Verwirrung bei der GEMA

Ein weiteres Kapitel aus dem beliebten Buch "Neue Technologien treffen auf alte Institutionen": Zur Zeit recherchiere ich für einen Artikel über Podcasting. Da darf natürlich ein Anruf bei der GEMA nicht fehlen. Nachdem ich mich todesmutig an dieser Verwirrungserzeugungsmaschine (MP3) vorbeigekämpft hatte, wurde ich fröhlich zwischen zwei Herren hin- und herverbunden. Der eine war zuständig für Internet-Radios, der andere Fachmann für Musik-Downloads. Von Podcasting hatten beide noch nie etwas gehört, aber jeder wollte mir weismachen, dass das wohl in den Arbeitsbereich des jeweils anderen Herren fiele. Lustig.

Schließlich ließ sich der Download-Experte von mir davon überzeugen, dass er der zuständige Mann sei (Ich: "Schließlich wird da ja etwas auf Festplatte heruntergeladen", er: "Da haben sie Recht"). Fazit: Nichts Genaues weiß man nicht. O-Ton: "Mit zeitverzögerten Radiosendungen hatten wir noch nie zu tun." Man müsste wohl die normalen Download-Lizenzen anwenden, dachte der gute Mann laut nach, somit wären dann zehn Cent pro Song und Download fällig. Dazu käme natürlich noch der Rechteerwerb vom Label (das diese Rechte wohl kaum heraus rücken wird, aber das ist ein anderes Thema.)

Eine Legende konnte er immerhin vom Tisch wischen: Das Gerücht, GEMA-Lizenzen seien bei 30-Sekündern oder Mono-Aufnahmen minderer Qualität nicht zu zahlen, ist genau das: Ein Gerücht. Bluten muss man, sobald man einen Song "erkennbar" abspielt, unabhängig von Länge oder Qualität. Ob die GEMA künftig Podcaster zur Kasse bitten wird, ist allerdings fraglich. "Das ist sicher ein Sonderfall, für den man eine gesonderte Regelung treffen müsste", sagte der GEMA-Mann schließlich. Da habe ich offenbar jemandem ein nachdenkliches Wochenende beschert.

Als Erkenntnis bleibt: Podcaster, die rechtlich auf Nummer Sicher gehen wollen, sollten ausschließlich freie Musik verwenden, sonst könnte es vielleicht doch noch teuer werden.



Kommentare dazu:

Scheiss Kapitalisten!

Ha! 5 Sekunden Klaviermusik auf dem GEMA-Anrufverwirrungsmitschnitt! Das ist ja schon fast Vollzitat! :) Schon GEZahlt?

Mathias
War das denn "erkennbar"? Außerdem verwendet die GEMA für ihre Nervtötungsschleifen doch sicherlich GEMA-freie Musik...
Dann wissen wir ja auch, bei wem wir uns bedanken können, wenn die schlafenden Hunde jetzt erwachen ... ;o)

Nein ernsthaft. Genau dieses Heckmeck und diese Unsicherheit ist der Grund, warum ich nur minimalste Musik habe (=fast null) und dieses auch nur bei Leuten mache, die selber die 'Hersteller' sind und auch nur, wenn erkennbar eine entsprechende Lizenz erteilt wird.

Alles andere boykottiere ich und gebe auch an Band die entsprechende Warnung weiter: Die ersten Einnahmen, die Ihr von der Gema bekommt, sind Eure eigenen Zahlungen von Euren eigenen Proben und Konzerten.

Das System bedarf der Überarbeitung - aber kombiniert mit dem bekannten Pfründe schützen sehe ich da keine Änderungen kommen.


Die Ansage ich ja tödlich. Aber die Info aus dem Biologie-Unterricht mit dem Kurzzeitgedächnis, dass sich nur einen Satz merken kann, ist bei vielen auch nur da gelandet.
Den Aufsatz "Das Internet und digitales Rechtemanagement aus Sicht der GEMA" von den beiden Vorsitzenden der GEMA sollten man sich in diesem Zusammenhang ebenfalls durchlesen. Selten so gelacht.

