Du bist Deutschland - Anno 1935(?)(!)



Dieses Posting bei Johnny dürfte wohl in allerkürzester Zeit der Eintrag mit den meisten eingehenden Links der deutschsprachigen Blogosphäre werden. (Größeres Foto hier.) Zumindest, falls das Bild wirklich kein Fake sein sollte.

Momentaner Stand der Detektivarbeit in den Kommentaren: "Das Ding ist echt! " (Zitat 19:02 Uhr)

Update: Andreas weiß genaueres.

Update 2: (Selbstgespräche eines freien Schreiberlings)
[Gedanke 1:] "Morgen früh direkt beim Stadtarchiv Ludwigshafen anrufen und die Geschichte verifizieren lassen. Danach den Pressesprecher von Jung von Matt ans Stottern kriegen. Reißerischen Text für Online-Medium verfassen. Überschrift: 'Mutmachen mit Nazi-Parolen' oder so."

Direkt verworfen. Unter meinem Niveau. Soll die Bildzeitung machen oder wer auch immer.

[Gedanke 2:] "Blog-zentrischen Artikel schreiben. Überschrift: 'Blogger decken auf', oder so. Erklären, wie Nachrichten durch das Web reisen. Aktuelles Beispiel: Du-bist-Deutschland-Kampagne und 35-erFoto. Schon besser. Nicht ganz so reißerisch."

Aber: Wo ist die Story? Foto entdeckt, im Netz veröffentlicht. Agentur blamiert? Klappt nicht. Was immer man von der Kampagne hält: Der zuständigen Werbeagentur (Lead ist (glaub ich) Jung von Matt) nationalsozialistische Tendenzen zu unterstellen, wäre hanebüchen. Die Fahne der investigativen Blogosphäre wedeln? Dafür sind die Kommentare in vielen Blogs einfach zu primitiv und peinlich.

[Gedanke 3:] "Die ganze Geschichte gemütlich in meiner wöchentlichen Blog-Kolumne in der FR abhandeln. Ganz ohne Hysterie. Ganz ohne Stammtischgebrülle. Vielleicht gewürzt mit ein wenig Ironie."

Ja, das ist gut. So mach ich das. Gute Nacht.

Update 3: Phillip (#64 on Technorati) transportiert das Thema in die englischsprachige Blogosphäre.



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Kommentare dazu:

Soweit ich das verstehe gebührt FetteMama der Finderlohn. Komsich, nich? Long tail? Vergiss es...
Wie in Johnnys Kommentaren spekuliert wird, tauchte das Bild in diesem Forum erstmals auf. Datum: 17.11.

Die Kette war unterbrochen. Da war E-Mail im Spiel. Die kann man so schlecht verlinken. Klassisches Foul eigentlich...
Ich glaub eher das Thema ist: wann ist etwas ein Thema? Hat sowas postmodernes, Duchamp-mässiges. In dem Forum: Kein Thema. Fettemama: kein Thema. Spreeblick: morgen überall.

Der Kontext machts. Da lauert eine Lektion über das Labor Blogossphäre.
Das Medium ist die Botschaft =8-)
Und wenn man kein Deutscher ist, versteht man den Grund des Posting gar nicht so recht...
Die Massage, Herr Sixtus, die Massage. 1.6 Milliarden wurden massiert, kaum verwunderlich, dass sich einer erinnert.

Hach, das ist so Web 2.0. Oder mmh, ist das eher swarm intelligence? ,)
Ich nochmal. Lead auf Agenturseite liegt bei kempertrautmann, JvM malt ja nur bunt:

<blockquote>Für die Gestaltung und Umsetzung von „Du bist Deutschland" zeichnet die Bertelsmann AG zusammen mit den Werbeagenturen Jung von Matt/Alster (Kreation) und kempertrautmann (strategische Kampagnenentwicklung) verantwortlich.</blockquote>

Quelle: hier

Ach, und dann wäre da noch das "Kampagnenbüro" von fischerAppelt.
soweit ich weiß (und auch geschrieben habe), tauchte das bild zuerst in foren auf. dass diese derzeit nicht unbedingt die gleiche aufmerksamkeit wie blogs haben, liegt nicht nur am hype um blogs sondern auch an anderen begebenheiten wie der unüberschaubaren masse der foren, der schlechteren vernetzung usw.

