31/05/2005

Ausschwärmen, zack zack!

Medienforscher Peter Wippermann in der Berliner Zeitung über neue Medien und intelligente Schwärme:

"Man darf nicht erwarten, dass jemand etwas für einen tut, man muss eigenverantwortlich handeln. Alles im Leben ist abhängig davon, wie man sich entscheidet. Das ist zwar anstrengend, aber auch nützlich, wenn man durch sein Mittun im Schwarm Nutzen fürs Privatleben zieht. Die großen Verlierer werden die Leute sein, die neue Medien nicht nutzen können oder wollen oder nur auf Hilfe vom Staat hoffen."

Via Jonet.



29/05/2005

Huch!



Erst zwei Einträge jung und schon von Herrn Sixtus entdeckt: Da bloggt doch glatt jemand die Illuminaten:

"Wird mit Angela Merkel erstmals seit 1776 ein Mitglied der Illuminaten deutscher Regierungschef? "

Hinter dem Blog steckt höchstwahrscheinlich ***** *******, Buchautor, Rechtsanwalt für Steuerrecht und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Bleiben zwei Fragen. Erstens: Würde ich mich in Gelddingen jemandem anvertrauen, der seine Freizeit mit Verschwörungstheorien verbringt? Und zweitens: Wo bleiben die Blogs über Kornkreise, die Hohlwelttheorie, Neuschwabenland und Entführungen durch Außerirdische (und natürlich zur Mutter aller Verschwörungstheorien)?

Nachtrag: Weihnachten ist zwar noch etwas hin, aber als Geschenk für Ihren örtlichen Geheimbündler empfehle ich das Herrenschmuck-Set "Illuminati", bestehend aus

"Manschettenknöpfen, Krawattenklemme und Pin. goldfarbenes Basismetall, weiss emailliert. In schöner Box"



28/05/2005

Kleiner Fluch am Mittag

Dem städtischen Bediensteten, der auf die Idee gekommen ist, die Angestellten der Stadtreinigung mit Zweitaktmotor-Rucksäcken und Gebläserohren auszustatten, um ein wenig heruntergefallenes Laub durcheinander zu wirbeln, dem wünsche ich, dass sein Häuschen in der Vorstadt über Nacht von einem mannshohen Wall aus Laub umgeben sein wird, und dass ein Schwarm von wenigstens zehn Knatterbrüdern dann mindestens zwei Wochen lang versucht, diese Blätterwand in alle Winde zu zerstreuen. Jawoll, das wünsche ich ihm.



27/05/2005

Invisible Blogs

Kennt irgendjemand jemanden, der auf MSN Spaces bloggt? Ich meine: kennt irgendeiner irgendeinen? Ich kenne nämlich niemanden. Nicht einen. Dabei sollen dort mittlerweile 10 Millionen (!) Blogs vor sich hinwurschteln. Eigentlich müsste man dann doch ab und an über so ein MSN-Blog stolpern, denke ich, allein aus Wahrscheinlichkeitsgründen. Spaces scheint so etwas wie die Bildzeitung zu sein: Millionen Nutzer, aber alle unsichtbar.



Warum Fernsehsender verschwinden werden (2)

Im zweiten Teil seines Essays "Why Piracy is good" (den ersten Teil hatte ich hier besprochen), macht Mark Pesce sich weitere Gedanken zur Zukunft des Fernsehens, spekuliert über DVDs, die mit der Post kommen oder der Tageszeitung beiliegen, erklärt die geänderten Bedingungen in der neuen Medien-Wirtschaftkette etc. pp. Eine ebenso brilliante Anlyse, wie bereits Teil 1. Wer lieber -- passend zum Thema -- zusehen will, wie der gute Mark seine Thesen vor der Australian Film Television and Radio School in Sydney vorträgt, kann sich auch den entsprechenden Film ziehen (natürlich mit BitTorrent). Absolut lohnenswert!



Geräusche, die Programmierer bei der Arbeit machen

"hurrrrrr", "whuh?", "whelmed", "buh?", "mrfl", "grn", "hlagaglhalgahlghlag"

Dieses Betriebsgeheimnis und weitere streng vertrauliche Interna kann man im noch nahezu nagelneuen del.icio.us-Blog erfahren. So und nicht anders muss Corporate-Blogging sein.

