
BlogTalk 2.0: Stelldichein der Blogger-Szene. Zum zweiten Mal lud die Donau Universität Krems zur Blogger-Konferenz nach Wien. Die Community diskutierte Neuerungen und die Blog-Zurückhaltung im deutschsprachigen Raum.
Von Mario Sixtus
"Die ganze Welt bloggt, nur das kleine germanische Dorf weigert sich bisher standhaft...", begann Nico Lumma seinen Beitrag. Lumma, der sich für das Unternehmen Orangemedia um die Weblogs-Plattform Blogg.de kümmert, beklagt sich darüber, dass die deutsche Blogosphäre nicht in Schwung kommen will. Gerade einmal 7500 aktive Online-Journale im deutschsprachigen Raum habe er ermitteln können. Im Unterschied zu den USA, wo geschätzten 3,5 Millionen Menschen selbst publizieren, ist das Bloggen hierzulande ein Rand-phänomen.
Vielleicht liegt die zögerliche Akzeptanz ja daran, dass das Faszinosum der vernetzten Logbücher Nichtbloggern nur schwer zu vermitteln ist. Elmine Wijnia, Studentin an der Universität im niederländischen Twente, zählte die drei häufigsten Einwände auf, die ihr im Zusammenhang mit Weblogs begegnen: Weblogs seien nichts anderes als Homepages, das regelmäßige Schreiben im Netz sei egozentrisch und Bloggen sei nur ein großer Hype, der die nächsten Jahre nicht überleben wird. Dass sie danach wort- und faktenreich diese Vorurteile zu widerlegen wusste, nutzte wenig, denn die rund 140 Anwesenden hatten solcherlei Vorbehalte naturgemäß nicht.
Im Sitzungssaal unterm Dach des Wiener Fortbildungszentrums Urania, lauschten sie den Keynotes und Panels und machten das, was man von Bloggern erwartet: Sie bloggten die Sitzung. Kaum dass einer der Vortragenden einen knackigen Spruch oder eine bunte Metapher
ins Mikrofon gesprochen hatte, fanden sich die Zitate in den Web-Journalen wieder. Teilnehmer, die zwischendurch ihrer Nikotinsucht nachgingen, mussten nach ihrer Rückkehr lediglich die Blog-Suchmaschine Feedster ( http://www.feedster.com ) oder den Themen-Index TopicExchange ( http://topicexchange.com/t/blogtalk_conference/ ) nach dem Stichwort „BlogTalk“ durchforsten, um Zusammenfassungen des Verpassten zu finden. "Das ist halt P2P-Berichterstattung", freut sich einer der Teilnehmer.
Eine bunte Mischung aus Wissenschaftlern, Unternehmern, Studenten und Praktikern hatte Organisator Thomas N. Burg für das Podium verpflichtet. Videoblogging war genauso ein Thema wie der Einsatz von Blog-Tools in Unternehmen, der Sinn von geografischen Bezugspunkten in der eigentlich ortlosen Cyberwelt oder die vermeintliche – von vielen Besuchern mit Kopfschütteln bedachte – Beziehung zwischen Weblogs und Reality-TV.
Blogs als Jam Sessions
Peter Praschl, der als Sofa Blogger bekannt gewordene Journalist, verglich Weblogs mit Jam-Sessions, eine Gleichsetzung, die sich ausgerechnet der Medienmulti Hubert Burda ausgedacht hat. Blogs würden von Improvisationen und der Abwesenheit enger inhaltlicher Vorgaben eleben, sagte Praschl.
Jane Perron von der britischen Tageszeitung The Guardian und der Medienwissenschaftler Horst Prillinger beschäftigten sich mit dem Themenkomplex Weblogs und Journalismus. Perron wies darauf hin, dass Blogs letztlich nur eine Form darstellten. Der Inhalt könne somit durchaus auch journalistisch sein. Das Online-Angebot des Guardian hat mittlerweile mehrere Weblogs integriert. Laut Prillinger ist der Grund für die Faszination von Weblogs, dass sie eben kein Journalismus seien: "Wir wollen nicht mehr vom Gleichen, wir wollen etwas Neues."
Mena Trott betonte zum Beispiel in der gemeinsam mit ihrem Mann Ben gehaltenen Keynote, dass ihr zehn bis zwanzig Besucher ihres Blogs lieberseien, die sich wirklich für sie interessieren, als 10.000 Leser. Ben und Mena Trott sind die Köpfe des Unternehmens Six Apart, Hersteller der beliebten Blog-Software Movable Type (MT) und Betreiber des Weblog-Hosting-Service TypePad. Nachdem Six Apart Anfang Mai ein neues Preismodell für Movable Type vorgestellt hatte, das neben saftigen Preiserhöhungen auch eine Begrenzung der Autoren pro Blog vorsah, sah sich das Unternehmen einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt. Gemeinsam mit ihren stark untereinander vernetzten Blogger-Kunden hat Six Apart eine Preisstruktur entwickelt, mit dem beide Seiten leben können, so Mena Trott gegenüber c’t: "Es ging natürlich auch um Kommunikation. Bloggen ist eine Gesprächsform. Als wir ohne Vorwarnung mit dem ersten Preismodell heraus kamen, meinten viele Nutzer, wir hätten vorher mit ihnen reden müssen."
Mosaiksteinchen ohne Gesamtbild
Ob die breite Themenstreuung der Konferenz nützlich ist, wird von einigen Teilnehmern bezweifelt. "Es bleibt Stückwerk", bemängelte ein Besucher. "Einzelne Mosaiksteinchen werden zwar wissenschaftlich in allen Einzelheiten durchleuchtet, aber ein Gesamtbild ergibt sich nicht."
Dafür nutzte die Deutsche Welle die Pressekonferenz zum BlogTalk, um ihre Affinität zur Blogosphäre zu bekunden. Mit den BOBs (Best of Blogs) will der Sender einen eigenen Weblog-Award in unterschiedlichen Kategorien ausloben. Die Wochenzeitung Die Zeit hatte erst vor einigen Wochen zum "Preisbloggen" aufgerufen.
Ob sich solcherlei Würdigung auf die Anzahl der deutschsprachigen Blogs auswirken wird, muss sich indes noch zeigen. Michael Schuster, dessen Unternehmen Knallgrau den Weblogs-Service Twoday.net betreibt, weiß: "Einige Leute haben eben etwas zu sagen, andere
nicht."

etwas Geschriebenes sofort ins Netz zu stellen
und weltweit sofort darauf reagiert werden kann ist schon ein Phänomen.
Ein Blogg ist eben das, was man daraus macht!
Es ist so wie im Bergwerk: damit man zu den
Goldadern gelangt muß man Tonnen von Gestein bewegen. Auch bei den Bloggs gibt es
Goldadern. Nur muß man Sie finden.
Bloggs werden einen viel wichtigere Bedeutung gewinnen als statische Internetseiten.