Nigritude Ultramarine und die Tricks der Google-Experten

Weblog-Autor gewinnt kuriosen Internet-Wettbewerb

Von Mario Sixtus

Was um alles in der Welt ist "Nigritude Ultramarine"? Und wieso listet Google mehrere hunderttausend Webseiten zu diesem Thema auf? Weil diese Seiten nur dazu da sind, um von Google gefunden zu werden. Und weil sie Überbleibsel eines skurrilen Wettbewerbes sind, bei dem es um nichts anderes als die Glaubwürdigkeit der größten Suchmaschine ging.

Google, die mächtigste Suchmaschine im Web, kann mit einem geschätzten Marktanteil von 70 Prozent nahezu allein über Wohl und Wehe einer Internetpräsenz entscheiden. Nur wessen Website auf den ersten Trefferseiten zu einer Suchanfrage gelistet ist, hat Chancen, im WorldWideWirrwarr entdeckt zu werden.

Herausforderung für die SEO-Branche

Aufgrund von Googles spezieller Bewertungsmethode für Internet-Seiten ist der Weg an die Spitze jedoch meist ein langer Marsch. Findige Dienstleister haben diese Marktnische entdeckt und bieten an, die Platzierung innerhalb der Suchergebnisse zu verbessern.

Wie in vielen Branchen spaltet sich auch die Zunft der "Search Engine Optimizers", kurz SEO, in seriöse Berater und windige Geschäftemacher. Um Marktkenner von Maulhelden zu trennen, hatte das australische E-Commerce-Unternehmen DarkBlue gemeinsam mit dem Fach-Forum Search Guild zur "SEO Challenge" aufgerufen. Das Ziel: Eine Webseite so zu optimieren, dass sie bei einer Google-Suche nach dem Fantasiebegriff "Nigritude Ultramarine" an erster Stelle steht.

Kritik: Manipulationen erschweren Suche

Webdesigner und Suchmaschinen-Experten machten sich an die Arbeit, bastelten Seiten, bettelten Dritte um Links an und nutzten die üblichen Tricks, um Googles Suchmethodik zu überlisten. Eine typische Wettkampfseite wiederholt beispielsweise zigmal den Suchbegriff und glänzt ansonsten durch konsequente Sinnfreiheit. Nicht alle Internet-Nutzer sind von solchen Aktivitäten begeistert. Sie fürchten, die Suche nach relevanten Informationen im Web werde durch solcherlei Manipulationen erschwert.

Auch der Programmierer und Weblog-Autor Anil Dash gehört zu diesen Skeptikern. "Ich hatte immer eine ziemlich niedrige Meinung von der SEO-Industrie", sagt er. "Obwohl es natürlich auch legitime Experten in diesem Feld gibt, scheint es voll mit Leuten zu sein, die moralisch kaum über Spammern angesiedelt sind. Und diese prägen das Bild der gesamten Branche."

Neuer Trick: Kommentar-Spam

Tatsächlich arbeiten die Optimierer oft mit hinterhältigen Manövern, um die Seiten ihrer Kunden - nicht selten Anbieter aus der Porno-Industrie - bei den Suchmaschinen populär zu machen. Eine der neuesten Methoden ist der Kommentar-Spam.

Hierbei werden Programme auf das Web los gelassen, die in Gästebüchern, Foren und Weblogs automatisch einige belanglose Bemerkungen, aber auch einen Link auf die beworbene Seite hinterlassen. Der Hintergedanke: Google findet diese Verweise und stuft die dazugehörige Website entsprechend höher ein.

Anil Dash: Inhalte stechen Tricks aus

Anil Dash beschloss, an dem SEO-Wettbewerb teilzunehmen, um zu beweisen, dass "wirkliche Inhalte all diese dubiosen Optimierungstricks ausstechen." Das Ergebnis war verblüffend: Schon kurz nach seinem Eintritt in den Wettstreit war Anil Dashs Blog von der ersten Google-Position nicht mehr zu vertreiben. Einer der Gründe: Etliche andere Weblog-Betreiber waren mit Dash einer Meinung und unterstützten ihn nach Kräften durch Links auf seine Seite. Kürzlich wurde Dash offiziell zum Sieger gekürt und darf sich nun über den ausgeschriebenen Preis freuen.

Anil Dash ist zufrieden. Dem US-Magazine Wired sagte er: "Eine Menge Menschen versuchen, durch unethische Mittel ihr Ranking zu erhöhen. Wenn wir ihnen beweisen, dass die beste Methode ist, gute Inhalte zu schreiben, werden sie ihre Zeit künftig vielleicht damit verbringen, anstatt die Seiten anderer Leute mit Graffiti zu beschmieren."

Guter Inhalt macht Ergebnisse wertvoller

Selbst die Initiatoren des Wettbewerbs müssen Dash Recht geben: "Inhaltlich gute Seiten haben eine wesentlich größere Chance auf eine gute Suchmaschinenbewertung, als solche, die fragwürdige Techniken verwenden", sagte Clare Mathews von DarkBlue zu heute.de. Und sie fügte hinzu: "Seiten mit gutem Inhalt werden nicht nur langfristig besser gefunden, sie machen die Suchergebnisse auch wertvoller."

Diese Erkenntnis ist leider noch nicht bei allen im Netz angekommen. Erst kürzlich musste Dash eine Anmeldeprozedur für das Kommentieren seiner Blog-Einträge einbauen. Der Grund: Seine Seiten waren voll mit Kommentar-Spam.



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Kommentare dazu:

ich bin nicht unbedingt der meinung, dass in obigem fall guter inhalt gewonnen hat. das ergebnis war doch i.w. unabhaengig von dem was auf der seite stand, zeigte aber sehr schoen die macht der blogoshere.

jetzt gibt es die naechste runde in dem spiel, der kampf um "Seraphim Proudleduck" wurde eroeffnet. Und wieder greift ein blog nach den sternen. nur diesmal ist es ein seo-blogger, und seine form der motivations-foerderung ist von anderer natur als die von anil dash ;-)
natuerlich wird sich diesmal wieder der gute content durchsetzen, denn ueber geld und ruhm schreiben faellt doch bestimmt in diese kategorie.
Google-Spam erzeugt Gegen-Spam.
Es ist eine Spirale ohne Ende.
Schade für den Suchenden :-(.


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