By the way: Coole Monitore, aber grausame Stühle haben die Herrschaften dort.



26/05/2005

Kleine Lektion in viralem Marketing

Seit geraumer Zeit zerreißt sich die US-amerikanische Blogosphäre ihre Mäuler über die Website Blogebrity. Dort wird ein Hochglanz-Magazin über populäre Blogger angekündigt, im Stil der üblichen Glamour-Promi-Blätter. Obendrein erdreisten sich die Betreiber, Blogger in A-, B-, und C-Listen einzuteilen. Frechheit! Das gab natürlich einen hübschen Buzz und einige heftige Diskussionen.

So wie es aussieht, hat die Blogwelt präzise so reagiert, wie die Initiatoren es sich gewünscht haben. Denn Blogebrity ist nichts anderes als ein Kandidat in einem Wettbewerb für virales Marketing. Die Site hat es dort immerhin schon auf Platz drei gebracht. Nicht schlecht. Und was lernen wir daraus? Blogger sind berechenbar. Clevere Leute können ihre Reaktionen verhersagen und zu ihren Gunsten nutzen. Nicht besonders schmeichelhaft, gell?



25/05/2005

GOA-Nominierungen

Jetzt ist es amtlich und ich muss auch nicht mehr meine Klappe halten: Hier die Nominierungen zum Grimme Online Award 2005. Ich empfehle den geneigten Lesern, sich gemütlich durch die Angebote zu klicken. Es sind wirklich einige Perlen dabei. Zwei Blogs haben es in die letze Runde geschafft: das unvermeidliche BildBlog und das ZDF-Tsunami-Blog von Wolfgang Harrer. Ja, ich weiß, zwei Blogs von Journalisten-Profis. Wo bleiben die "echten" Blogger? Wir hatten einige auf dem Zettel, aber so richtig geklingelt hat es halt bei keinem. Kann man nix machen. Aber die deutsche Blogosphäre ist ja noch jung und wächst und gedeiht. Vielleicht also im nächsten Jahr.

Im Bereich Wissen und Bildung ist mein Favorit natürlich die Wikipedia, aber in dieser Rubrik schlummern noch ein paar weitere Schätzchen. Z.B. Nanoreisen, Föderalion (viel Zeit mitbringen) oder auch Abgeordnetenwatch.

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung lohnt sich eigentlich jeder Klick. Alles ziemlich fein, das.

Jetzt ist die Jury dran, ich hab Feierabend, freue mich auf die Verleihung und verweise derweil auf die Möglichkeit, sich an der Abstimmung zum Publikumspreis zu beteiligen. Zu gewinnen gibt es ein Notbuch, glaube ich.



24/05/2005

Geek sein heißt...

... permanent den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des eigenen Vornamens in der Google-Trefferliste zu verfolgen. (Zugegeben: früher hieß das nicht Geek sondern eitel.)



23/05/2005

Wahlverlierer

Teil 2: Die Partei











Wahlverlierer

Teil 1: Die Grünen


Ja, sie hatte Tränen in den Augen. Zweifellos. Ich auch.


Die Meute.


(Man beachte die seelig grinsende Kollegin mit dem "1"-Mikro)



22/05/2005

Letzter Hinweis für Unentschlossene

Für alle NRW-Bürger, die immer noch nicht wissen, wem sie heute ihre Stimme geben sollen (und vor allem: wem nicht), habe ich hier einen winzigkleinen Hinweis auf ein biografisches Detail, das meines Erachtens im Wahlkampf bislang zu wenig gewürdigt wurde: Wer es vergessen haben sollte: Rüttgers war unter Kohl Zukunftsminister. Ich wiederhole: Zukunftsminister! (Wirken lassen...) Sein Arbeitsgebiet umfasste also all das, was wir heute Gegenwart nennen. Wäre Rot-Grün mehr auf diesem kleinen Faktoid herumgeritten, hätten sie sich den restlichen Wahlkampf wohl sparen können.  



