Ähm...

Ich bin ja kein Religionswissenschaftler, aber: Ist die kultische Verehrung eines toten Körpers nicht eigentlich, nun ja, unchristlich?



Kommentare dazu:

Ja was erwartest Du von einer Religion, die dem Kanibalismus fröhnt?

Täglich wird der Leib Christi mit einem Schluck Wein verspeist.

Zombiekult noch dazu. Auferstehung der Toten...
Meist finde ich hier viele witzige und nachdenkenswerte Beiträge, zu diesem Text fällt mir aber nur ein: si tacuisses...
Stephan: Ich finde es etwas pietätlos, bei einem stummen Papst mit "si tacuisses" zu kommen.

De mortuis nihil nisi bene.
Sol lucet omnibus :-)
Quae lumen lux.

Caesar equus consilium.

Caesar classis Romanarum.
Zur Sache:

Wahrscheinlich ist das letztlich (hier bin ja auch kein Theologe) dann wohl doch eher evangelisch argumentiert. (à la Schriftauslegung als das Höchste, weniger Brimborium, allzu kultisch-heidnische Zöpfe bitte abschneiden usw.)

Die katholische Kirche lebt doch wohl ganz offensichtlich von diesen heidnisch-volkstümlichen Üppigkeiten, Sinnlichkeiten und saftig-plastischen Performances... (anders als die etwas dürr proto-logikerhaft/nerdig rüberkommenden evangelischen Theologen im schlichten dunkelgrauen Anzug und randloser Brille)
Kultur- und religionshistorisch gesehen, ist die Totenverehrung gar nicht so unchristlich. Ich denke da vor allem an all die Heiligenviten, Reliqiuen (Finger, Knochen etc.). Reliquien- und Heiligen- und Märtyrerkult (-verehrung) ist, zumindest der Tradition her, etwas zutiefst katholisches.
Was veranlasst Dich denn zu der Annahme?
Ich dachte immer, die christliche Lehre wendet sich gegen einen Personenkult? Aber ich bin da wie gesagt kein Fachmann...
Nun ja. Was heißt schon Personenkult. Ich denke, dass wir da unterscheiden müssen zwischen der "letzten Ehre", die die eine oder andere Million ihrem Papst erweisen wollen (und der bei vielen wohl echt empfundenen Trauer) - und der Überdrehung dessen, was passiert, durch (Boulevard)Medien.
(Jaja, ich weiß, das sage ausgerechnet ich als Anhänger des Boulevard.)
Aus evangelischer Sicht problematisch ist eher die kolportierte Idee, das Leiden des Papstes mit dem von Christus zu vergleichen ("Jesus stieg ja auch nicht vom Kreuz").
Einer der innerchristlichen Streitpunkte seit der Reformation ist aber tatsächlich die (kultische) Verehrung von Teilen von Toten (Reliquien). Das lehnen wir orthodoxen Lutheraner ab. Halte ich auch für Blasphemie (also Gotteslästerung).
Aber ist das, was da in Rom passiert, wirklich "Verehrung eines toten Körpers"? Oder "nur" trauerndes Abschiednehmen?
Definitiv keine "Verehrung eines toten Körpers". Niemand (naja, außer vielleicht im Web, da geht alles) käme auf die Idee, den Trauerbesuch an der Bahre von Angehörigen als solcherart "Verehrung" zu bezeichnen. Dass diese Frage allerdings ernsthaft gestellt werden kann, zeigt nur, wie weit das Wissen um unsere Bestattungskultur schon geschwunden ist. Das hat mit christlich oder unchristlich gar nichts zu tun.
Na ja, um einen "Trauerbesuch von Angehörigen" handelt es sich in diesem Fall ja wohl definitv nicht. Den Eindruck der "kultischen Verehrung" konnte ich nicht unterdrücken, als ich im TV heute die Busladungen der "Pilger" (die nennen sich selber so) sah. Einige faselten was von "Erlösung" -- und sie meinten nicht den Papst, sondern sich. Wenn das kein Kult ist, weiß ich nicht, was es sonst sein soll.
Was soll ich dazu sagen? Wer nicht weiß, was Kult ist, kann auch nicht erkennen, was keiner ist. Insofern lag Stephan oben schon ganz richtig: Si tacuisses...
mr94: Eine für die Christien übliche Reaktion: Unliebsame Meinungen "niederprügeln" und Anderstdenkenden den Mund verbieten wollen.
Ähmm... Man wird doch Unsinn noch als solchen bezeichnen dürfen? Du bist mit Deinen Urteilen schnell bei der Hand - wären sie doch von wenigstens rudimentärer Kenntnis getrübt! (Wie käme ich dazu, dem Hausherrn den Mund verbieten zu wollen? Jeder blamiert sich, so gut er kann.)
Ach, wie würdest Du ein "Hättest Du geschwiegen" interpretieren? Für mich ist es eine überaus höfliche Form von "Halt doch besser Dein Maul!"

Und Unsinn mag es in Deinen Augen sein! Manch anderer sieht diese Völkerwanderungen nach Rom als Unsinn!
Naja, wie sagt der große Philosoph Dieter Nuhr? Wenn man so richtig keine Ahnung hat... :)

Dass die Meinungen über den Papst, sein Ableben und die Trauerfeierlichkeiten weit auseinander klaffen, war nun wirklich zu erwarten. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.
Und warum hälst Du Dich dann nicht an Deinen großen Philosophen?

