
Onlineportale führen in ihren Listen nur Versicherer auf, die bei Abschlüssen Provision zahlen - nun wollen sie auch Geld für Adressen
Von Mario Sixtus
Die Berechnung eines Kraftfahrzeug-Versicherungstarifs ist eine Wissenschaft für sich. Dutzende von Parametern, vom Autotyp bis zur Berufsgruppenzugehörigkeit, werden abgefragt, bis man endlich auf die simple Frage "Was kostet mich das im Jahr?" eine Antwort erhält. Was läge also näher, als die mühsame Auswahl des individuell günstigsten Versicherers von einen Online-Preisvergleicher erledigen zu lassen?
Reklame selbstständiger Vertreter
Was bei Digitalkameras, Computerhardware oder Waschmaschinen weitgehend problemlos funktioniert, gestaltet sich im Fall der Auto-Haftpflicht allerdings schwieriger. Zunächst einmal ist bei Weitem nicht überall Online-Preisvergleich drin, wo es draufsteht. Oft genug erweisen sich Websites, die versprechen, den günstigsten Tarif zu errechnen, lediglich als verlängerte Arme selbstständiger Versicherungsvertreter: Nach dem die Interessenten mühsam das entsprechende Formular im Web ausgefüllt haben, erhalten sie lapidare Rückmeldungen nach der Art: "Vielen Dank für Ihre Anfrage. Einer unserer Mitarbeiter wird sich in den nächsten Tagen telefonisch bei Ihnen melden." Online ist anders.
Aber auch professionellen Portalen, die sich auf den Versicherungstarifvergleich spezialisiert haben, mangelt es oft an Transparenz. Die Huk24 untersagte jüngst per Abmahnung dem Finanzportal Financescout24 die weitere Verwendung der Formulierung "Die günstigste Kfz-Versicherung finden". Hintergrund war der Rausschmiss der Online-Tochter von Huk-Coburg aus dem Vergleichspool von Financescout24.
"Wir erwirtschaften unsere Umsätze mit Provisionen, die im Falle eines Vertragsabschlusses zustande kommen", erklärt Frank Helmert, der Sprecher von Financescout24, das Geschäftsmodell. "Wenn nun ein Anbieter nicht bereit ist, sich an der Finanzierung unserer Dienstleistung angemessen zu beteiligen, müssen wir ihn leider aus dem Programm nehmen."
Das klingt zunächst durchaus schlüssig, denn so angenehm und nützlich die Preisvergleichssysteme im Internet für den Verbraucher sind - von alleine finanzieren sie sich nicht. Und was ist naheliegender, als den primären Nutznießer eines zustande gekommenen Geschäfts seinen Obolus entrichten zu lassen? In diesem Fall also die Versicherungen. "Wenn die Gesellschaften zunehmend diesen Konsens aufkündigen sollten, wäre das das Ende der Tarifvergleiche im Netz", legt Helmert nach.
Spart die HUK24 also am falschen Ende? Bei Alois Schnitzer, dem Sprecher der Huk-Coburg, hört sich das ganz anders an: "Selbstverständlich verprovisionieren wir Neuverträge, die über ein Vergleichsportal abgeschlossen werden. Financescout24 wollte aber neuerdings auch bereits für die Übermittlung von Adressdaten potenzieller Interessenten eine Provision kassieren. Dazu waren wir nicht bereit."
Pay-per-Lead (PPL) nennt sich dieses Verfahren. Es kommt aus den USA, wo besonders Immobilien- und Konsumkredit-Vermittlung emsiger mit Namen und Daten möglicher Neukunden handeln. Mit dem Grundgedanken der Erfolgsprovision hat das System wenig zu tun. Um bei der Kraftfahrzeugversicherung zu bleiben: Haben sich versicherungswillige Kraftfahrzeug-Halter bei einem Tarifvergleicher erst einmal durch den langen Fragebogen geklickt, werden ihnen im Normalfall die beispielsweise fünf günstigsten Tarife angezeigt. Kommt nun - aus was für Gründen auch immer - kein direkter Vertragsabschluss zustande, geht das Portal leer aus.
Beim Pay-per-Lead-Verfahren werden die entsprechenden Informationen des Interessenten nun trotzdem - gegen Provision - an die aufgeführten Versicherer übermittelt. Die können damit nach ihrem Gusto verfahren: Broschüren senden, anrufen oder mailen. Selbstverständlich hat der betreffende Interessent zu dieser Verfahrensweise zuvor seine Zustimmung gegeben - mit einem Mausklick in einem Kästchen, dessen Beschriftung oft genug an Eindeutigkeit zu wünschen übrig lässt.
Diese unterschiedlichen und häufig schwer durchschaubaren Geschäftspolitiken führen dazu, dass derzeit wohl kaum ein Preisvergleichsportal das komplette Marktangebot an aktuellen Versicherungsdienstleistungen wiedergibt. Häufig findet man auf solchen Internetseiten noch nicht einmal eine vollständige Auflistung der Gesellschaften, deren Tarife in die Kalkulation einbezogen werden.
Kostenpflichtige Alternative
Und doch gibt es im Internet einen Real-Time-Vergleich, der von sich behauptet, alle relevanten Kraftfahrzeug-Versicherungsgesellschaften zu berücksichtigen: bei der Stiftung Warentest. Dieses Angebot ist vom Prinzip her allerdings kaum mit den Mitbewerbern vergleichbar. Denn aus Gründen der Neutralitätswahrung zahlen dort nicht die Versicherungsgesellschaften, sondern die Kunden. Jeweils 16 Euro per Online-Bezahlsystem. Vielleicht ist das sogar die günstigere Alternative.
