Bekanntlich sind sich US-Amerikaner und alte Europäer häufiger uneins, wenn es um die Einschätzung einer aktuellen Situation geht. Zur Zeit lässt sich das einmal mehr an den unterschiedlichen Bewertungen des Weblog-Phänomens beobachten.
Von Mario Sixtus
Während Ann Moore, Chefin des Time-Verlages, jüngst sagte [1], sie habe mehr Angst vor den "unkontrollierten Medien im Web" - also Blogs und andere unabhängige Publikationen - als vor der gerade stattfindenden Medienkonzentration, erklärt [2] hierzulande Ute Miszewski, zuständig für Unternehmenskommunikation der Spiegel-Gruppe, Weblogs für journalistisch nicht relevant, da es sich ja lediglich um die Arbeit von Amateuren handele. Menschen ohne spezielle Ausbildung seien schlicht nicht in der Lage Qualität abzuliefern.
Zum einen basieren solcherlei Unterschiede in den Beurteilungen sicherlich auf soziokulturell abweichenden Grundmentalitäten, nicht zuletzt aber auch auf nüchternen, quantitativen Konstellationen: Die Zahl der aktiven Weblogs wird in den USA auf über eine Millionen geschätzt, wohingegen sich vielleicht gerade einmal 5.000 Autoren in der germanischen Blogosphäre tummeln. Aber: Erfahrungsgemäß erreichen ja neue Entwicklungen im Internet unseren Kontinent erst mit einiger Verzögerung.
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In den USA nennen immer mehr Eltern ihre Kinder nach Markenprodukten
Von Mario Sixtus
Als der Geschäftsmann Emil Jellinek im April 1900 mit der Daimler-Motorengesellschaft (DMG) einen Vertrag über Lieferung und Vertrieb von 36 Fahrzeugen aushandelte, bestand er darauf, die Autos unter einer separaten Marke anzubieten und wählte dafür kurzerhand den Vornamen seiner Tochter: Mercedes. Gut hundert Jahre später vollzieht sich die Namensübertragung immer häufiger in umgekehrter Richtung und markenbewusste Eltern nennen ihre Sprösslinge nach Autos, Spirituosen, Turnschuhen oder Kameras.
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Wie anonym können Anonymisierungdienste heute noch sein?
Von Mario Sixtus
Im Mai diesen Jahres verteilte die iranische Regierung eine schwarze Liste an sämtliche Internetprovider des Landes, die rund 15.000 "amoralische" Websites enthielt, und verlangte die umgehende Zugangssperrung. Neben Erotik- und Porno-Angeboten fanden sich auch etliche internationale Informations- und Nachrichtenseiten auf dem Index.
Ab sofort sind diese von der Regierung unerwünschten Inhalte den zwei Millionen Internetnutzern im Iran wieder zugänglich - zumindest über Bande: Der Privacy-Spezialist Anonymizer.com [1] nahm letzte Woche einen Proxyservice in Betrieb, dessen Nutzung allein Usern aus dem persischen Gottesstaat vorbehalten bleibt. Die Betreiber lassen sich dabei auf ein Hase-Igel-Spiel mit den iranischen Obrigkeiten ein: Die wechselnden Zugangs-URLs werden über Radiosendungen bekannt gegeben, sowie über Rund-Emails an Adressaten verteilt, welche von iranischen Menschenrechtsorganisationen beigesteuert werden.
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Eine Kontakt-Site entwickelt sich zu einem Renner und wird von einer Spaßfraktion gekapert, die das Recht auf ihre selbstgeschaffenen Identitäten einfordert
Von Mario Sixtus
Die beste Quelle für neue Freunde sind die eigenen Freunde. Kein Wunder eigentlich. Kommt der Neuankömmling aus der Grundmenge der Planetenbewohner, sofern er den eigenen Lebenskreis über die Teilmenge des persönlichen Freundeskreises betritt, doch quasi mit Empfehlung und freundlichen Grüßen daher, ausgestattet mit einem Gütesiegel durch eine Person, deren Menschenkenntnis man nicht in Frage stellen kann, ohne auch am eigenen Selbstwertgefühl zu knabbern.
Der Freund eines Freundes hat gute Chancen darauf, sich zum eigenen Freund zu entwickeln, da er bereits die Filterungen und Kompatibilitätstests von Menschen durchlaufen hat, die man schließlich selbst Freunde nennt und denen man vertraut. Sonst wären es schließlich keine Freunde.
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Die Diskussion über Journalismus im Zeitalter der Weblogs ist noch verhältnismäßig jung und bis Dato immer noch ohne greifbares Ergebnis, da wird ihr schon aus dem fernen Osten gänzlich neues Futter zugeführt. "Moblogging" heißt das Buzzword der Stunde.
Von Mario Sixtus
Weblogs sollen künftig nicht nur mittels PC und Tastatur, sondern auch - von wo auch immer - mittels webfähigen Mobilfunkgeräten befüllt werden. Wird demnächst jeder Handy-Nutzer zum rasenden Reporter oder hat das Sommerloch 2003 lediglich endlich seinen Medienhype gefunden?
Montag, 23. Juni 2003. Sämtliche japanische TV-Kanäle kennen nur ein Thema: Bei einer schweren Auto-Karambolage [1] auf dem Tomei-Expressway im Aichi-Amtsbezirk haben sich durch die Unaufmerksamkeit eines übermüdeten LKW-Fahrers zwölf Autos ineinander verkeilt und teilweise Feuer gefangen. Von vier Toten und zahlreichen Schwerverletzten wird berichtet. Die ersten Bilder vom Unglücksort, die über die japanischen Bildschirme flimmern, stammen allerdings weder von einem Kamerateam, noch von einem Hubschrauber: Ein unbeteiliger Autofahrer war vielmehr mit seinem Kamerahandy vor Ort, wurde live auf Sendung geschaltet und übermittelte die grobpixeligen Videobilder seines Sprechgerätes direkt in Japans Wohnzimmer.