21/05/2005

No Comment

Digitale Spuren eines jungen Lebens: Simon Ng, genannt "Sek Man", ein chinesischer Einwanderer der die chinesische Schrift nicht beherrschte, war 18 Jahre alt, lebte in New York und studierte am Queens College Japanisch. Er freute sich auf Star Trek Wars und er war ein wenig unsicher, wenn er vor der Klasse sprechen musste (QT). Am vorvergangenen Donnerstag fand man Simon und seine Schwester Sharon tot in ihrem Apartment. Ein Einbrecher hatte sie erstochen, vermutete man zunächst. Eine knappe Woche später verhaftete die Polizei Sharons Ex-Freund. Simon hatte dessen Besuch im letzten Posting seines Blogs notiert:

He is still here right now, smoking, walking all around the house with his shoes on which btw I just washed the floor 2 days ago! Hopefully he will leave soon, oh yeah working on the jap report as we speak!

Gefunden bei Doc.



20/05/2005

Welcome back, John!

Hey! Gerade erst gemerkt: Nach über zwei Jahren Blog-Abstinenz ist John Hiler, einer der brilliantesten Denker und Formulierungskünstler der Blogosphäre, wieder auf Microcontentnews aktiv.

"They never come back" gilt vielleicht für Boxer, Blogger machen hingegen, was sie wollen. Und das ist auch gut so ;-)



Zwillinge, bei der Geburt getrennt

Was haben Steve Ballmer und der Mann, der sich Don Alphonso nennt, gemeinsam? Beide kapieren RSS nicht. Der eine hier, der andere da.

Der eine darf nicht daran glauben, weil einfache, pfiffige Neuerungen, die schlichtweg funktionieren und keine monatlichen Updates benötigen, eine Horrorvorstellung für sein Unternehmen sind.

"It is a little too simple, that is also the reason everyone’s using it"

sagt Ballmer. Richtig. Direkt danach droht er schon wieder:

"We are working on more existing powerful stuff, around XML/web services [sic] that will address many issues beyond RSS."

Genau. "Powerfull Stuff", vielleicht direkt in der "Enterprise Edition" lieferbar auf fünf DVDs. Was hat so ein leichtgewichtiger Standard wie RSS dagegen noch für eine Chance, mag sich Ballmer denken.

Auf dem Kongress Les Blogs erzählte Euan Semple von der BBC, zur internen Projektplanung habe sein Sender jahrelang eine komplexe Intranet-Weblösung eingesetz. Das Problem: Niemand hat sie genutzt. Zu groß, zu mächtig, zu umständlich. Inzwischen wuchern stattdessen ein paar kleine Wikis im BBC-Netz und siehe da:

"Das wächst unglaublich schnell", berichtet Semple, "man findet dort inzwischen enorm viele Projektunterlagen, Einsatzpläne oder Brainstorming-Notizen."

Und:

"Die Leute fühlen sich wohl mit diesen kleinen Programmen."

Quelle: Aktuelle c't (Disclaimer: Der Artikel ist von mir).

Genau das ist der Technologie-Trend, der von vielen Web 2.0 genannt wird: Kleine, leicht zu bedienende Anwendungen, die Zusammenarbeit und Informationsaustausch verbessern. Ballmers "Powerfull Stuff" und seine "Web Services" braucht kein Mensch mehr. Die sind einfach sooo 90er.

Don Alphonso hat einen anderen Grund, RSS nicht zu mögen. Nach dem Platzen der Internet-Bubble sind ihm einfach die Feindbilder abhanden gekommen. Also schnappt er sich jetzt irgendetwas mit drei Buchstaben und prügelt darauf ein wie in alten Tagen. Dass RSS kein Hype eines Sturt-Ups ist, welches mal eben ein paar VC-Millionen verbrennen will, sondern -- im Gegenteil, ganz ohne künstlichen Buzz -- graßwurzelmäßig Millionen Anwender gefunden hat, weil es klein, praktisch und kuschelig ist, stört Alphonso nicht weiter. Kenn ich nicht, kapier ich nicht, muss böse sein.

Die Welt entwickelt sich weiter, einige werden da nicht mehr mit kommen und zurück bleiben. Mir tut es um sie nicht leid.



19/05/2005

Unter Wölfen

Maria Schells Tochter im Tagesspiegel über die Treibjagden der Boulevardpresse:

Ich konnte kaum schlafen. Wie ein nacktes Huhn am Grill drehte ich mich, mit dem mulmigen Gefühl, bald verbraten zu werden.

Mal wieder ein Muss-Lies™, gefunden bei Fabian.



