Gerechtigkeit muss sein

Herr Stoiber möchte bekanntlich allen Familien, die ihren Nachwuchs zu Hause aufziehen, statt ihn in Kinderkrippen zu geben, mit einem "Betreuungsgeld" belohnen:

Wenn zu Recht zwölf Milliarden Euro in den Ausbau der Betreuung investiert werden und es einen Rechtsanspruch darauf gibt, müsse im gleichen Gesetz ein Betreuungsgeld von etwa 150 Euro im Monat verankert werden, schrieb Stoiber in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Bild am Sonntag"

Diese Logik gefällt mir. Wo kämen wir denn da hin, wenn Erleichterungen, Subventionen und Vergünstigungen nur jeweils einem Teil der Bevölkerung zu Gute kämen und der Rest leer ausginge?

Ich verlange zunächst eine "Innenstadtprämie", für Bürger, die ihren Lebensmittelpunkt nicht in die Vorstädte verlagern. Schließlich füllen sich die Pendler ihre Taschen mit der üppigen Pendlerpauschale. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Dann wäre natürlich auch ein "Kinderlosengeld" fällig, für Paare, ach was, natürlich auch für Singles, die der Welt ihren Nachwuchs ersparen. Die Höhe könnte sich am aktuellen Kindergeld orientieren.

Das ganze funktioniert natürlich auch bei Abgaben: Ist es nicht ungerecht, dass allein die Autofahrer für die komplette KFZ-Steuer aufkommen müssen? Gerechter wäre es doch auf jeden Fall, auch Bürgern ohne Benzinkutschen ihren Anteil abzuverlangen. Beispielsweise könnte man einen "Autolosen-Ausgleich" beim Erwerb einer Bahncard oder einer Monatskarte erheben.

So meinen Sie das doch Herr Stoiber, oder?



Kommentare dazu:

Ich beantrage dann schon mal das Kinderlosengeld, das Single-Geld und die Innenstadtprämie. Aber ich hab vor einigen Monaten aufgehört zu rauchen und entziehe dem Staat daher erhebliche Mittel an Tabaksteuer, ich wäre bereit, im Ausgleich dazu eine Nichtrauersteuer zu zahlen.
So gesehen ist es doch eigentlich auch ziemlich ungerecht, dass Stoiber nicht Bundeskanzler ist, nur weil er damals ein paar Stimmen weniger hatte - schließlich kann er da nichts für. Ich beantrage daher: Stoiber for Bundeskanzler.
Im übrigen muss Stoiber dringend mit den Chefs der "ganzen anderen" Firmen sprechen. Die könnten ruhig auch mal was springen lassen. Ist doch ziemlich ungerecht, dass ich nur Geld von dem Chef bekomme, für den ich arbeite...
Jetzt ist klar, warum die Pendlerpauschale immer mehr eingeschränkt wird. Damit die Zahlungen für die Innenstadtprämie nicht zu hoch wird. ;)

Aber was mich wundert:
Stoiber ist nicht die lame duck, wie man es eigentlich hätte erwarten können. Eher wirkt Beckstein so.
Es geht um Erleichterungen für Familien. Wenn schon unser geliebtes D-Land so zu Kindern ist wie es ist (als Papa und einigermaßen weltgereister habe ich da, meine ich, eine mehr als durchschnittlich fundierte und nicht unbedingt positive Meinung), kann man wenigestens versuchen, die finanzielle Situation zu verbessern.

Ich musste übrigens mindestens 4 Sekunden nachdenken, wieso Leute ihre Lebensmittel-Punkte in die Innenstadt verlegen... und was zum Kuckuck überhaupt ein Lebensmittel-Punkt ist!
Herr Sixtus: irgendwie steige ich nicht dahinter, was der Haken an der Übertragung von Stoibers Idee ist, aber ich habs im Urin dass du einen Fehler eingebaut hast.
Comming back soon.
Lieber Kollege, da muss ich Jonathan recht geben, denn da hast Du einen kapitalen Denkfehler drin. Beispiel-Vergleich Pendler-Pauschale: Wenn Du x km zur Arbeit zurück legst, bekommst Du die km-Pauschale bezahlt, egal mit was Du fährst. Egal ob Du den Bus nimmst, mit dem Rad fährst oder eben mit dem Auto. Die Kinderbetreuung soll auch gefördert werden um Eltern das "Kinder haben" zu erleichtern. Egal ob die zuhause bleiben wollen (was letzten Endes auch Geld kostet) oder die Kinder in die Kindertagesstätte geben wollen. Auch wenn ich beileibe kein Stoiberfan bin, dass auf den Vergleich so viele reinfallen erschreckt.


 










20.10.2008, 14:58

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