Die Münchner Boulevardzeitung "TZ" hat sich die Sache mit dem Journalismus neulich sehr einfach gemacht, wie Telepolis heute aufdeckt. Man nehme: ein Foto aus dem Jahre 2001, das US-amerikanische Zollbeamte an der amerikanisch-mexikanischen Grenze geschossen hatten (Update: Fraglich ist sogar das. Siehe Kommentare). Drumherum schreibe man eine gleichsam frei erfundene wie dramatische Geschichte über einen missglückten Menschenschmuggelversuch in Richtung Bayern. Fertig ist der Seite-1-Aufmacher.
Das ist eine Sache. Eine andere ist, dass das Kölner Boulevardblatt "Express" heute die gleiche Meldung mit dem gleichen Foto veröffentlichte, wenn auch wesentlich kleiner und unter "Vermischtes" (s.o.).
Der Textanfang "München" lässt darauf schließen, dass die Kölner diese Märchengeschichte schlicht und einfach bei den Münchnern abgeschrieben haben. Tut man nicht, aber nun gut: Boulevardjournalismus halt. Stutzig macht allerdings das Bildcopyright "Foto: dpa".
Ich sehe eigentlich nur zwei Variationen: Entweder haben die Express-Brüder die Story aus der TZ abgepinnt und dann das Dpa-Bildarchiv nach der entsprechenden Bebilderung durchsucht. Dann wären sie nach allen Gesetzen der Logik aber auch auf die Quelle und das Datum des Fotos gestoßen. Dass sie darauf hin noch die (dann als falsch erkennbare) Meldung gebracht hätten, ist eher unwahrscheinlich. So boulevardesk der Express daher kommt, ein Lügenblatt ist er eigentlich nicht.
Wahrscheinlicher ist eher, dass die TZ Bild und Text als Vorabmeldung an die Agenturen gegeben hatte und die Dpa das Geschichtchen sammt Illustration dann ungeprüft weiter verbreitete. Weiß irgendjemand Genaueres? Ist die Story noch in anderen Zeitungen erschienen? Ging sie über den Ticker?