18/05/2005

Zurecht!



Die von mir hoch verhehrte Frau Dr-in-spe Mercedes Bunz regt sich zurecht über empörte Moralapostel auf. (By the way: Ich finde über Tita von Hardenberg und das unsägliche Polylux sollte man noch viel mehr schimpfen):

Wichtiger als von hier aus auf die zu zeigen und sich besser zu fühlen (und die dabei noch an der Nase herumzuführen, um sie vorzuführen) ist, wenn man das Rechte in Schläger und Sympathisanten teilt und letztere da abholt, wo sie stehen und mit Perspektiven versorgt, damit die sich umsympathisieren und nicht noch mehr werden. Ob das mit HartzIV und den beliebten Verweis aka Paul Nolte geht, dass die Unterschichten zuviel rauchen und sich schlecht ernähren, ist allerdings fraglich.

Wenn es nach mir ginge, würde Mercedes eine tägliche Meinungskolumne in der Süddeutschen bekommen, oder halt eine wöchentliche in der Zeit. Aber wenn es nach mir ginge wäre eh einiges und überhaupt aber lassen wir das und freuen uns einfach über ihr Blog.



Wie man sich selbst in den Fuß schießt

Terry Heaton erklärt kurz, knackig und anschaulich warum die Entscheidung der New York Times, künftig ihre Meinungsartikel nur noch zahlenden Webusern zugänglich zu machen, dümmer ist, als ein "Eimer voller Haare". Ich nehme derweil Wetten an, wie lange es dauert, bis die NYT wieder vollständig gratis zu lesen sein wird. Manche Kinder müssen eben erst mit der Hand auf die Herdplatte patschen, bevor sie glauben, dass es dort heiß ist. Und manche Zeitungsverleger sind eben Kinder.



Eher gut als böse

This site is certified 66% GOOD by the Gematriculator



Sack Reis

Manchmal wünsche ich mir, mehr Kollegen würden bloggen. Dann könnte sich beispielsweise Ernst den Frust über einen Fake-Film-Download in seinem Blog von der Leber schreiben und müsste das nicht bei Telepolis tun.

Update: Gähn... Jetzt schreibt die Netzeitung diese unerhört außergewöhnlich interessante und aufregende Meldung auch noch ab. Scheint wirklich nichts los zu sein in der Welt.



17/05/2005

Zu viel Pressefreiheit?

Was soll man davon halten, wenn eine Umfrage herausfindet, dass

  • 43 Prozent der Meinung sind, die Presse hätte zu viel Freiheit,
  • 22 Prozent finden, die Regierung sollte die Presse zensieren
  • und 53 Prozent sagen, Geschichten mit ungenannten Quellen sollten nicht veröffentlicht werden?

Wo diese Umfrage stattfand? Im Iran? In Saudi-Arabien? In China? Nope. Vielmehr im Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Kopfschüttelnd hofft der Chronist, dass nicht alle US-Moden auf das alte Europa abfärben.



Das wahrscheinlich höchste Blog der Welt...

... schreibt derzeit DW-Reporter Stefan Nestler. Gemeinsam mit einem internationalen Team erklimmt er gerade den Mount Everest. Wow!



Nagelneue Top-Level-Domain entdeckt!

Offenbar hat der Mail-Dienst GMX sich still und heimlich eine eigene Top-Level-Domain besorgt. Das zumindest lässt sich aus einem Text in der Netzeitung folgern:

Die deutsche Version der Spam-Mail wird an alle Adressen mit der Endung .de, .ch, at, li und .gmx verschickt.

Woher bekomme ich eine .six?

Update: Die NZ hat wohl was gemerkt. Weg ist der Text.



16/05/2005

Nachklapp

Und wo wird das Fernsehen hin gehen? Da hin!

Via Unmediated.