Zitat: "Nachdem sie sich mit den rechtlichen, technischen und praktischen Gegebenheiten der Musiknutzung im Internet vertraut gemacht hatten, lag es an den GEMA-Mitarbeitern durch Besuch von Messen und Veranstaltungen, Durchforstung von Fachblättern und Fachliteratur sowie durch Überprüfung des Internets selbst, potentielle kommerzielle, aber auch nicht-kommerzielle Nutzer von Musikwerken, die von Deutschland aus operieren, ausfindig zu machen. Da wir es hier mit einem Nutzerkreis zu tun hatten - und immer noch zu tun haben -, dem das Institut "geistiges Eigentum" und die sich daraus ergebende Verpflichtung zur Zahlung von Vergütung bei dessen Nutzung, wie vielen in der Bevölkerung, fremd ist, bedurfte es seitens der GEMA pädagogischen Geschicks und nachhaltiger Überzeugungsarbeit, um die Nutzer mit den Gepflogenheiten des Musik-Lizenzmarktes vertraut zu machen."

Wenn man dann noch feststellt, dass für die Vergütung und Lizensierung prinzipiell einfach die Regellungen der "realen" Welt übernommen worden sind, fängt man langsam an sich wirklich Sorgen zu machen.
Es gibt vor allem in Musikerkreisen noch die falsche Ansicht, dass die GEMA sich um die Urheberrechte kümmert. Deswegen rennen viele dort hin.
Ich versuche seit Oktober, mich für freie Musik aus Deutschland einzusetzen und sie auch im Sammelstelle-Podcast zu spielen - und bin bislang auch immer fündig geworden. Wichtig ist nur, dass sich auch beim Podcasting eine "freie" Kultur entwickelt, wie sie bei den Open-Source und Wikipedia-Kollegen schon vorhanden ist. Da sind dann aber auch Regeln notwendig.
EinigePodcasting-relevante Rechtliche Dinge sind jetzt auch im Wiki der deutschen Podcasting-Szene zu lesen: wiki.podcast.de


Das Wiki funzt nich. DNS-Probleme?
yep. sorry.. wir arbeiten dran...!
nunja am besten in holland anmelden
beim podcast coffeeshop...
http://www.edri.org/edrigram/number3.17/onlinemusic
Muß man nicht auch, unabhängig von der GEMA-Frage, GVL bezahlen als "Musikanbieter" (ähnlich dem Radio im Dönerladen)?
sag mal, Mario, hast Du eigentlich für die Wiedergabe der GEMA-Telefonansage eine Lizenz von der GEMA? Da es ein kompletter Mitschnitt ist, könnten nach derzeitiger GEMA-Praxis durchaus € 1,00 - 1,25 pro Download (!) fälig werden. Kurzer Nachtrag zum Thema Stand 09.02.2006: Die GEMA arbeitet (immer noch) an einem Tarifmodel für podcasts und rechnet grob mit einer Vorstellung in ca. 3 - 4 Monaten. Bis dahin gilt weiterhin erhöhtes (finanzielles) Risiko beim Einsatz geschützten Materials in Podcasts.
Gott sei dank gibt es mittlerweile Anbieter von GEMAfreier Musik, die tausende Musikstücke für nur 49,- Euro im Jahr anbieten. Die Nutzung ist dabei zeitlich unbegrenzt. Tot der GEMA !!!
Und ohne Gott zu danken, gibts tausende von Musikern und Plattformen, die ihre Musik wirklich frei anbieten und dafür *keine* 49 Euro im Jahr verlangen. GEMA bloss weg mit sowas...


 










16.05.2008, 15:14

27.04.2008, 16:05

21.03.2008, 22:17

03.02.2008, 1:02

16.01.2008, 18:04

09.01.2008, 21:37

20.12.2007, 1:55

13.12.2007, 16:18

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08.12.2007, 14:01

04.12.2007, 18:14

28.11.2007, 18:08

28.11.2007, 2:10

27.11.2007, 18:07

06.11.2007, 11:27


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