Datendienste sollen das Fliegen lernen

Mobilfunker entwickeln viel Fantasie, um Handys mit Kamera und das Verschicken von Bildern populär zu machen

Von Mario Sixtus

Nach dem Flop des Handy-Datendienstes WAP und nach Milliardeninvestitionen in UMTS-Lizenzen mit noch fragwürdigem Nutzen sind die Mobilfunkbetreiber händeringend auf der Suche nach attraktiven Angeboten. Die größten Hoffnungen setzen sie dabei in den Multimedia Messaging Service oder kurz MMS.

Dieser Datendienst, der neben dem Versand von Texten auch die Übertragung von Fotos, Film-Schnipseln und kurzen Musikstücken erlaubt, soll die rein textbasierte SMS möglichst bald ablösen und hoffentlich deren Erfolgsgeschichte wiederholen.

Und tatsächlich meldete der hiesige Marktführer T-Mobile kürzlich stolz, man habe von Anfang Januar bis Ende Oktober bereits 15 Millionen MMS befördert. Angesichts von 18 Milliarden übertragenen SMS im gleichen Zeitraum liegen zwar noch Welten zwischen diesen beiden Anwendungen und ihrer Beliebtheit, trotzdem betrachtet die Telekom-Tochter das Multimedia Messaging bisher als "sehr erfolgreich".


Starke Verbreitung ist entscheidend

Fachleute sprechen bei der Einführung neuer Kommunikationstechniken vom so genannten "Fax-Effekt". Gemeint ist damit, dass die entsprechenden Geräte erst durch eine ausreichende Verbreitung in der Bevölkerung ihren wirklichen Wert erhalten. Bei Foto-Handys, die für MMS taugen, verhält es sich genauso: Mag der Versand von Schnappschüssen an Freunde und Verwandte für viele Anwender durchaus attraktiv sein, so schwindet doch diese Anziehungskraft, sofern im Bekanntenkreis nicht genügend MMS-Geräte für den Empfang der digitalen Fotos vorhanden sind. Um die Einstiegshürde möglichst niedrig zu halten, haben sich die Mobilfunkanbieter einiges einfallen lassen. Fast alle MMS-Handys erlauben beispielsweise auch den Versand der Multimedia-Mitteilungen ins Internet. Die Empfänger benötigen so nur noch eine E-Mail-Adresse, um über den Meeresblick am Urlaubsort oder die Eskapaden auf der Silvester-Party auf dem Laufenden gehalten zu werden. Audio- oder Video-Sequenzen werden dabei als Dateianhang versandt. Namhafte E-Mail-Anbieter wie GMX oder Web.de unterstützen auch den umgekehrten Weg und gestatten den Versand der bunten Bilder aus dem Internet.

Bei den MMS-Preisen erwartet den Verbraucher der fast schon übliche Tarifdschungel: Zwischen 39 Cent und 1,49 Euro berechnen die Netzbetreiber für eine bunte Botschaft. Je nach Aufenthaltsort können auch noch Auslandszuschläge oder Roaming-Gebühren hinzukommen. Ein intensives Studium der Tariftabellen ist hier erste Verbraucherpflicht.


Vom Handy auf die Postkarte

Was tun, wenn der Empfänger nun noch nicht einmal über eine E-Mail-Adresse verfügt? Für diesen Fall bieten alle vier deutschen Netzbetreiber die MMS-Postkarte an - ein Service, den es seit Frühjahr dieses Jahres gibt. Hierbei werden das Foto, die Empfänger-Anschrift und eine Textnachricht an eine spezielle E-Mail-Adresse übertragen und beim Serviceanbieter automatisch als Postkarte ausgedruckt und verschickt.

Zwischen 1,99 und 2,29 Euro kosten die papiernen Grüße aus dem Mobiltelefon, allerdings empfiehlt sich auch hier eine Lektüre des klein Gedruckten in den jeweiligen Tarifbeschreibungen, da mitunter noch "Bearbeitungszuschläge" erhoben werden. Kunden von O2 und Vodafone können solcherlei Postkarten neuerdings auch als "Sticker-Cards" versenden. Das Bildmotiv wird dabei in achtfacher Ausfertigung in Form von kleinen Aufklebern auf die Postkarte aufgebracht und kann danach beim Empfänger Feuerzeuge, Computermonitore oder Kaffeetassen schmücken.

In Dänemark arbeitet derweil das Software-Unternehmen Sonofon an neuen Einsatzmöglichkeiten für MMS, die weit über den Unterhaltungswert hinausgehen: In einem gemeinsam mit dem finnischen Mobilfunkriesen Nokia gestarteten Pilotprojekt prüft man, ob Multimedia-Handys auch für die Übertragung von Röntgenbildern und Aufnahmen von Krankheitssymptomen von Mediziner zu Mediziner geeignet sein könnten. "Ärzte können sich bei komplizierten Brüchen oft für die falsche Behandlung entscheiden. Wenn sie sich mit Kollegen absprechen, wird die Fehlerquote massiv verkleinert", erklärt Bjarke Kryger, orthopädischer Chirurg in Jutland, die Idee für dieses ungewöhnliche Projekt.

Hier zu Lande ist von solcherlei ernsthaften Ansätzen noch wenig zu spüren: Der Stuttgarter Service-Provider Debitel bietet stattdessen seinen Kunden eine "kuschelige Überraschung zur Weihnachtszeit" an: Für rund 15 Euro werden Fotos, die mit dem Kamera-Handy geknipst wurden, auf kleine T-Shirts gedruckt. Diese werden Teddybären übergestülpt und dann als Geschenk verschickt. MMS-to-Teddy sozusagen.



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