Warum Fernsehsender verschwinden werden

Momentan macht die MPAA verstärkt gegen Torrent-Websites mobil, die TV-Serien zum Download anbieten. Nach der Musik- und Filmindustrie haben jetzt offenbar auch die TV-Sender mitbekommen, dass gerade etwas Disruptives passiert. Seit ich über einen Breitbandanschluss verfüge, haben sich meine Fernsehgewohnheiten ebenfalls massiv geändert. Es ist einfach verdammt bequem, sich die aktuellen Folgen -- von sagen wir mal Galactica, den Simpsons, Alias oder 24 -- auf den Rechner zu laden und dann anzuschauen, wann man Zeit und Lust dazu hat. (Frage an die mitlesenden Juristen: Was sagt eigentlich das aktuelle deutsche Recht über private Kopien von Fernsehproduktionen ausländischer Sender?) Downloads geben den Menschen ein Stück Selbstbestimmung über ihr Leben zurück. Kein Programmdirektor diktiert mehr den Tagesablauf (oder versucht das zumindest). Kein Wunder also, dass TV-Downloads so beliebt sind.

Das Problem: Die alten Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr. Die Sendungen im Netz sind meist frei von Werbung und selbst wenn sie das nicht wären, könnte jedermann die Spots überspringen oder mit einem Schnittprogramm entfernen. Die Einschaltquoten sinken parallel zu den Werbeeinnahmen (oder umgekehrt). Wie soll es also weitergehen? Wer soll künftig die Produktion aufwändiger Serien finanzieren? Darüber macht sich Mark Pesce in einem absoluten Muss-Lies™ öffentlich Gedanken und wirft eine Interessante Idee in die Diskussionsrunde: Wie wäre es, wenn man den Platz, den momentan das jeweilige Sender-Logo einnimmt, an Sponsoren verkaufen würde? Je länger ich diesen Gedanken hin- und herwälze, um so besser gefällt er mir.

Was an TV-Werbung nervt, ist das disruptive Moment. Die Aufdringlichkeit, mit der versucht wird, Aufmerksamkeit zu erheischen, hat oft etwas Ekelhaftes. TV-Werbung schreit den Zuschauer an (meist ist sie obendrein 3 db lauter), Werbespots (und auch Trailer) sind daher irgenwie mit SPAM verwandt (s.u.).

Ein permanent eingeblendetes Markenlogo am Bildschirmrand hingegen? So what. Das haben wir jetzt schon und daran haben wir uns gewöhnt. Für den Werbekunden hieße das aber: permanente Präsenz, permanente Botschaft. Er wird nicht als Störenfried empfunden, sondern ist Teil des Ganzen, vergleichbar mit Bandenwerbung beim Fußballspiel. Klar, für komplizierte Aussagen ist diese Marketingform eher ungeeignet, aber mal ehrlich: wie gehaltvoll sind durchschnittliche 30-Sekunden-Spots?

Das Charmante an dieser Idee: sie kickt einen Zwischenhändler aus der Nahrungskette. Künftig können Produktionsfirmen sich ihr Geld direkt vom Werbekunden holen. Der Broadcaster als Mittelsmann ist somit obsolet. Der Vorteil für den Inserenten: Mit jeder Kopie erreicht seine Botschaft mehr Menschen. Ob die Filme über Torrent-Seiten vertrieben werden, im Usenet und in P2P-Börsen auftauchen oder als DVD gebrannt auf dem Uni-Campus getauscht werden: Jedes Mal wächst das Publikum. Der Vorteil für uns Zuschauer: Wir bekommen legal und gratis neues Augenfutter und plötzlich sind Raubkopierer auch keine Verbrecher mehr, sondern erwünschte Multiplikatoren im Sinne des Ideavirus.

Ein interessanter Nebeneffekt: Im Moment muss sich ein Serienplot ins enge Korsett eines Drei- oder Vierakters zwängen, um rechtzeitig vor jeder Unterbrechung mit einem Höhepunkt aufwarten zu können. Das schadet oft genug der Dramaturgie und führt gerne mal zu zerhackten Geschichten. Filme und Serien, die via Hyperdistribution zu ihrem Publikum gelangen, müssen sich an solcherlei Vorgaben nicht mehr halten. Völlig neue Story-Konzepte könnte man dann verwirklichen.

Weiter gesponnen: Ein Produktionsunternehmen stellt das Grobkonzept einer Serie oder eines Filmes online und bietet die Möglichkeit, sich bei Fertigstellung benachrichtigen zu lassen. Nach einigen Wochen oder Monaten marschiert der Chef dann zu einer Mediaagentur und verkündet: Bereits 500.000 Leute haben sich in diese Liste eingetragen. Nach dem [hier beliebigen Social-Network-Theoretiker einsetzen]-Gesetz werden daraus X heruntergeladene Kopien, die sich dann Y Menschen ansehen. Wenn dein Kunde Logo-Sponsor werden will kostet ihn das Z Euro. Das sind gerade mal N Euro pro Zuschauer. Wie wärs?