was die trackbacks angeht: ja, es gibt auch blogs, die ich nicht verklinke. mit absicht. zumal das genannte in diesem fall eben nicht die quelle war. zum zeitpunkt des artikels (und auch jetzt noch) stand die quelle nicht fest. dass es nicht spreeblick war, dürfte jedem, der meinen artikel lesen kann, klar sein.
Da hamma uns aber missverstanden. Ich präzisiere: -Mir- scheint ein Thema -auch- zu sein, das eine Nachricht innerhalb der Blogossphäre erst eine Nachricht wird, wenn sie von einem der quantitativ größeren Blogs aufgegriffen wird. In dem Sinne geht also "irgendwie" nichts verloren. Was ja gut ist. Aber es gab auch schon Fälle, wo das Interesse der Hub-Blogs nicht mit den Gegebenheiten übereinstimmte - Beispiel Sellafield - und das versickert dann. Dadurch haben gewisse Blogs auch Verantwortung, der manche nachkommen oder eben nicht. Da regiert die Glockenkurve halt.

Der Filter scheint - mir- zu sein: Die Person hinter einem Blog. Wenn die eher boulevardesk ausgerichtet ist, also mit der Masse "raisonniert" und "resoniert", besteht die Möglichkeit ein größeres Publikum anszusprechen und Nachrichten wie in diesem Fall zu "machen". Im positiven wie negativen Sinne. So ein etwas extremer Blog wie zum Beispiel FetteMama hat da keine Chance. Die amüsieren sich in ihrem Jugendkeller und das wars.

Für mich scheint sich da etwas aus den klassischen Medien zu wiederholen. Wie gefragt: Ab wann ist eine Nachricht eine Nachricht? Sind Blogs in dieser Hinsicht so neu wie behauptet? Da scheinen - scheinen - sich für mich Prozesse zu wiederholen. Aber wie gesagt: Das sind Meta-Fragen die mir nur aus diesem Anlass aufgefallen sind... Ich gebe zurück zur Unterhaltung.

Zum Kampagnenspruch: Das übergeordnete Thema war für mich Propaganda und Ideologie und die Mobilisierung des Clandenkens im Sinne Claire Graves, was im Kern ein undemokratischer Regress ist. Ob damals oder heute. Mit dem Foto wird das nur deutlich. Ist nur die Frage ob im weiteren Verlauf der Debatte um die Kampagne DIESER Punkt verschenkt wird.
alles klar, siggi, dann verstehe ich es jetzt besser, danke für die ausführungen.

natürlich grübel ich auch viel über diese ganzen mechanismen, die nicht immer spaß machen - denn (ohne heulen zu wollen, ich freue mich über die popularität von spreeblick) dieses thema "verantwortung" kann auch hinderlich sein. im kopf. manchmal.

wir wiederholen die klassischen strukturen und mechanismen, das glaube ich auch. die frage ist: wo können wir sie verbessern?
Das "Verbessern" kann wohl nur möglich sein, wenn man vom Ende her denkt. Mithin, mit welchem Weltbild tritt man an um den Vektor des Gesamtprozesses zu beurteilen. Die beiden Pole sind da, ob ich eher vom Phylos oder vom Genos her denke. Die Art oder das Subjekt. Beides wird in seinen Extremen gut ;-) gelebt in der Blogossphäre. (und im wirklichen Leben auch). Die Werkzeuge, die im Interesse der Art filtern sehe ich noch nicht. Es müssten Tools sein deren Filter verhandelbare Regeln sind und die gleichzeitig den gesamten Contentstrom im Auge haben. Ähnlich Google, Technorati oder Memeorandum. Mit einem Einzelnen oder seinem charakterlich gefilterten Netzwerk geht sowas nicht. Das verstärkt nur die Glockenkurve...
ähm... ja. :)
Tja. Was zu beweisen war. ;-)
Du bist der Filter!

=8-]
Jeder ist EIN Filter. Und dann?!
So. Getz hamma den Kockolores. Phillip hats jetzt in Englisch rausgebracht. Angie, Angie, wie willste das dem Schosch beibringen?!
Habs gerade gebloggt.
Hmm, nachdem ich das Bild und die Diskussion jetzt ein paar Minuten habe ruhen lassen, frage ich mich, worum es hier eigentlich geht.

