Zu viel Pressefreiheit?

Was soll man davon halten, wenn eine Umfrage herausfindet, dass

  • 43 Prozent der Meinung sind, die Presse hätte zu viel Freiheit,
  • 22 Prozent finden, die Regierung sollte die Presse zensieren
  • und 53 Prozent sagen, Geschichten mit ungenannten Quellen sollten nicht veröffentlicht werden?

Wo diese Umfrage stattfand? Im Iran? In Saudi-Arabien? In China? Nope. Vielmehr im Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Kopfschüttelnd hofft der Chronist, dass nicht alle US-Moden auf das alte Europa abfärben.



Kommentare dazu:

Naja, wenn ich nur BILD (bzw. die US-Pendants) lesen würde, dann wäre ich auf für Zensur. Die ganzen Gerüchte die da über die bedauernswerten A-, B-, C-Promis, Künstler, Sportler und Millionäre aufgedeckt werden sind schließlich empöööörend. :-D
Wer regelmässig Bildblog liest, der wird sicherlich auch finden, dass, wenn es um Verdrehungen von Tatsachen in Deutschland größter Boulevardzeitung geht, es zuviel Freiheit gibt. Bei Wahrheit kann es jedoch nicht zuviel Freiheit geben.
Dazu muss man ehrlicherweise auch sagen, dass die US-Medien extrem häufig auf ungenannte Quellen vertrauen. Das macht die Geschichte für den Leser oft nicht eben transparent. Man kann eben nur schwer einschätzen, ob da jemand wirklich nicht genannt werden will, weil er sonst seinen Job verlieren würde - oder ob da nur gezielt PR betrieben wird.

Außerdem liest sich das eben nicht eben besonders spannend, wenn seitenlang nur Leute ohne Namen zitiert werden. Manchmal gipfelt das dann gar in Schlagzeilen wie "Sources: Earth is flat".

Wohlgemerkt, meine Meinung ist nicht, dass Geschichten mit ungenannten Quellen nicht veröffentlicht werden sollten. Aber manchmal wünscht man sich eben doch ein bisschen mehr journalistischen Mut. Auch wenn sich jemand damit den Kontakt zu einem Gesprächspartner verprellen könnte.

Ein Beispiel dafür, wo so was billigend hingenommen wird, ist übrigens ausgerechnet die US-Ausgabe des GQ-Magazins. Das Portrait des US-Notenbankchefs Alan Greenspan aus der April-GQ ist ein tolles Beispiel für solchen furchtlosen Jorunalismus - und wär wohl so in Deutschland nie möglich gewesen.

http://men.style.com/gq/features/full?id=content_843
Zugegeben, ich kenne die US-Presselandschaft nicht besonders gut, aber dass dort mittlerweile -- zumindest laut der zitierten Studie -- jeder fünfte (!) Bürger für staatliche Pressezensur ist, das zieht mir doch die Schuhe aus und wieder an. Ich bitte euch: Free Speech hat dort Verfassungsrang. Selbst wenn ich Bildblog und Wallraff zum Quadrat nehme, würde ich nie auf die Idee kommen, eine Zensur zu fordern. Eine genauere Kontrolle des Pressekodex, ja klar, wegen mir auch in Gesetzesform gegossen und strafbewehrt. Aber der Ruf nach einem Zensor überschreitet dann doch meine Phantasie.

Was die anonymen Quellen angeht: manchmal sind sie halt notwendig, sonst hätte man bspw. Watergate nie aufdecken können (mit einer Zensur auf Seiten der Regierung natürlich auch nicht). Etwas problematisch ist es natürlich immer, wenn beispielsweise der Spiegel zitiert, was aus "Regierungskreisen" oder "aus dem Umfeld des Ministers" verlautet. Aber das ist eher eine Frage des Stils und es liegt immer noch im Ermessen des Lesers, welches Gewicht er solcherlei Aussagen einräumt.


 










27.06.2008, 13:08

18.05.2008, 1:16

16.05.2008, 15:14

27.04.2008, 16:05

21.03.2008, 22:17

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