Eigentlich wollte ich dieses Erlebnis ja als Meldung bei Heise-Online bringen. (Update: Dort steht es mittlerweile auch). Dann halt zunächt als Blog-Posting: Bei GMX ist der Wurm drin! Aber was für einer! Vor ca. zwei Stunden spielte ich ein wenig an meinem PocketPC herum und stellte spaßeshalber den Email-Empfang von POP auf IMAP um. Beim nächsten Abruf tröpfelten mir 64 Mails auf das Kistchen. Das Dumme daran: Es waren nicht meine! Sie gehörten allesamt einem Jürgen W. aus O. Etliche Werbemails, aber auch ein paar durchaus vertrauliche Meldungen, beispielsweise von Ebay oder ein Username/Passwort-Recovery bei einem Telekommunikationsunternehmen.
Kennt Ihr den Zustand, in dem man minutenlang nur aus einem fleischgewordenen "Häh?" besteht? Ich habe fünfmal alles nachgecheckt: mein Username, mein Passwort, aber fremde Mails. Absolut unglaublich. Testweise schickte ich von einem anonymen Webmail-Account eine Mail an Herrn W. (dessen Email-Adresse ich ja aus den Headern kannte). Ergebnis: drei Sekunden später traf die Nachricht auf meinem Kistchen ein. Ich hatte tatsächlich Realtime-Zugriff auf einen Kommunikationskanal eines mir fremden Menschen. Spooky!
Anruf bei GMX: [Warteschleife... Warteschleife... Warteschleife...] Ich berichte, mir schlägt Unglauben entgegen. Ich berichte erneut, lese die fremden Mails vor, mache klar, dass es sich um keinen Scherzanruf handelt. Man hängt mich wieder in die Warteschleife und gleicht in der Zeit offenbar die von mir rezitierten Betreffzeilen mit dem Inhalt des Postfaches von Herrn W. ab. Danach glauben sie mir (O-Ton: "Mein Kollege ist fast vom Stuhl gefallen") und versprechen, mit "höchster Priorität" an die Beseitigung des Fehlers zu gehen. Na mal schauen...
Kurzes Googeln und ich finde die Telefonnummer von Herrn W. aus O. Der gute Mann ist natürlich überhaupt nicht begeistert von der Vorstellung, ich könne seine Post lesen. Ganz norddeutsch behält er allerdings die Ruhe und bedankt sich für die Informationen.
Weiter experimentieren: Ich schicke eine Mail aus dem PocketPC an mich selbst. Per POP hole ich sie auf mein Notebook. Kein Problem. Kurz darauf meldet sich Herr W. bei mir und erzählt, er habe meine Nachricht in seinem Ordner "Gesendete Objekte" entdeckt.
Rekapitulieren: Mein Pocket PC liest also Mails, die für Jürgen W. bestimmt sind, zum Ausgleich liest Herr W. die Mails, die ich verschicke. Haaalllooo GMX! Jemand zu Hause? Schon mal was von Briefgeheimnis gehört?
Gerade habe ich erneut bei GMX angerufen. Dort hatte man meine erste Fehlermeldung zwar aufgenommen, aber wohl nicht weitergeleitet ("Verstehe ich auch nicht, warum der Kollege das nicht gemacht hat"). Tolle Wurst. Zur Untermauerung schickte ich noch einen Screenshot der Mails. (Das mal zum Thema "höchste Priorität".)
Da fehlen mir glatt die Vokabeln. In meinem Postfach schlummern einige tausend Mails der letzten Monate. Darunter ausgesprochen diskrete Nachrichten aus meiner journalistischen Arbeit. Die Vorstellung, dass dererlei "Fehlschaltungen" bei einem der größten deutschen Mail-Dienstleister einfach so passieren können, ist alles andere als beruhigend.
Nachtrag: Die Geschichte, die Anker erlebte, wirft die Möglichkeit auf, dass es sich unter Umständen hier nicht nur um einen Einzelfall handeln könnte (Hach, wie vorsichtig formuliert). Ich werde der Sache nachgehen. Falls ihr in der Vergangenheit merkwürdige Erlebnisse mit euren GMX-Accounts hattet, bitte in den Kommentaren melden oder mail an: mario (ät) sixtus (pünkt) org. Danke.
