
In den klassischen Mafiafilmen treten die Hauptakteure in Sachen Schutzgelderpressung meist in eleganten, maßgeschneiderten Nadelstreifenanzügen auf und machen sich selten die eigenen Hände schmutzig.
Von Mario Sixtus
An die Hollywood-Klischees dachte Howard Beales, Direktor der US-Handelsaufsicht FTC, vermutlich weniger, als er die Werbemethoden des kalifornischen Unternehmens "D Squared Solution" ganz offen mit dem Tagwerk der Corleones und Capones verglichen hat: "Das ist nichts anderes als die High-Tech-Variante des klassischen Betrugs: Man erschafft ein Problem und bietet an, es zu lösen - gegen Zahlung einer Gebühr."
Tatsächlich hatten sich die Entrepreneure aus San Diego einen, zurückhaltend ausgedrückt, innovativen Weg der Umsatzgenerierung einfallen lassen: Unter Verwendung des im Betriebssystem Windows enthaltenen Nachrichtendienstes lassen sie auf unzähligen Computern Fenster aufplöppen, die auf den ersten Blick wie Windows-Systemmeldungen wirken. Die unerwarteten Pop-Ups fordern die verdutzten Computeranwender auf, die Website von "D Squared" anzusurfen und dort für 30 Dollar eine Software herunterzuladen. Der einzige Sinn und Zweck dieses Programms: Es unterbindet den Windows-Nachrichtendienst, den die meisten Privatnutzer ohnehin nicht benötigen, und stoppt damit die nervigen Reklamefensterchen. Das Abschalten klappt freilich auch ganz ohne Spezialsoftware mit einigen Klicks im Windows-System.
Die US-Handelsaufsicht erwirkte im November eine einstweilige Verfügung gegen die einfallsreiche Firma und bereitete so der Fensterei zumindest vorläufig ein Ende. Nun hat ein US-Bezirksrichter die Verfügung aufgehoben - und folgte dabei wohl der Argumentation der Verteidiger von "D Squared". Die hatten argumentiert, gerade diejenigen, die sich über die Werbung beschweren, würden den Reklamestopper schließlich am dringendsten benötigen.
Bis zur Hauptverhandlung im Frühjahr darf also weitergepoppt werden. Ob die Beklagten in maßgeschneiderten Nadelstreifenanzügen vor Gericht erscheinen, bleibt abzuwarten.
