Webseiten, die jeder Leser nach Lust und Laune ändern oder löschen kann. Wikis machen es möglich. Was Webmastern den Angstschweiß auf die Stirn treibt und Kontrollfreaks schlaflose Dienststunden bereitet, wird von fortgeschrittenen Geistern als ideale Möglichkeit der Projekt- und Gruppenarbeit genutzt. Und eines Tages werden die kleinen Wikis die Welt retten.
Von Mario Sixtus
Destruktivität ist eine Kraft, deren Größe in Qualität und nicht in Quantität erfasst wird. Ein einziger besoffener Dummschwätzer an der Kneipentheke, der einen mit seinem Sprechdurchfall zuschwallert, genügt vollkommen, um einen die hundert freundlichen Leute, die ebenfalls noch im Raum sind, komplett vergessen zu lassen. Fünfzig Idioten mit Feuerwerkskörpern haben in einem prallgefüllten Fußballstadion genug destruktives Potenzial, um durch simples Drücken der Massenpanikfunktionstaste die restlichen 50.000 Zuschauer in den Zustand der akuten Lebensgefahr zu transferieren.
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Nach dem "Wie alles begann" nun das "Was in der Zwischenzeit passierte": Die Geschichte über das Wesen und den Erfolg von Weblogs, den Aufstieg und Fall der Softwareschmiede Pyra und Google als lächelnden Dritten.
Von Mario Sixtus
Während Google den Bedürfnissen des suchenden, lesenden, konsumierenden Internetusers entgegen kam, bediente Pyra diejenigen, die das Netz als Publikationsraum begriffen, die schlicht und einfach selber gelesen werden wollten.
Als das Netz noch jung und die Visionen noch groß waren, sorgten Sätze wie "Jeder ist ein Sender" und "Millionen publizieren für Millionen" noch für ein großes Hallo auf jedem mittleren Medienkongress in einer südfränkischen Kleinstadt. Aber wie wir alle wissen, haben sich diese Voraussagen bis heute nicht wirklich bewahrheitet. Obwohl auch in Deutschland immer mehr Menschen immer mehr Zeit im Internet verbringen (zu Hauptlasten des TV-Konsums übrigens), konzentriert sich doch ein Großteil der Aufmerksamkeit auf relativ wenige Websites, ähnlich, wie wir es vom Fernsehen und seiner begrenzten Kanalanzahl kennen.
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Das ist die Geschichte von Google; die Geschichte einer kleinen sympathisch-schnuckeligen Suchmaschinenfirma in Turnschuhen, die sich auf Grund hervorragender Leistung zum Suchmaschinen-Monopol mausert, sich um ein viel genutztes Weblog-Tool erweitert und schließlich 70-80 Prozent der Besucherströme im Internet regelt. Und - dunkel ist die Macht - so mutiert das schnuppige Unternehmen unter der minimal-designten Oberfläche zu einem Microsoft der Information. In dieser Ausgabe Teil eins: Wie alles begann.
Von Mario Sixtus
Ein Raunen ging Mitte Februar durch den digitalen Blätterwald, als bekannt wurde, dass Google, die mit Abstand erfolgreichste und beliebteste Internet-Suchmaschine, die Weblogs-Community "Blogger" für eine nicht näher genannte Summe übernommen hatte. Wildeste Gerüchte und Spekulationen über diesen Coup, der sämtliche Netzbeobachter vollkommen überraschte, machten schneller als ein Doppelklick die Runde und die üblichen Netzauguren und Orakel übertrafen sich mit Prophezeiungen über die möglichen Folgen dieses Deals, dass es nur so eine Freude war. Grund genug, die beteiligten Unternehmen und die ihnen zugrunde liegenden Philosophien und Phänomene einmal genauer zu betrachten, um selbst einmal ein wenig öffentlich zu spekulieren.
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