Zwillinge, bei der Geburt getrennt

Was haben Steve Ballmer und der Mann, der sich Don Alphonso nennt, gemeinsam? Beide kapieren RSS nicht. Der eine hier, der andere da.

Der eine darf nicht daran glauben, weil einfache, pfiffige Neuerungen, die schlichtweg funktionieren und keine monatlichen Updates benötigen, eine Horrorvorstellung für sein Unternehmen sind.

"It is a little too simple, that is also the reason everyone’s using it"

sagt Ballmer. Richtig. Direkt danach droht er schon wieder:

"We are working on more existing powerful stuff, around XML/web services [sic] that will address many issues beyond RSS."

Genau. "Powerfull Stuff", vielleicht direkt in der "Enterprise Edition" lieferbar auf fünf DVDs. Was hat so ein leichtgewichtiger Standard wie RSS dagegen noch für eine Chance, mag sich Ballmer denken.

Auf dem Kongress Les Blogs erzählte Euan Semple von der BBC, zur internen Projektplanung habe sein Sender jahrelang eine komplexe Intranet-Weblösung eingesetz. Das Problem: Niemand hat sie genutzt. Zu groß, zu mächtig, zu umständlich. Inzwischen wuchern stattdessen ein paar kleine Wikis im BBC-Netz und siehe da:

"Das wächst unglaublich schnell", berichtet Semple, "man findet dort inzwischen enorm viele Projektunterlagen, Einsatzpläne oder Brainstorming-Notizen."

Und:

"Die Leute fühlen sich wohl mit diesen kleinen Programmen."

Quelle: Aktuelle c't (Disclaimer: Der Artikel ist von mir).

Genau das ist der Technologie-Trend, der von vielen Web 2.0 genannt wird: Kleine, leicht zu bedienende Anwendungen, die Zusammenarbeit und Informationsaustausch verbessern. Ballmers "Powerfull Stuff" und seine "Web Services" braucht kein Mensch mehr. Die sind einfach sooo 90er.

Don Alphonso hat einen anderen Grund, RSS nicht zu mögen. Nach dem Platzen der Internet-Bubble sind ihm einfach die Feindbilder abhanden gekommen. Also schnappt er sich jetzt irgendetwas mit drei Buchstaben und prügelt darauf ein wie in alten Tagen. Dass RSS kein Hype eines Sturt-Ups ist, welches mal eben ein paar VC-Millionen verbrennen will, sondern -- im Gegenteil, ganz ohne künstlichen Buzz -- graßwurzelmäßig Millionen Anwender gefunden hat, weil es klein, praktisch und kuschelig ist, stört Alphonso nicht weiter. Kenn ich nicht, kapier ich nicht, muss böse sein.

Die Welt entwickelt sich weiter, einige werden da nicht mehr mit kommen und zurück bleiben. Mir tut es um sie nicht leid.



Kommentare dazu:

Ich sage nur "Greasemonkey" - auch ich als absoluter Nicht-Techniker bin schwerst begeistert. Denn plötzlich habe ich einen "Delete"-Button auf der Gmail-Seite, ob Gmail das jetzt will oder nicht. DAVOR sollte Angst haben, wer meint, seinen Kunden / Benutzern irgendeine Technik oder Powerfull Stuff anbieten oder verbieten zu müssen.
Also, Greasemonkey rocks!
Ein wenig bin ich ja versucht zu sagen, Don A. ist halt ein Journalist und ein deutscher dazu... aber lassen wir das... sind ja nicht alle so... ;-)
Wie sagte schon Stowe:

"journalists writing blogs on blogging is something like letting the lunatics run the asylum."

=8-]
Es ist schon schwierig als freier Journalist, den nächsten Artikel zu aquirieren, gell? Ja, ja, die Konkurrenz ist gross. Es ist seltsam, aber ich wünschte es wär Sonntag und Hal Faber wär da....

mikel (on the raod again)


Danke!
Dons Meinung wäre ja völlig in Ordnung, wenn er nicht versuchen würde von sich aus auf andere zu schließen - das ist stets ein Fehler. :-)

Ich hätte eine bitte: Könnten sie mir die Quelle(n) dieser Aussage liefern. (c't hab ich schon).
Ich interressiere mich nämlich für praktische Anwendungen von Wikis und hätte gerne weitere Informationen darüber.
<CUT>
Auf dem Kongress Les Blogs erzählte Euan Semple von der BBC, zur internen Projektplanung habe sein Sender jahrelang eine komplexe Intranet-Weblösung eingesetz. Das Problem: Niemand hat sie genutzt. Zu groß, zu mächtig, zu umständlich. Inzwischen wuchern stattdessen ein paar kleine Wikis im BBC-Netz und siehe da:

"Das wächst unglaublich schnell", berichtet Semple, "man findet dort inzwischen enorm viele Projektunterlagen, Einsatzpläne oder Brainstorming-Notizen."

Und:

"Die Leute fühlen sich wohl mit diesen kleinen Programmen."
</CUT>
Ähm, wie in der c't angemerkt sagte Semple diese Sätze auf dem Podium des Kongresses Les Blogs. Noch weitere Fragen?
Ich wollte eigentlich wissen ob sie weitere Informationen zu der praktischen Anwendung von Wikis haben (z.B.: BBC Projektmanagement).

Ich möchte mich entschuldigen falls ich mich unklar ausgedrückt habe.
Am einfachsten ist, Sie fragen Semple direkt. Hier ist sein Blog inkl. Kontaktmöglichkeit.


 










27.06.2008, 13:08

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