Die wollen nur spielen - draußen

"Undergroundbattle" bringt Videospiele auf die Straße

Von Mario Sixtus

Spiele unter freiem Himmel - nichts Besonderes? Fast nichts Besonderes, wenn da nicht das Laptop, der Beamer und die hohe Fabrikwand wären. "Undergroundbattle" nennt sich das und die Straße ist als Spielplatz gerade groß genug. In Köln wurde - fast heimlich - Premiere gefeiert. Weitere Aktionen sollen folgen.

Die Straße in Köln-Niehl bildet die Grenze zweier Lebensräume: Auf der einen Seite fallen Wiesen zum Rhein ab, hinter der anderen Straßenseite beginnt ein Industriegebiet. Fabrikgebäude, Lastkräne und die Silhouette eines Kraftwerks heben sich leicht gegen den beinahe schwarzen Himmel ab. Es ist 23 Uhr und die Gegend ist nahezu menschenleer. Manchmal kommen ein paar Radfahrer vorbei. Einmal fährt das Auto eines Wachdienstes vorüber.

Need for Speed auf Wellblech

Erst vor ein paar Stunden hatte eine Handy-Textnachricht den genauen Ort bekannt gegeben, an dem der erste so genannte Undergroundbattle stattfinden soll. Wer diese Botschaft empfangen wollte, musste sich vorab auf einer Internetseite registrieren und seine Mobilfunknummer hinterlassen.

Langes Warten, dann kommen zwei Autos. Bierkisten und Kabeltrommeln werden ausgeladen. Ein zweites Auto, ein kleiner Geländewagen, positioniert sich im rechten Winkel zur Wand einer Lagerhalle. Flinke Hände laden einen Generator aus, legen einen Videoprojektor auf der Ladefläche frei und packen Lautsprecherboxen auf das Wagendach. Es dauert kaum fünf Minuten, bis das Intro des Racing-Games "Need for Speed" in der Größe einer Kinoleinwand über die Wellblechwand flimmert. Es kann losgehen.

"Wir sollten draußen spielen"

"Die Idee kam uns in der Wohnung eines Freundes", sagt Jörg Heikhaus, Mittdreißiger und einer der Initiatoren dieser mobilen Eingreiftruppe in Sachen Videogames. "Wir spielten gegeneinander Autorennen auf der Playstation 2 und irgendwann sagte jemand 'Es ist Sommer. Wir sollten draußen spielen.' Und das ist heute das Ergebnis", freut sich Heikhaus, der ansonsten in Hamburg als freier Künstler und Galerist arbeitet.

Für eine Spontanidee unter Freunden fällt die Durchführung jedenfalls erstaunlich professionell aus: Der Geländewagen wurde speziell für diesen Zweck angeschafft und mit Schriftzügen verziert. Auch der lichtstarke Projektor dürfte nicht für Kleingeld zu haben sein. "Den Wagen haben wir günstig bekommen, die Beschriftung hat ein Freund übernommen und der Beamer stammt aus einem Insolvenzverkauf", spielt Heikhaus die Investitionen herunter, "es geht uns hauptsächlich um den Spaß."

Ein Dutzend am Beamer

Mittlerweile sind die ersten Runden des Spiels gefahren, die ersten virtuellen Motoren explodiert ("Du musst schneller hoch schalten") und auch der Platz vor der Lagerhalle füllt sich langsam mit Leben. Rund ein Dutzend Freunde des Konsolenspiels haben den Weg in das entlegene Gewerbegebiet gefunden. Heikhaus ist zufrieden: "Viel mehr Leute sollten es das erste Mal auch gar nicht sein, sonst kommt man ja nicht mehr zum Spielen."

Drei Teenager kommen zufällig auf Fahrädern vorbei und stoßen angesichts des unerwarteten nächtlichen Spektakels ein paar Brocken Jugendsprech aus: "Cool..., ein Knaller..., wie geil ist das denn..." Einer von ihnen, ein schlanker Junge mit Baseballmütze, outet sich geradewegs als Need-for-Speed-Profi: "Was fahrt ihr denn da für lahme Karren." Es dauert nicht lange, bis er sich einen Game-Controler schnappt und die versammelten Mitspieler nacheinander deklassiert. "Game-Kids", muffelt ein schlechter Verlierer mittleren Alters, "der macht bestimmt zu Hause den ganzen Tag nichts anderes."

Spaß oder Geschäftsidee?

Obwohl Heikhaus immer wieder betont, dass der "Spaß im Vordergrund steht" - Ambitionen haben er und sein Partner, der professionelle Kunst-Motocross-Fahrer Busty Wolter, durchaus. Schon bald soll die Veranstaltung durch andere Städte touren und auch vermieten wollen sie das schwarzrote Spielmobil ab und an. Auf Fragen nach kommerziellen Zielen des Projektes reagiert Heikhaus ausweichend. Vielleicht will er nicht den Underground-Flair beschädigen, der die Daddel-Meetings umgibt, vielleicht will er auch nicht über ungelegte Eier reden. Vielleicht sind das aber auch wirklich nur ein paar Freunde, die eine leicht verrückte Idee verwirklicht haben - und die einfach nur spielen wollen. Draußen.

Links:
http://www.undergroundbattle.org/



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