"Das Schlimmste war am ehesten man selber"

SpOn hat die letzten niedergeschriebenen Worte von Peter Glotz:

Die deutsche Politik ist so lieblos polemisch, wie man sich die rumänische Publizistik langweilig vorstellt. So dick überwürzt wie die kroatisch-montenegrinische Küche, so exaltiert erdverbunden wie die Romane von Gisela Elsner oder Juli Zeh und so langweilig wie... bei uns in der Familie sagte man dazu: "wie toter Friseur".

Danke.



Kommentare dazu:

Interessant. Wenn ein Versicherungsunternehmen Bloggen als "Veranstaltung von Albernheiten im Internet" definiert oder ein Vertreter der old media 99% aller Blogs als Müll einstuft oder ein PR-Mensch Blogger als "immer destruktiv" bezeichnet, dann geht eine Welle der Empörung durch die Blogosphäre und es werden zurecht Tonnen von Gegenargumenten und -beispielen angeführt.

Aber wenn es gegen "die Politik" geht, dann scheinen sich Blogger mit allen anderen gesellschaftlichen Gruppen einig zu sein: "die Politik", besonders die deutsche, ist bestenfalls langweilig, eher noch verachtenswert inkompetent.

Insbesondere "die Journalisten" und "die Blogosphäre" nehmen Politik fast ausschliesslich als Spitzenpolitik wahr. Genau wie verbitterte und enttäuschte Ex-Spitzenpolitiker.

Diese (Selbst-)Beschränkung der Wahrnehmung von Politik als Spitzenpolitik, in der als Akteure ausschliesslich Amts- und Mandatsträger (und -trägerinnen) vorkommen, kann auf Dauer nicht gut gehen.

Hier mal die Beschlüsse der Bezirksvertretung des Düsseldorfer Stadtbezirks 03
vom 27. September:

- Tempo 30 auf der ganzen Fleher Straße

- Mehr Licht in die Bahnunterführung Im Liefeld im Gurkenland

- Toilettenanlage im Volksgarten in Nähe des Schachplatzes

- Fußgängerampel über den Fürstenwall/ Talstraße

- Radweg-Querung Graf-Adolf-Straße/ Pionierstraße

- 50.000 EURO für die Feinplanung der Lorettostraße

- Skater -und Rollhockeyplatz im Ulenbergpark

Ist eine Bahnunterführung im Gurkenland oder ein Scheißhaus im Volksgarten KEINE Politik? Sind 50 TEURO nicht 'ne ganz schöne Stange Geld, über deren effiziente Verwendung sich eigentlich mehr Bürger und Bürgerinnen Gedanken machen sollten als nur die Abgeordneten der Bezirksvertretung?

"Die Politik" stinkt vom Kopfe her. Nur: Über stinkende Köpfe die Nase zu rümpfen, bringt unsere Gesellschaft nicht weiter (und das naserümpfende Individuum im übrigen auch nicht). Angesagt ist vielmehr eine Pädiküre der eingewachsenen Fußnägel.

Herzliche Grüße aus Unterbilk,
Marian
Verdammt recht hat der Mann.
Wo ist der Wirth-Blog?
Hui! So habe ich das ehrlich gesagt noch nie gesehen. Was der Herr Wirth da sagt ist auf jeden Fall wünschenswert für eine ideale Welt, in der jeder Bürger regelmäßig Zeitungen und Blogs liest... in der Realität allerdings ist wohl unter den wenigen, die sich tatsächlich für Politik und aktuelles Tagesgeschehen interessieren die Spitzenpolitik der kleinste gemeinsame Nenner für eine diskussionsgrundlage, da irgendwelche Kreisratsbeschlüsse aus Quetschenmembach oder Düsseldorf leider nur ein sehr kleines Publikum tangieren.

Recht hat der Mann auf jeden Fall.
Tangieren? Ha! Mitunter sind das gerade die Böller die nicht bloss tangieren, sondern plattmachen ;-)
3% Mehrwertsteuer sind nix im Vergleich mit ner guten alten Dampframme.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob überhaupt jemals irgendein regionalparlament ein Gesetz o.ä. erlassen hat, welches es ihm erlaubt Wahlvolk mit Dampframmen malträtieren zu dürfen. Wenn dem tatsächlich so war untermauert das nur meine These, das sich einfach zuwenig betroffene gefunden haben, dies überregional bekannt zu machen.
Anonymer Feigling,

für mich sind beim Thema "Bloggen und Politik" zwei Aspekte wichtig:

1.) Bloggen und große Politik

Blog-Einträge und Blog-Kommentare, die sich mit großer Politik beschäftigen, sind für mich dann besonders interessant, wenn sie Aspekte aufgreifen, die außerhalb der Blogosphäre nicht genügend gewürdigt werden. Leider ist es aber momentan eher so, dass lediglich Artikel aus Zeitungen oder Argumente aus dem Fernsehen paraphrasiert werden. Warum soll ich in Blogs Argumente gegen und Klagen über "die Politik" (=Spitzenpolitik) lesen, die ich schon aus anderen Quellen kenne?

2. Bloggen und kleine Politik

Eine Nische, die im Moment kaum besetzt wird, ist das Bloggen über lokale Aspekte der Politik. Ganz unten funktioniert Politik nach meinen Erfahrungen immer nach denselben Prinzipien. Und diese Prinzipien sind nur teilweise mit denen aus der Spitzenpolitik identisch.

Gurkenland und Quetschenmembach sind überall.

Man muss nur genau hinschauen. Und mitmachen oder wenigstens passiv teilnehmen. Von der Graswurzel zu bloggen, erscheint mir sinnvoller, als den x-ten SpOn-Artikel über die Verkommenheit unseres politischen Systems zu verwursten.

(Ich hoffe, Herr Sixtus ist gut gelaunt, wenn er das liest. Sonst bekomme ich bestimmt Haue. Deshalb sag' ich schonmal prophylaktisch: Ich trage eine Brille ;-)).
Noch einen Kommentar und der Mann muss Zwangsbloggen!
Ich finde es hoch interessant, was für umfangreiche Schlüsse der Herr Wirth aus der simplen Tatsache zieht, dass ich auf einen m.E. lesenswerten Text eines verstorbenen Politikers hinweise. Ganz folgen kann ich ihm und seiner Schlussfolgerungskette nicht.
Das hat was mit Balken zu tun. Im eigenen Auge ;-)


 










06.09.2008, 4:16

14.08.2008, 19:12

05.08.2008, 11:50

27.06.2008, 13:08

18.05.2008, 1:16

16.05.2008, 15:14

27.04.2008, 16:05

21.03.2008, 22:17

03.02.2008, 1:02

16.01.2008, 18:04

09.01.2008, 21:37

20.12.2007, 1:55

13.12.2007, 16:18

12.12.2007, 21:57

08.12.2007, 14:01


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