
Bessere Verbindungen, kleinere Antennen, einfachere Bedienung: Vodafone zeichnet technische Tricks aus
Von Mario Sixtus
Handynutzer in Großstädten kennen das Problem: Immer wieder klingen Telefonate, als wären Sie durch einen Zerhacker gejagt worden. Manchmal bricht die Verbindung sogar komplett ab. Vier Erlanger Forscher haben nun eine Software entwickelt, die Abhilfe verspricht - und ihnen den Innovationspreis der Vodafone-Stiftung für Forschung einbrachte.
Die Störungen der Gespräche haben nichts damit zu tun, dass die Mobilfunkversorgung zu schwach wäre - im Gegenteil. Vor allem in Ballungsräumen stehen die Funkzellen so eng beieinander, dass sich die Signale der gleichen Frequenz überlagern. Um die Interferenzen und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten für ihre Kunden in den Griff zu bekommen, müssen Netzbetreiber zusätzliche Kapazitäten bereit halten - was teuer ist.
Die Entwicklung der Erlanger könnte den Zusatzaufwand erheblich verringern. Das Verfahren "Single Antenna Interface Cancellation", kurz SAIC, soll schon bald auf modernen Handychips werkeln. Dann werden Telefone innerhalb von Millisekunden entscheiden, welche Teile des Signals Sprachinformationen enthalten - und welche lediglich Störgeräusche.
Weniger Strahlung möglich
Die Kapazitätsgewinne sind durchaus beachtlich: Je nach Netz liegen sie zwischen 20 und 80 Prozent. Und: "Die Zusatzkosten sind praktisch gleich null", sagt Raimund Meyer, einer der vier Entwickler. Die Mobilfunkanbeiter können die frei werdenden Ressourcen vielfältig nutzen - etwa die Sprachqualität verbessern oder die Datenkapazität erhöhen. Möglich wäre auch, Funkzellen für mehr Gespräche als bislang freizugeben. Das dürfte beispielsweise Besucher von Messen und anderen Massenveranstaltungen freuen; bei solchen Gelegenheiten fehlen oft freie Kanäle. Schließlich, lobt die Vodafone-Stiftung, ließen sich die Sendeleistungen der Basisstationen und Handys verringern - und damit der gefürchtete Elektrosmog. Die Forscher, zu denen neben Meyer auch die Ingenieure Wolfgang Gerstacker, Robert Schober und Johannes Huber gehören, möchten SAIC noch im Laufe des Jahres mit dem Elektronikkonzern Philips auf den Markt bringen.
Über einen Förderpreis kann sich der 33-jährige Dirk Mannteufel freuen. Bisher endet etwa 70 Prozent der Sendeleistung eines Mobiltelefons im Körper der Telefonierer, und auch die Bauteile des Geräts beeinflussen die Signalübertragung negativ. Das möchte Mannteufel ändern. Zunächst untersuchte er mit einer Kombination aus Simulationssoftware und Messtechnik Wechselwirkungen zwischen Gerät, Mensch und Funksignal. Daraus leitete er Richtlinien ab, wie die Hersteller Antennen bauen können, die deutlich mehr leisten als bislang. Da Mannteufel dabei ohnehin vorhandene Metallteile des Telefons einbezieht, können die als störend empfundenen Sendestummel kleiner werden - bis zu zwei Drittel.
"Mit einer effizienteren Antenne steigt die Übertragungsqualität auch, ohne die Batterie zusätzlich zu belasten", sagt Mannteufel. Das ist besonders für Multimedia-Handys wichtig, die mit Farbanzeigen, Abspielsoftware für Musikdateien im MP3-Format und Kameras zu den Stromfressern gehören. Noch in diesem Jahr sollen die Geräte mit den neuen Antennen auf den Markt kommen.
Mit der grafischen Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine beschäftigt sich die Arbeit der 25-jährigen Psychologin Wiebke Schramek. Für ihre Studie über die Verständlichkeit der Funktionssymbole von Handys erhielt auch sie einen Förderpreis. Ihre Erkenntnis: Die kleinen Bildchen, die es den Nutzern erleichtern sollen, mit der immer größer werdenden Aussattung ihrer Telefone klar zu kommen, werden oft nicht verstanden oder falsch interpretiert. So mag es einem Hersteller schlüssig erscheinen, die Weckfunktion mit einer Glocke darzustellen. Viele Nutzer vermuten hinter dem Piktogramm jedoch eher die Einstellungsmöglichkeiten für die Klingeltöne. Das von Schramek entwickelte Verfahren soll solche Missverständnisse bereits in der Entwicklung von Funktionsbildchen vermeiden.
Vodafone-Chef Jürgen von Kuczkowski ist davon überzeugt, dass die Studie "Ergebnisse mit hoher ökonomischer Relevanz für die gesamte Branche" liefert. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) jedenfalls hofft, dass die ausgezeichneten Forschungsergebnisse "dem Innovationsstandort Deutschland wichtige Impulse" geben werden.