OK, OK, ich spekuliere hier ein wenig in die Zukunft hinein, aber Zukunft ist heutzutage auch nicht mehr das, was sie mal war: sie sickert nämlich sehr schnell in die Gegenwart.



15/05/2005

Er wird geortet können werden sollen sein

Jetzt muss ich doch auch mal ein wenig beckmessern: In einem namentlich nicht gekennzeichneten Artikel auf SpOn heißt es:

Statt per Satellit sollen Menschen mit geeigneten Empfängern nun aufgrund ihrer Entfernung vom nächsten Fernsehsender geortet werden können.

Und weiter:

Aus der Kombination der Signale kann die Position des Funkempfängers errechnet werden.

Die Amis basteln also ein Überwachungssystem, mit dem sie die genaue Position eines Mobiltelefons orten können, oder? Das zumindest könnte man aus diesen Sätzen schließen, zumal noch ein Datenschützer zitiert wird:

Das ist ein weiterer Schritt in die Richtung einer Überwachungsgesellschaft.

Klar. Bei der Finanzierung ist ja auch die CIA mit an Bord. Muss also böse sein.

Bei genauerer Lektüre stellt man allerdings schnell fest, dass der SpOn-Autor entweder die Materie nicht begriffen hat oder die Meldug ein wenig aufsexen wollte oder aber den Gebrauch von Aktiv und Passiv einfach nicht beherrscht: "Sollen die Menschen (...) geortet werden können", erweckt aufgrund der verwendeten Passivkonstruktion den (falschen) Eindruck, bei diesem Vorgang sei ein ungenannter Dritter im Spiel, welcher die besagte Ortung durchführt, der eben "den Mensch ortet". Big Brother und so. Das ist natürlich Quatsch.

Die Position eines Empfängers lässt sich aus der Ferne nicht verorten (auch wenn Gerüchte über GEZ-Peilwagen zum Kampf gegen Schwarzseher seit Urzeiten durch WG-Küchen pilgern).

Richtig hätte es heißen müssen: "... kann der Empfänger nun aufgrund seiner Entfernung vom nächsten Fernsehsender seine Position bestimmen." Und: "Aus der Kombination der Signale kann der Funkempfängers seine Position errechnen." Er tut das. Der Mensch. Der Empfänger. Aktiv. Er weiß dann, wo er gerade ist. Sonst weiß das zunächst niemand.

Nix Überwachungsstaat. Es geht lediglich um eine (durchaus interessante) Alternative zum GPS-System, das beispielsweise in Navigationssystemen zum Einsatz kommt. Eigentlich also auch kein Grund, sich aufzuregen oder uneindeutige Texte zu verfassen. Sinnlose Panikmache ist anti-aufklärerisch. So was ärgert.



616

OK. Man kann sich ja mal bei einer Übersetzung um 50 vertun. Kommt vor. Was ist dann aber mit all den Tätowierten? Shit happens.



11/05/2005

Neues vom bloggenden Professor

(Sorry, diese Headline konnte ich mir nicht verkneifen ;-))

Der von mir hoch geschätzte Kollege Lorenz Lorenz-Meyer spricht wahre Worte:

Weblogs etwa wären nicht halb so interessant, wenn es nur darum ginge, mit einfachen Mitteln in chronologischer Anordnung irgendwelche Texte ins Netz zu stellen. Erst durch Kommentarfunktion, Trackback und RSS-Abonnement wird aus dem individuellen Vergnügen ein weit über persönliche Eitelkeiten hinausgehendes kulturelles Phänomen.

Sag noch mal einer, Journalisten würden es nicht blicken.

Gefunden bei Jochen.



