Lieber Frank, lieber Don, eigentlich wollte ich zu eurer Plauderei gar nichts schreiben. Zu banal, zu belanglos, zu vorhersehbar. Ich bin Mitglied bei Fortuna Düsseldorf. Wisst ihr, was das heißt? Ich habe die letzten Jahre im Stadion nur dritt- und viertklassige Spiele gesehen. Das nervt. Ich weiß also, wovon ich rede, wenn ich euer Gespräch mit einem müden 0:0 gegen Erzgebirge Aue vergleiche.
Warum ich jetzt trotzdem was schreibe? Ich habe mich über euch geärgert. Über euch beide. Keiner von euch war in der Lage auch nur einen Schritt zurück zu treten, um seinen Blickwinkel auch nur ein klitzekleinwenig zu erweitern und sich die gesamte Landschaft anzuschauen in der er gerade steht und über die er spricht. Don hatte sein Blogbuch vor der Nase und Frank seinen Arbeitsvertrag als SpOn-Redakteur. Ach was, vor der Nase, vor den Augen!
Blogs und Journalismus? Phhh. Das ist so, als würde man darüber diskutieren ob der ein- oder der zweispännigen Pferdekutsche die Zukunft gehört, während Henry Ford längst sein Modell T am Fließband fertigt. Ihr seid doch beide intelligente Menschen. Werft doch zu den beiden Begriffen noch ein paar weitere in den Topf. Ich mache ein paar Zutaten-Vorschläge: Kolaboratives Filtern, Virtuelle Soziale Netze, Syndizieren, Personalisierbarkeit, Newsbots, Podcasting, Broadcatching, WiFi, Grid-Computing, P2P, Partizipativer Journalismus, Datamining und Lokalisierung. Vielleicht fallen euch ja sogar noch ein paar mehr ein? Das ganze gut umrühren und auf kleiner Flamme köcheln lassen. Dann erst mal jeder nur einen Schluck von der Suppe. Nein, Don, nicht so gierig.
Merkt ihr was? Willkommen im 21-ten Jahrhundert! Eure Konversation auf der Buchmesse entsprang den Hirnen von zwei Bewohnern des 20-ten Jahrhunderts, die noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen sind.
Vielleicht hilft ja ein Blick in die nähere Zukunft, um zu verdeutlichen, was ich meine. Besser gesagt: Ein Blick in eine der möglichen Zukünfte. Hier wäre einer:
Dieses extraordinäres Stück Zukunftsvision (Flash, Breitband empfohlen) macht euch vielleicht die Tragweite des Themas klar, das ihr letztens so stümperhaft zerredet habt. Ich habe natürlich auch keine Ahnung, wie die Zukunft aussehen wird und die Epic-Story ist nur ein kleiner Denkanstoß. Aber eins weiß ich genau: Die Zukunft der Medien wird mit dem Gebrabbel, mit dem ihr mir 30 Minuten meiner Zeit gestohlen habt, nichts zu tun haben.
So. Und jetzt hab ich mich endlich abgeregt. Danke für eure Aufmerksamkeit.

Du hast es geschafft, ungefähr das aufzuschreiben, was ich nur als unbestimmtes Gefühl von Unwohlsein wahrgenommen habe während ich die Audioaufzeichnung konsumiert habe.