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Das CERN war die Keimzelle des WorldWideWeb. Zünden die CERN-Forscher nun die zweite Stufe der Medienrevolution?
Von Mario Sixtus
Als im Jahre Neunzig des vergangenen Jahrhunderts Tim Berners-Lee am Genfer Teilchenphysikforschungszentrum CERN [1] einen virtuellen Schalter umlegte und das WWW in Betrieb nahm, fand dieses Ereignis weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach Sensation roch der Vorgang auch wirklich nicht: Eine neue Art von Computernetzwerkprotokoll sollte es Universitäten und Forschungseinrichtungen erleichtern, Dokumente und Dateien miteinander auszutauschen und zu verknüpfen. Toll. So eine Meldung schafft es noch nicht einmal im Sommerloch auf eine der letzten Seiten einer Tageszeitung. Wer damals den Begriff 'Revolution' in den Mund genommen hätte, hätte sich selbigen wohl gnadenlos verbrannt und wäre mit Verständnislosigkeit und Kopfschütteln belohnt worden.
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Einige Jahre zu spät realisiert ein Lebensmittelproduzent, dass sein wichtigster Markenname im allgemeinen Sprachgebrauch eine neue Bedeutung bekommen hat
Von Mario Sixtus
Wenn Internetbenutzer das Wort "Spam" hören, steigen sowohl Blutdruck als auch Adrenalinspiegel in Sekundenschnelle. Email-Werbung für Penis- und Brustvergrößerungen (im Doppelpack billiger), für preiswertes Viagra oder für "Free Hot Teen Pussies" verstopfen täglich millionenfach und weltweit die elektronischen Briefkästen und kein Kraut scheint bisher gegen die ständig steigende Mülllawine gewachsen zu sein. Spam steht auf der Beliebtheitsskala ungefähr auf einer Ebene mit Herpes oder Brechdurchfall und den Massenversendern der digitalen Wurfsendungen wird im Allgemeinen allerhöchstens ein moralisches Niveau irgendwo zwischen Zuhälter und Tierschänder zugebilligt.
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Mutmaßliche Öko-Aktivisten haben durch die Zerstörung einer Testanpflanzung genetisch veränderten Kartoffeln erst zur Möglichkeit der unkontrollierten Ausbreitung verholfen
Von Mario Sixtus
Wir leben in einer komplizierten Welt, deren Veränderung sich selbst ständig verändert und obendrein auch noch beschleunigt. Mit diesem Tempo Schritt zu halten ist nicht leicht und nicht jedermanns Sache. Selbst das Anforderungsprofil für ökologisch motivierte Extremisten ist nicht mehr das, was es einst war. Ein Mindestmaß an Sachkenntnis und Intellektualität müsste heute auch der Radikal-Öko mitbringen, sonst könnte das Resultat der Weltverbesserung mittels Brechstange schnell katastrophale Folgen haben. Hehre Ziele, verheerende Resultate. Gut gemeint ist eben diametral entgegengesetzt von gut gemacht, wie schon Harald Schmidt so treffend den Finger in die Wunde zu legen wusste. Benötigen militante Naturfreunde zukünftig Fachkurse für sachgerechte Verwüstung?
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Beim Vergleich der Hilfsbereitschaft von Großstadtbewohnern aus aller Welt war das erste Hindernis die Voreingenommenheit
Von Mario Sixtus
Falls Sie zufällig vorhaben sollten, auf Ihrer nächsten Weltreise einen Kugelschreiber auf offener Straße zu verlieren, sollten sie dies möglichst in Rio de Janeiro tun. Dort haben Sie die allerbesten Chancen, dass eine freundlicher Zeitgenosse Ihr Schreibgerät vom Asphalt sammelt und es Ihnen umgehend zurückgibt. In Kuala Lumpur hingegen wäre es besser, stets ausreichend Stifte mit sich zu führen, denn nur jeden vierte unachtsam fallen gelassene Kuli dürfte Ihnen dort hinterhergetragen werden. Das zumindest suggeriert eine aktuelle Studie, die die Hilfsbereitschaft von Großstadtbewohnern vergleichen will.
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Geld ist wie beim BIP entscheidend, es kommt nur darauf an, wie man es berechnet
Von Mario Sixtus
"Wohlstand für alle" forderte Ludwig Erhard 1957 und die groß angekündigte Agenda 2010 soll nichts Geringeres bewirken, als unser aller Wohlstand sichern. Doch wie ist Wohlstand eigentlich definiert? Lässt sich Wohlstand messen oder vergleichen und wenn ja mit welcher Methode? Und wie fühlt er sich an?
Das Wohlstandsgefälle zwischen der DDR und der Bundesrepublik betrug präzise 1,2 Zentimeter. Die unterschiedliche Versorgung der jeweiligen Bürger mit Lebensmitteln, abweichende Qualitäten der medizinischen Leistungen und andere ökonomische und soziale Einflüsse hatten über Jahrzehnte dafür gesorgt, dass der Wessi den Ossi im Durchschnitt um die Kantenlänge eines Zuckerwürfels überragte. Das zumindest stellte der Mediziner Michael Hermanussen im Jahre 1992 beim Vermessen von einigen tausend 19-jährigen Wehrpflichtigen fest. Mittlerweile ist diese Lücke auf 0,4 Zentimeter geschrumpft und hat sich offensichtlich vorgenommen, sich langsam aber sicher gänzlich zu verabschieden.
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