Es war doch klar, dass früher oder später sowas auftaucht. Es hat mich ehrlich gesagt gewundert, dass die Kampagne bisher relativ frei von extremen Anfeindungen blieb. Klar, sie ist ziemlich grenzwertig und ich persönlich lasse mir auch ungern sagen, dass ich ein Baum oder Franz Beckenbauer bin, aber die Idee dahinter, der eigentliche Anspruch der Kampagne blieb weitgehend unbeachtet, und das finde ich ein wenig schade.

Es ist immer leicht, sich über etwas lustig zu machen, und dazu gab es ja auch genügend Angriffspunkte, aber irgendwie finde ich es auch traurig, dass nach wie vor so eine "Siehste, hab ich's doch gewusst"-Stimmung herrscht.

Das bringt doch nun wirklich niemanden ernsthaft weiter...
Es geht um die Funktion von Propaganda in ideologischen Systemen. Basta. Das ist der tiefere Anknüpfungspunkt. Bezahlt von gewissen Kreisen für 30 Mio mit einer genauen Absicht. Es geht nicht um geschmäcklerische Dinge. Nochmal: Propaganda und Ideologie. Bezahlt.
Die Kampagne: Propaganda und Ideologie. Bezahlt.
Die Gegenkampagne: Propaganda und Ideologie. Unbezahlt.

Selbst denken? Unbezahlbar!
Das Ganze waere am besten in der BILD-Zeitung aufgehoben. Was haben wir nun davon, dass die ganze Blogospaehre und bald ganz Deutschland und weiter bald die ganze Welt diese "Nachricht" erhaelt? Was? Und haette einer der Kommentatoren und BLogger jemals selbst dieses Bild _vor_ der Kampagne recherchiert und dann alles anders gemacht? Nee...

Es ist einfach eine Anekdote, keine Nachricht. Vielleicht koennten sich die Blogger ja mal bei wirklich wichtigen Themen so engaggieren. Ach, nee, das bringt ja keien Quote ;-)
Andreas: http://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda - die "Gegenkampagne" so zu bezeichnen, verbitte ich mir ausdrücklich. Über das Niveau vieler Beiträge können wir gerne diskutieren, aber nicht darüber, dass ich "das Denken und Handeln Anderer im eigenen Sinn beeinflussen" will. Danke. Ich bin weder eine Partei noch ein Konzern noch eine Agentur.

RB: Stimmt. "Die Blogger" schreiben alle für "die Quote" und eine der größten Kampagnen dieses Landes ist unwichtig bzw. die Beurteilung, was "die Blogger" für wichtig halten obliegt allein deinen Maßstäben.

Was bringt es denn eigentlich, über Dinge zu diskutieren und seine Meinung zu sagen? Was? Nichts, oder?

Jeeez....!
Und schon wieder Ironie... ich musste gerade "88" eingeben, um kommentieren zu dürfen. Alles hat mit allen eine Verbindung, man muß sie nur suchen...

In dem konkreten Fall fand ich die Kampagne (oder muß man jetzt "neue Kampagne" sagen?) dumm, oberflächlich, und manipulativ. Und wenn schon nicht mehr, so hat sie zumindest das mit der alten Kampagne gemeinsam, und das reicht eigentlich.

Was mich grade interessiert, in welcher Form es morgen (falls überhaupt) Spiegel.de aufnehmen wird. Den offiziellen Spruch von Lars Cords auf Spreeblick fand ich übrigens ziemlich Web 0.2 Alpha: "Die Kampagne verurteilt aufs Schärfste ..." Willkommen in Blogs, hier darf man so von Mensch zu Mensch reden!
Johnny, mit welchem Bein bist du aufgestanden, dass du dich als Teil der Gegenkampagne von mir beschimpft fühlst?

Interessant, ich hatte dich bislang als Berichterstatter in der Sache gesehen, der, wie du selbst in deinem überarbeiteten Blogeintrag geschrieben hast, Distanz dazu hat und der das als Beispiel sieht, wie sich die Blogoshpäre "instrumentalisieren" lässt, ja der sich sogar darüber ärgert, instrumentalisiert worden zu sein...?

Andreas, von welcher Gegenkampagne hast du dann oben geredet? Bisher wird die flickr-Aktion als "Gegenkampagne" bezeichnet. Und da diese bei Spreeblick losgetreten wurde, fühlte ich mich angesprochen.

