Holtzbrinck verabschiedet sich vom (Online-)Journalismus

Zumindest klingt diese Aussage verdammt danach:

Konstantin Urban, Vorstandssprecher von Holtzbrinck Networks, erläuterte derweil den Ausweitungskurs traditioneller Verleger im Netz. Holtzbrinck will demnach mit Internetplattformen wie Parship oder StudiVZ am Wachstum des Internetmarktes partizipieren, die Netzangebote aber lieber "losgelöst vom Stammgeschäft" im Printbereich betrachten. (...) "Mehrwert" im Internet heißt für Urban, dem "Kunden das zu bieten, was er sucht".

"Losgelöst vom Stammgeschäft" kann eigenlich nur heißen: Mit Journalismus haben wir im Netz nichts am Hut. Den drucken wir auf Papier und gut ist. Die Kohle im Netz machen wir mit Partnerbörsen und Gruschelbuden. Sollen doch andere versuchen, Spiegel-Online zu zeigen, wo der Hammer hängt, wir machen bei diesem Rennen nicht mit.

Und: Dem "Kunden das zu bieten, was er sucht", kann wohl nur bedeuten, Holtzbrinck steigt demnächst ins Online-Porno-Geschäft ein, oder?

Es gibt Momente, in denen wünsche ich mir diese altmodischen Verlegerpersönlichkeiten zurück, die Journalismus nicht nur als Geschäft, sondern auch als gesellschaftliche Aufgabe begriffen.

Ja, ich bin bisweilen ein naiver Romantiker. Ich weiß.

Ein Grund mehr, ins Horn der Öffentlich-Rechtlichen zu stoßen, wenn es um eine Ausweitung ihrer Online-Aktivitäten geht. Die Privatwirtschaft sieht sich schließlich zunehmend nach anderen Erlösquellen um, statt sich mit so ollen Kamellen wie Information und Aufklärung abzumühen.



Kommentare dazu:

Ich würde ja auch gerne (aus Großmannsschimpfelust) in Ihr Horn blasen, verstehe aber Ihren Gedankengang bzw. Ihre Interpretation von Urbans Aussage nicht. Dass Angebote wie ParShip und StudiVZ "losgelöst vom Stammgeschäft" (also meiner Interpretation nach losgelöst von Printprodukten UND deren Online-Ableger) betrachtet werden macht doch nur Sinn, oder wünschen Sie sich eine Melange aus handelsblatt.com und StudiVZ ("Ackermann gruschelt von Pierer", "Party-Chat in der Aquise")?
Internetplattformen wie Parship oder StudiVZ brauchen die Luft zum entwicklen - diese nach den Gepflogenheiten des Stammgeschäftes zu führen und zu beurteilen, würde ihnen sicher nicht bekommen.

Für mich liest sich die Stellungnahme nicht als eine Trennung von journalistischen Angeboten on- und off-line.
"Es gibt Momente, in denen wünsche ich mir diese altmodischen Verlegerpersönlichkeiten zurück, die Journalismus nicht nur als Geschäft, sondern auch als gesellschaftliche Aufgabe begriffen."

Oooh, wie sehr spricht mir das aus der Seele. Gibt es diesen Typ Verleger eigentlich noch? Burda? Vielleicht... Spiegel und Zeit? Sicherlich - aber sonst..?
Überraschung! Nichtpublizistisch tätiger Nebengeschäftsmanager sagt: Nichtpublizistische Angebote wichtig.

Was soll der denn sonst sagen, Mario?
Der Franziskaner:'Spiegel und Zeit? Sicherlich '
Spiegel?????????????
Ja stimmt die 'Gelben Spione'. Was für eine Verleger Persönlichkeit.
Wer KAUFT sich denn so eine Zeitschrift?
Die Zeit kann man lesen allerdings ist die Zigarette mit helumt schmidt meist inspirierender als der ganze Rest Papier.
"Ein Grund mehr, ins Horn der Öffentlich-Rechtlichen zu stoßen, wenn es um eine Ausweitung ihrer Online-Aktivitäten geht."

Die Öffis hätten sogar die wenigsten Probleme mit Content Sharing. Ist ein spitzen (kostenloser) Vertriebskanal, steigert die Reichweite und bezahlt ist der ganze Kram eh schon via Gebühren. Die BBC machts vor.


 










27.06.2008, 13:08

18.05.2008, 1:16

16.05.2008, 15:14

27.04.2008, 16:05

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