Wir basteln uns ein tragbares Fernsehstudio

Ja, ich weiß, wer so ein richtig cooler Videoblogger sein will, der faselt einfach in die Kamera, was ihm gerade durch die Synapsen saust. Authentizität, Spontaneität und so. Is schon klar.

Ich bin uncool. Ich bin so oldschool, dass ich meine Aufsager Wort für Wort aufschreibe und dann Satz für Satz in die Linse labere. In Ermangelung eines professionellen Teleprompters lief das bisher in etwa so: einen Satz auswendig gelernt, Kamera an, einen Satz aufgesagt, Kamera aus, zweiten Satz auswendig gelernt usw. (Womit ich jetzt auch endlich das Geheimnis gelüftet hätte, warum es bei den El-Rep-Anmoderationen vor Schnitten nur so wimmelt :-))

Seit Neuestem ist alles anders, denn ich habe mir nun diese lustige Konstruktion zusammengeschraubt:



Ein simples Sechs-Zoll-LCD-Display, mit Hilfe eines kleineren Noga-Arms (nach dem ich hier noch auf der Suche war), auf den Blitzschuh montiert. Zieht man alle Schrauben brav an, sitzt das Ding erstaunlich fest.



Mit der richtigen Software auf dem angeschlossenen Notbuch scrollt der Text wunderbar sahnig aufwärts und man muss nur noch eine alte Fähigkeit aus längst vergangenen Grundschulzeiten reaktivieren: laut vorlesen.

Mikro und Funkempfänger finden derweil beide auf dem J-Rod ihren Platz, der in der Mikrofonhalterung der DVX steckt.



Das Beste: Die Gesamtkonstruktion ist in der Tat mobil; das Display bezieht seinen Saft aus einem Akku-Pack, das angeblich vier Stunden halten soll. Und: Das Display kann vor Ort natürlich auch als ganz banaler Camcorder-Monitor dienen und verhält sich dann beim Sichten des gedrehten Materials ausgesprochen hilfreich.

Ideal ist das Equipment-Paket auch für angehende Kriegsberichtserstatter. Angehörigen dieser Berufsgruppe sagen böse Zungen ja nach, sie würden den ganzen Tag in der Hotelbar CNN schauen, um dann abends, während der Schalte vom Hoteldach (Rauchfahnen im Hintergrund und so), höchst Dramatisches in die Kamera zu sprechen. Aber so was behaupten natürlich, wie gesagt, nur die bösen Zungen ;-)



Kommentare dazu:

Das sieht aber echt kühl aus, Mario. Wo hast du denn das LCD her und wie sieht das Ding draussen bei Sonnenlicht aus?
Btw. sehen meine altersschwachen Augen unter der DVX nun auch ein Velbon?
stephan

Angesichts des günstigen Dollar-Kurses hab ich das LCD für rund 400 US-$ via Ebay aus den Staaten bestellt. Dummerweise kommen dann noch 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer drauf. Der Preisvorteil hält sich also in Grenzen, zumal man sich noch ein Europa-kompatibles Netzteil zulegen muss.

Schick an speziell diesem Modell ist die Flexibilität dank der multiplen Befestigungsmöglichkeiten: hinten, oben und unten befinden sich auffordernde Gewinde.

Wie man vielleicht auf dem Foto sieht, hängt das Display eigentlich auf dem Kopf. Zweimal durchs Menü gehangelt und schon steht das Bild wieder aufrecht. Fein.

Unter Golfkriegskonditionen, im prallen Sonnenlicht, hab ich die Konstruktion zugegebenermaßen noch nicht getestet. Heller als ein normales Notebook-Display ist das kleine Ding aber allemal.
Ach so: ja, das Velbon-Stativ hab ich mir aus Gewichts-, vulgo Mobilitätsgründen auch zugelegt. Toll ist es nicht, vor allem, wenn man mal kurzfristig den Kamerastandort versetzt und danach erstmal wieder mühsam die Wasserwaage ins Gleichgewicht bringen muss, aber andererseits ist mein Rücken ausgesprochen dankbar, nur noch das halbe Gewicht (oder noch weniger?) durch die Gegend zu schleppen.

Man ist ja schließlich keine 40 mehr ;-)
Ich stimme dem Vorredner zu - kühle Sache. Jetzt frage ich mich nur - liest das Auge da nicht erkennbar vom Teleprompter ab? Oder hat der Zuschauer weiterhin das Gefühl, direkt angesprochen zu werden?
wir machen das fast genauso :)

Torsten, urteile selbst: Hier habe ich das Teil bereits im Einsatz.

Es funktioniert sehr gut, so lange der Moderator Tagesschau-like im Bild ist. Zoomt man sehr nah an das Gesicht heran, kann es ein winzigwenig merkwürdig aussehen, aber nur, wenn man darauf achtet.

Der entscheidende Vorteil an dem kleinen Ding: Es ist, nun ja, sehr klein. Will heißen, die Zeilen sind entsprechend kurz und das Auge muss beim Lesen keine endlos langen Wege zurücklegen.

Ich hatte zuvor mal mit einem 15-Zoll-Notebook experimentiert, das ich unmittelbar unter dem Objektiv platziert hatte. Ergebnis: Meine Augäpfel waren während der Aufsager permanent in Bewegung und es wirkte ein wenig so, als würde ich deutlich zu viele billige Drogen konsumieren :-)
Hast du etwa eine Wand im Schlafzimmer mintgrün gestrichen?
Is das Notebook sowieso mit unterwegs und eh verfügbar, oder wäre nicht ein Mini-itx-Format, das auf der Rückseite des monitors klebt und den Text von einer SD- oder CF-Card liest, die bessere Wahl?
Mit welcher Software wird der Text den aktuell erstellt/abgespielt?


 










20.10.2008, 14:58

26.09.2008, 14:56

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