
Mit einer neuen Generation sucht Sony den Anschluss an die Spitze - doch ein Erfolg ist keineswegs sicher
Von Mario Sixtus
Für viele Fachleute kommt die Meldung überraschend: Während die Welt der Unterhaltungselektronik sich anschickt, von Tonträgern Abschied zu nehmen, setzt Sony offenbar immer noch auf physische Medien. Der Konzern ließ auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas verlauten, mit der Hi-MD sei bald die nächste Generation der Minidisc erhältlich. Auch die Pressestelle von Sony Deutschland wurde augenscheinlich auf dem falschen Fuß erwischt: "Wir wissen zu diesem Thema selbst nicht viel", gab man dort zerknirscht zu.
Die besagte Mitteilung liest sich zunächst beeindruckend: Ganze 45 Stunden Musik könne man auf der Hi-MD unterbringen, außerdem seien die Hi-MD-Player dank FAT-Dateisystem als externer Datenspeicher für Computer einsetzbar. Per USB-Schnittstelle verbunden, würde das kleine Kistchen von jedem modernen PC-Betriebssystem als externe Festplatte erkannt, immerhin ein Gigabyte an Daten soll auf die kleinen Scheibchen passen.
Das klingt beachtlich. Ein Griff zum Taschenrechner lässt allerdings Skepsis aufkommen: Bei MP3-Dateien, die mit gängigen 128 Kilobit pro Sekunde encodiert werden, gilt die Faustregel: eine Minute Musik beansprucht in etwa ein Megabyte Speicher. 45 Stunden Musik in der gewohnten "Beinahe-CD-Qualität" würden somit rund 2,7 Gigabyte benötigen. Wie geht das zusammen?
Sony Deutschland bemüht sich, die Diskrepanz aufzuklären: "Die Zeitangabe von 45 Stunden bezieht sich auf Musikdateien mit einer Rate von 48 Kilobit pro Sekunde. Das ist dann natürlich nicht mehr die allerbeste Soundqualität." In einem Internet-Forum zum Thema Audio drückt ein User das wesentlich drastischer aus: "Da kann ich auch ein Mittelwellenradio in eine Wolldecke einwickeln. Klingt genauso." Höhere Qualitätsstufen sind zwar möglich, wirken sich aber auf die Laufzeit der Discs aus.
Kleine Scheibe ist kein Renner
Die von Sony im Januar 1992 vorgestellte Minidisc konnte sich in Europa und in den USA nie durchsetzen. Der Markt für bespielte MD existiert quasi nicht mehr. "Ich glaube, vergangenes Jahr zur Cebit sind ein paar Titel erschienen", mutmaßt man bei Sony Deutschland.
Lediglich in Nischen findet die Technik noch Verwendung. Journalisten nutzen bisweilen Minidisc-Recorder als Alternative zum Diktiergerät, und Hobbymusiker setzen sie im Proberaum ein. Beide Nutzergruppen beschwerten sich von Anfang an über die Tatsache, dass MD-Geräte zwar einen digitalen Eingang haben, ein digitales Ausspielen der Stücke jedoch unmöglich ist: Wer seine Minidisc-Aufnahmen auf den PC übertragen will, um sie dort weiterzubearbeiten, dem bleibt nur die Möglichkeit, den analogen Ausgang mit der ebenfalls analogen Aufnahmeklinke der Soundkarte zu verbinden - und den mit dieser Methode einhergehenden Qualitätsschwund hinzunehmen. Diese verbraucherfeindliche Politik liegt in der Schizophrenie begründet, unter der Sony seit 1988 leidet: Damals übernahmen die Japaner den geschichtsträchtigen Musikkonzern Columbia (CBS) und die Columbia Filmstudios. Der Walkman-Hersteller, der 1946 mit 20 Beschäftigten begonnen hatte und dessen erstes Produkt ein Reiskocher war, stieg damit schlagartig in die erste Liga der Medienkonzerne auf. Zwar wurde die Übernahme anfangs von Analysten bejubelt - schließlich konnte Sony neben Abspielgeräten nun auch die nötigen Inhalte liefern. Mittlerweile zeigt sich aber, dass die Ziele der unterschiedlichen Unternehmensteile oft diametral entgegenlaufen und zu unbefriedigenden Resultaten führen. Einen MP3-Player aus dem Hause Sony sucht man so bis heute vergeblich. Kein Wunder, könnte solch ein Apparat doch auch raubkopierte Songs der Marke Sonymusic abspielen.
Statt des beliebten MP3-Formats oder gar dessen immer populärer werdenden Open-Source-Pendant Ogg Vorbis wenden die tragbaren Abspielgeräte aus Tokio das Kompressionsverfahren Atrac an - und ein striktes Digital Rights Management (DRM), das ein Kopieren oder Brennen der Tracks weitgehend unmöglich macht.
Auch in anderen Produktgattungen setzt Sony auf eigene Normen, die die Anwender einschränken oder teuer bezahlen - beispielsweise mit dem Memory-Stick als Speicher in Digitalkameras. Damit bewegt sich das Unternehmen in die Isolation und die Japaner beabsichtigen offensichtlich, diesen Weg weiterzugehen. Wie anders wäre es zu erklären, dass Sony im Juni zwar einen Musik-Download-Dienst ins Netz stellen will, jedoch vorhat, dessen Nutzung exklusiv nur Inhabern von Sony-Geräten zu gestatten? "Wir machen das so wie Apple mit ihrem iPod", gibt man sich in der deutschen Sony-Pressestelle erneut uninformiert und liefert einen auffällig hinkenden Vergleich ab. Schließlich erlaubt der iTunes Music Store nicht nur das Brennen der erstandenen Titel - ob man nun einen iPod besitzt oder nicht, das Gerät selbst spielt auch widerspruchslos MP3-Tracks ab. Egal aus welcher Quelle.
Zweifel an der Produktpolitik
Zumindest könnte aber die oft bemängelte Einbahnstraße mit den Minidisc-Playern der nächsten Generation ein Ende haben. Tatsächlich sollen die Geräte auch ein digitales Überspielen der Musik auf den Rechner erlauben. Ob man sie dort aber bearbeiten, schneiden und kopieren darf, weiß man bisher nur im fernen Nippon. Sony Deutschland will die Frage lieber nicht beantworten, "um nichts Falsches zu sagen".
In der jüngsten Jahreshauptversammlung musste Konzernlenker Nobuyuki Idei kleinlaut eingestehen, dass Sonys Vorsteuergewinn sich zwischen 1998 und 2003 mehr als halbiert hatte. Ob die Hi-MD, die man als weiteres Beispiel der isolationistischen Tendenzen in Sonys Produktpolitik sehen kann, dem Unternehmen aus der Flaute helfen wird, darf bezweifelt werden.

ich bin selber ein netmd besitzer.habe auch im auto ein md-radio. ich war sehr enttäuscht als ich feststellen musste, das ich nur tracks per usb auf den rechner kopieren konnte die schon vorher auf md kopiert wurden. also ich kann nichts aufgenommenes auf festplatte kopieren. außerdem gibt es eine beschränkung von der software. ich darf maximal 3 mal den gleichen track auf irgendeine md kopieren.
ich mach mir langsam doch gedanken auf die große scheibe umzusteigen.
ich hoffe mal das sony seine politik ändert. sonst wird es wohl zwangsweise zum wechsel kommen
mfg
dnb