Das Ende der Massenmedien
(Teil 3287)

Selbst die, nicht unbedingt als blitzgescheite Zeitung verschriene New York Post hat etwas gemerkt: Junge Leute lesen keine Zeitungen mehr, sie konsumieren nicht mehr willenlos den massenkompatiblen Blockbusterscheiß, den ihnen die Multiplex-Kinos vorsetzen (Star Wars-Jünger vielleicht mal ausgenommen), sie sitzen nicht mehr so viel vor der Glotze und natürlich kaufen sie auch keine überteuerten CDs kurzfristig herangezüchteter Bands mehr, welche ihre Ursprünge in den Chemiebaukästen selbsternannter Marktforscher haben. Aus, vorbei, die Nummer mit den Massenmedien ist vorüber (na ja gut, sie werden uns noch eine Weile begleiten) zumindest aber hat sie keine Zukunft mehr.

Schön, dass auch ein Massenblatt wie die NYP sich mal laut Gedanken macht, noch schöner ist jedoch, was Mike Elgan folgert:

So when people spend time getting news and opinions from blogs, then return to TV, they find it a strange and alien land. The pancake makeup, hairdos, bizarre body language and vocal intonations and forced, informal chit-chat delivered through a clenched-teeth grimace that passes for a TV smile -- all that suddenly looks like a bunch of crazy people with nothing to say.

Da ist wirklich was dran. Wie Siggi Becker schon sagte: "Wie absurd ist es eigentlich, dass jemand im Fernseher mir die Nachrichten vorliest?" (Zitat sinngemäß). Wenn man sich täglich in der (sorry, .de, US-amerikanischen) Blogosphäre rumtreibt, wo jede Aktion gerne direkt eine Reaktion hervorruft, wo keine Behauptung unwidersprochen bleibt und wo jede Nachricht fröhliches Geschnatter (manche mögen es Rauschen nennen, ich eher nicht) auslöst, fühlt man sich abends, beim Anblick der Tagesthemen in der ARD, nun ja, irgendwie teils auf Zeitreise in die Vergangenheit, teils entmündigt (weil man permanent den "Comment"-Button sucht oder vorspulen will) und größtenteils in der Zuschauerrolle einfach deplaziert -- oder einfacher ausgedrückt: gelangweilt.

Ich bin kein Prophet und habe nicht für 0,02 € Ahnung, wohin diese Reise führt, aber ich spüre, dass etwas zu Ende geht.

Massenmedien (speziell TV, aber in letzter Zeit auch vermehrt Radiostationen) leben von der Annahme, dass ihr Publikum dumm ist. Es besteht aus "Konsumenten" (oder noch schlimmer: "Verbrauchern") die erst Gottschalk, dann Big-Brother konsumieren (verbrauchen) und danach möglichst alles kaufen, was ihnen die Werbeschreihälse zwischendurch aufschwatzen wollen. Mit Verlaub: das ist nicht besser als SPAM! Hinter beiden Konzepten steckt die gleiche Idee. In dem Moment, in dem das vormalige Publikum sich aber miteinander unterhält, wenn Gespräche entstehen, ist es nicht länger dumm (zumindest nicht im Kollektiv), es ist nicht länger stumm und es hat kein Interesse mehr an Schreierei. Und: dann ist es plötzlich auch kein Publikum mehr.

Massenmedien sind noch nicht tot, aber sie riechen schon verdammt faulig.



10/05/2005

Kleine Prophezeiung

LinkedIn wird bleiben.
OpenBC wird verschwinden.

Wetten?



09/05/2005

Wir und sie

Seth Godin über die neue digitale Spaltung:

The New Digital Divide
The Digerati The Left Behind
Uses Firefox Uses Internet Explorer
Knows who Doc Searls isAlready has a doctor, thanks very much
Uses RSS ReaderRSS?
Has a blogReads blogs (sometimes)
Reads BoingBoing (or Slashdot)Watches the Tonight Show
Bored with FlickrFlickr?
Gets news from GoogleGets news from Peter Jennings

Passend dazu: Ein paar Leserbriefe an die Business Week.



Hirnsport

Knirsch!



Lieber im Kreis bloggen als anonym trollen

Anil Dash listet sehr übersichtlich die einzelnen Diskussionswellen auf, die regelmäßig durch die Blog-Communities rollen. Mein Lieblingsklassiker ist: "The technology is boring/unimportant". Richtig. Aber wer redet über Technologie?

Dass ein junges Medium (oder besser: Format) sich viel mit sich selbst beschäftigt und häufig versucht, sich neu zu definieren, halte ich für ausgeprochen normal (man denke an die unzähligen Podcasts, die Podcasting zum Thema haben) und wahrscheinlich ist es sogar gesund.

