
Konkurrenz für die klassischen Manager-Clubs: Internet-Kontaktbörsen spinnen Netzwerke für Geschäftsleute
Von Mario Sixtus
Dutzende von Unternehmen aus der Internet- und Software-Branche hat Colm Toolan schon beraten. Dennoch war der in Kiel lebende Ire sehr verwundert, als sich vor wenigen Monaten der Norweger Kyrre Roksund bei ihm meldete und ihn als Berater für sein Software-Haus gewinnen wollte. „Er hatte mein Profil im Kontaktnetzwerk LinkedIn gefunden – und ich war genau der Mann, den er suchte“, erinnert sich der 48-Jährige. „Wir haben einige Mails ausgetauscht, telefoniert, und nun beraten mein Partner und ich die Norweger beim Vertrieb und Marketing“, freut sich Toolan. „Ohne das virtuelle Business-Netzwerk wäre dieser Auftrag nie zu Stande gekommen.“
Parallel zu Freizeit- und Flirtbörsen etabliert sich eine neue Klasse virtueller Gemeinschaften. Anders als die klassischen Kontaktforen kümmern sich Plattformen wie LinkedIn, Ryze oder der Open Business Club (OpenBC) ausschließlich um Geschäftsleute und machen diese miteinander bekannt. Vollmundig sprechen einige Anbieter bereits von den „Manager-Clubs der Neuzeit“ und nennen ihre Angebote in einem Atemzug mit etablierten Seilschaften wie den Rotariern. Auch Lars Hinrichs, Gründer des in Hamburg ansässigen OpenBC, ist von seiner Idee überzeugt. „Projektgeschäfte, bei denen verschiedene Personen für einen begrenzten Zeitraum zusammenarbeiten und sich anschließend eine neue Arbeitsgruppe suchen, sind heutzutage allgegenwärtig“, meint der 28-Jährige. „Neue Kontakte sind deshalb überlebenswichtig – dafür liefern wir das nötige Werkzeug.“
Der Grundgedanke der Business-Gemeinschaften beruht auf einer These des New Yorker Sozialpsychologen Stanley Milgram. Sein Credo: Jeder kennt jeden – über eine Verbindungslinie, die aus höchstens sechs Personen besteht. Zum anderen fand der Soziologe Mark Granovetter von der Universität Stanford heraus, dass Arbeitsplätze in der Regel nicht durch direkte Freunde, sondern meist durch Freunde von Freunden vermittelt werden. Als Folge dieser eher theoretischen Erkenntnisse sind in der Praxis zwei unterschiedliche Angebote entstanden. Während OpenBC die „offenen Netzwerke“ mit der ungehinderten Kommunikation aller Clubmitglieder favorisiert, vertraut Konstantin Guericke, Mitgründer des US-amerikanischen Konkurrenten LinkedIn, auf die Sicherheit eines geschlossenen Systems. „In offenen Netzen passiert es schnell, dass ein Mitglied mit sinnlosen oder nervigen Anfragen überhäuft wird“, erklärt der aus Deutschland stammende Jungunternehmer. Bei LinkedIn wird deshalb jeder Erstkontakt zunächst von den jeweiligen Verbindungspersonen abgesegnet – oder auch nicht. „Diese Zwischenstationen dienen als Filter, so dass kein Info-Müll beim Empfänger landet“, so Guericke. „Schließlich steht auch der Ruf der Mittelsmänner auf dem Spiel.“
Die eigentliche Nagelprobe lässt noch auf sich warten. Während Guericke derzeit überdenkt, wie er sein kostenloses Angebot kommerzialisieren kann, bietet Hinrichs' OpenBC bereits jetzt eine kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft zum Preis von knapp sechs Euro monatlich an. Wie viele seiner rund 150 000 Kunden tatsächlich bezahlen, verschweigt Hinrichs. Seine Pläne verkündet der forsche Web-Manager umso lauter: „Bis Ende 2007 sollen es zehn Millionen Kunden sein.“
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http://www.openbc.com
