreicher Aufarbeitung von Kultur aller Art im Angebot wäre. Zahlen ja auch alle brav für, nur einschalten tuts niemand. Das Ganze wird aber endlich getoppt: von Podcastern, die klasse mit Blogtools umgehen können, nur leider nichts zu sagen haben - das aber mit schrecklicher Spreche und Stimme. Muss man ja nicht anhören? Sicher nicht, werden aber das Niveau der Zwangsbeschallung nicht heben. Wieso soll der Kommerz-Programmdirektor Geld in leidliche Stimmen und Restgeist investieren, wenn auch der letzte therapieresistente Dummsülzer salonfähig geworden und einfach nur zur Pflege der Profilneurose und für fast umme ins Mikrofon tönt? Oh, habe ich nun etwa die Podcastosphäre und deren Gegner gleichzeitig gegen mich aufgebracht? Macht nix, ich hör einfach weg.
@stefan, den Dresdenfan.

Wer behauptet, Dresden sei schön, sollte mal eben einen Termin zum Realitäts-Check vereinbaren.

Schön an Dresden:

- Neustadt (ein relativ kleines Gebiet)
- Barockes Altstadtensemble (Frauenkirche, Schloss, Zwinger et. al.)
- die Elbe

Ansonsten ist Dresden eine äußerst lückige Stadt mit zerfasert-krebsigen Gewerbeflächen voller Baumärkte und Tankstellen, die die verstopften Ausfallstraßen überwuchern, gesichtslosen und weiträumigen Plattenbauensembles direkt am Rande der Altstadt. Ein Stadtbummel über die Prager Straße Richtung Hauptbahnhof könnte labile Naturen in eine schwere Depression stoßen...

Dazu kommen die allgegenwärtigen maroden Straßenzügen (vor allem in den inneren Vorstädten) voller geschwärzter und halbruinöser Altbauten, dazwischen Abbruchbrachen und lieblos hingeknallte Geschäfts- und Bürohäuser der 90erjahre.

Dresden bietet also das Bild einer ganz normalen ostdeutschen Großstadt, gezeichnet von DDR-Verfall, Investitionsschub der 90er und allgemeinem kommunalem Geldmangel der Gegenwart. Erschwerend dazu kommt natürlich das Bombenmassaker von 1945.

Aber interessant und sehenswert ist die Stadt dennoch. Und wenn in der Nacht die barocke Altstadt leuchtet, dann erahnt man beim Blick von der Neustadt aus, wie schön dieses Dresden einmal gewesen sein muss. Wenn schon die Rudimente noch diese Schönheit ausstrahlen.
Deutschland ist haesslich? Deutsche Kleinstaedte sind haesslich? Na, dann hast du noch nicht in einer islaendischen Stadt gewohnt ;)!

@Armin: Das Argument mit dem Urlaubsland zaehlt fuer mich nicht. Es gibt immer gewisse Moden und Trends. Ist denn ein Land haesslich, nur weil dort evtl. weniger Touristen als anderswo sind? Dann muessten die Tuerkei, Aegypten, Tunesien und Co. ja die reinsten Perlen sein...


 










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