Mir geht gerade ein Bild durch den Kopf:

Du bist der typische überhebliche [...] Christ!

EOD
Trotz des ex cathedra ergangenen Verdikts erlaube ich mir eine philologische Nachbetrachtung. "Si tacuisses, philosophus mansisses" heißt: "Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Freund der Weisheit geblieben." Das als höfliche Umschreibung von "Halt's Maul" zu interpretieren, ist schon reichlich gewagt. Im Gegenteil drückt es Hochachtung aus, verbunden mit der leisen Mahnung, den Nimbus nicht durch unbedachte Äußerungen zu verspielen. Was Du hier geboten hast, ist ein drastisches Beispiel für eine Haltung nach dem Muster "Ich lasse mich und meine schöne Meinung doch nicht durch Tatsachen beeindrucken." Cool. Dass ich dafür als überheblich qualifiziert werde, muss ich wohl in Kauf nehmen.
nach katholischem Verständnis ist Verehren eines toten Körpers nicht unchristlich, eher erlaubt und erwünscht.

Katholiken sind aber auch keine Christen.
Mr94, beachte bitte, dass hier in den Kommentaren zwei Marios schreiben.

Und falls du mich meintest von welchen "Tatsachen" redest du?
Das war mir zwischenzeitlich wohl entgangen. Tut mir leid.

Tatsache ist, dass christliche Trauerfeierlichkeiten an keiner Stelle etwas mit kultischer Verehrung eines toten Körpers zu tun haben. Es geht bei all diesen Ritualen um den ganzen Menschen, sein Lebenswerk bis zum Tod und die Hoffnung auf seine Auferstehung von den Toten. Auch wer diese Hoffnung nicht teilt, kann Respekt vor dem verstorbenen Menschen haben und ihn zeigen (oder immerhin zugestehen, dass andere ihren Respekt auf diese Weise bezeugen).

Bislang scheint es noch Konsens in unserer Gesellschaft zu sein, Menschen auch nach ihrem Tod ihre Menschenwürde nicht abzusprechen und demzufolge ihre Leichen nicht einfach nur möglichst effizient zu entsorgen - sondern würdig (der Würde entsprechend) zu bestatten.
Nur auf der Grundlage des Laizismus kann Europa gebaut werden.


 










16.05.2008, 15:14

27.04.2008, 16:05

21.03.2008, 22:17

03.02.2008, 1:02

16.01.2008, 18:04

09.01.2008, 21:37

20.12.2007, 1:55

13.12.2007, 16:18

12.12.2007, 21:57

08.12.2007, 14:01

04.12.2007, 18:14

28.11.2007, 18:08

28.11.2007, 2:10

27.11.2007, 18:07

06.11.2007, 11:27


Warum aosgerechnet Verlage und Medienhäuser glauben, sich ins Community-Geschäft stürzen zu müssen, entzieht sich dem gesunden Menschenverstand.

In der Online-Medienbranche grassiert der Peh-Ih-Wahn. Zeit, damit aufzuräumen. Weg mit den Nullen!

Videos gehören auf die Festplatte der Nutzer und nicht in Streaming-Player auf Webseiten

Die Interessen reichen von Musik über Einstein bis Sushi: In der Web-Community Myspace suchen Millionen nach Gleichgesinnten

Öffentliches Herumprobieren verleiht der Internet-Entwicklung eine neue Dynamik. Reißbrett und Planungsstab waren gestern. Die Farbe der Saison heißt beta. Web-Anwendungen entstehen in freier Wildbahn, Nutzer oszillieren zwischen Versuchskaninchen und Mit-Entwickler.

Google ist der Liebling von Surfern und Anlegern. Innerhalb von nur acht Jahren wuchs das Suchmaschinen-Unternehmen vom Start-up zweier Studenten zum milliardenschweren Global Player. Doch in der letzten Zeit hat das strahlende Image einige kräftige Kratzer erhalten.

Wer braucht noch TV-Sender? Nach der Musikindustrie krempelt das Internet jetzt das Fernsehen um

David Weinberger veröffentlichte Anfang 1999 mit drei weiteren Autoren das „Cluetrain Manifesto“. Darin wird anhand von 95 Thesen erklärt, wie das Internet die Regeln des Wirtschaftens verändert.

Noch mehr Pathos geht wahrscheinlich nicht. "Menschen der Erde", beginnt die Kampfschrift und fährt ein paar Absätze weiter fort: "Der Himmel ist offen bis zu den Sternen. Wolken ziehen am Tag und in der Nacht über uns."

Google kämpft gegen Tricks, mit denen sich Webseiten in den Suchlisten nach oben drängeln - und bestraft BMW

Ganoven ködern ihre Opfer mit dubiosen E-Mails. Jetzt schlagen Surfer zurück und führen die Kriminellen an der Nase herum

Erstmals bekam die Online-Enzyklopädie Schelte von Kritikern und Medien zu spüren. Gut möglich, dass ihr das weiterhilft.