Bei Irrtum/ Missverständnis: Entschuldigung!

Aber welche Gegenkampagne war gemeint?
Johnny, mit Gegenkampagne meine ich Leute wie die, die uns dieses Bild wie sauer Bier angeboten haben, weil es ihnen in ihren ideologischen Kram passt.

Ich habe das an anderer Stelle mehrfach gesagt: Man kann diese Kampagne als ein Stück Neoliberalismus zerpflücken. Man kann mit einigem Recht behauptet, dass das "Nutze deine Chance, aktiv zu werden und dein Leben zu gestalten" (was meines Erachtesn bei einer Betrachtung ohne Scheuklappen als angestrebte Botschaft erkennbat ist) von vielen Betrachtern als ein zynisches "Du hast keine Chance, aber nutze sie" verstanden wird. Man kann sich über die ausgelutschten Testimonial-Gesichter streiten, die polarisieren statt zu motivieren.

Und so gesehen muss man die Kampagne als glatt durchgefallen werten. Gar keine Frage!

Ein Problem habe ich mit all denen, die die Kampagne (entweder aus Gedankenlosigkeit, aus Argumentationsfaulheit oder weil es ihnen nun mal so schön in ihr graustufenloses Antifa-Weltbild passt) in eine völkische oder nationalsozialistische Ecke stellen. Das ist sie nicht. Sie m.E. nicht mal im engeren Sinne nationalistisch.

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen "Es ist Propaganda". Ja, meinetwegen. Aber die verkürzte, plakative und manipulative Argumentation der Gegenseite ist auch nur Propaganda. In wessen Interesse auch immer.

Du hattest doch abends als du dein Edit dazu geschrieben hast auch irgendwie das Gefühl, da will dich jemand vor seinen Karren spannen, oder?








Ok, dann habe ich dich falsch verstanden, sorry dafür. Nö, vor Karren will ich auch nicht. :)
Ich würde dieses Foto ganz hier rausnehmen. Was soll das? Wem möchte man damit was sagen? ALS Witz? Schal. Als Spitze gegen Jung von Matt? Müde bin ich, geh´zur Ruh´. Die Kampagne schädigen? Dazu müsste sie erst einmal schädigungswürdig sein. Sie ist es nicht, sie ist medioker, und Leute die Ahnung davon haben, wissen das auch, inklusive die JungenMatten. Aber das Thema hier vertiefen zu wollen, endet zwangsläufig kakophonisch. Mit Respekt, octavian.
Das Bild rausnehmen? Sonst noch was? Sowohl das Foto, als auch die 70 Jahre später gestartete, so genannte Mutmach-Kampagne sind je ein Stück deutscher Zeitgeschichte. Punkt. Sämtliche darüber hinaus gehenden Spekulationen, Interpretationen, Kontextualisierungen, Schlussfolgerungen o.ä. überlasse ich meinen Lesern. Die sind nämlich erwachsen (die meisten zumindest).
"Cords sagte, seine Agentur wolle das Thema nun noch einmal geschichtlich aufarbeiten. Bislang gehe man aber davon aus, dass der Spruch nicht zum Standardvokabular der Nazis gehörte. Der Aufmarsch in Ludwigshafen sei vermutlich eine Einzelaktion gewesen."
Peter Schink, http://www.netzeitung.de/internet/369538.html
Jawohl, mein Führer!

(sagte die Ehefrau des Coca-Cola-Repräsentanten im trauten Heim zu ihrem Gatten in Billy Wilders Film "Eins, Zwei, Drei")
"Sitzen machen!" (gleicher Film) ;-).
immerhin hat er humor.

graf von droste-schattenburg
Nachtrag: Nun also im Spiegel.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,386544,00.html
Ja, und Spiegel hat die Story "Exklusiv". Wer hätte das gedacht?
Wieso "exklusiv"? Die lief doch auch über Agenturen.
Ich weiß. Aber guck mal, wo und wie die Story beim Spiegel geteasert wird. Beste BILD-Masche.
Quotengeilheit: man sieht einfach besser aus, wenn man manche dinge nicht mit macht. auch das wird bemerkt, auch das bringt quote. wenn man denn so glücklich mit ihr ist.
alt


 










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