Wenn ich mir ansehe, wie außerhalb der Blogosphäre über Blogs "diskutiert" wird, kann man den von Anil aufgezeigten Themen-Wiedergängern sogar höchste Intellektualität bescheinigen. Die unterschiedlichen Gesprächsniveaus im Heise-Forum und in der Blogosphäre zeigen sehr hübsch, was sich geändert hat: In den Interaktionsräumen des vergangenen Jahrhunderts agieren keine echten Menschen, sondern immer noch Scheinwesen, die sich hinter Nicknames verstecken. Die dortige Trollerei bleibt in der Offline-Welt ohne Relavanz. Blogs sind hingegen eine Weiterführung der realen Existenz in die Online-Welt hinein. Ich bin echt, ich habe einen Vor- und einen Nachnamen und wer will, kann mit mir heute Abend ein Bier trinken gehen. Ich bin keine Cyberexistenz und kein Hund, ebensowenig, wie der Großteil der übrigen Blogger. Das ist ein Kulturwandel, der da gerade stattfindet, das ist neu, das ist toll, aber das passt natürlich nicht allen.



03/05/2005

Zusammenhanglos gebloggtes Zitat

Fiel mir gerade ein: Joi Ito während eines Gespräches in Paris: "Meine Definition von Social Software? Alles, was man zuspammen kann." Ich fürchte, das passt.



01/05/2005

Wie schon Onkel Ben zu Peter Parker sagte:

"'Peter, with big power comes big responsibility.' You have big power, guys. You redesign the way we share and communicate and organize ourselves. So, like Spiderman you have big responsibilities."

Cécile Moulard, Vizepräsidentin des Club Senat, in ihrer Eröffnungsrede (QT) zu "Les Blogs". Eigentlich hübsch, dass die Repräsentantin einer alt-europäischen Kulturnation ihre Metaphern aus der US-amerikanischen Popkultur zusammen klaubt.



 



















































Warum aosgerechnet Verlage und Medienhäuser glauben, sich ins Community-Geschäft stürzen zu müssen, entzieht sich dem gesunden Menschenverstand.

In der Online-Medienbranche grassiert der Peh-Ih-Wahn. Zeit, damit aufzuräumen. Weg mit den Nullen!

Videos gehören auf die Festplatte der Nutzer und nicht in Streaming-Player auf Webseiten

Die Interessen reichen von Musik über Einstein bis Sushi: In der Web-Community Myspace suchen Millionen nach Gleichgesinnten

Öffentliches Herumprobieren verleiht der Internet-Entwicklung eine neue Dynamik. Reißbrett und Planungsstab waren gestern. Die Farbe der Saison heißt beta. Web-Anwendungen entstehen in freier Wildbahn, Nutzer oszillieren zwischen Versuchskaninchen und Mit-Entwickler.

Google ist der Liebling von Surfern und Anlegern. Innerhalb von nur acht Jahren wuchs das Suchmaschinen-Unternehmen vom Start-up zweier Studenten zum milliardenschweren Global Player. Doch in der letzten Zeit hat das strahlende Image einige kräftige Kratzer erhalten.

Wer braucht noch TV-Sender? Nach der Musikindustrie krempelt das Internet jetzt das Fernsehen um

David Weinberger veröffentlichte Anfang 1999 mit drei weiteren Autoren das „Cluetrain Manifesto“. Darin wird anhand von 95 Thesen erklärt, wie das Internet die Regeln des Wirtschaftens verändert.

Noch mehr Pathos geht wahrscheinlich nicht. "Menschen der Erde", beginnt die Kampfschrift und fährt ein paar Absätze weiter fort: "Der Himmel ist offen bis zu den Sternen. Wolken ziehen am Tag und in der Nacht über uns."

Google kämpft gegen Tricks, mit denen sich Webseiten in den Suchlisten nach oben drängeln - und bestraft BMW

Ganoven ködern ihre Opfer mit dubiosen E-Mails. Jetzt schlagen Surfer zurück und führen die Kriminellen an der Nase herum

Erstmals bekam die Online-Enzyklopädie Schelte von Kritikern und Medien zu spüren. Gut möglich, dass ihr das weiterhilft.