Der Guardian berichtet über die britische Premiere des dritten Harry-Potter-Films. Dementorengleiche Gefängniswärter, ausgestattet mit Nachtsichtgeräten und ähnlichen Frontkämpfer-Tools, patrouillieren dort die gesamten zwei Stunden und zweiundzwanzig Minuten durch die Kinosäle, auf der Suche nach Videokameras und anderen Piratenutensilien.
Alles dummer Muggel-Kram. Fleißige Zauberlehrlinge haben den Streifen längst ins Netz gestellt und Adepten, welche die hohe Kunst des Bit Torrent beherrschen, können sich das Filmchen flugs auf die eigene Festplatte hexen.
Wird es dem Hasen in der Fabel eigentlich niemals langweilig, stets nach dem Igel anzukommen?
Nachtrag: Der Sci-Fi-Autor Cory Doctorow ist auf eine lustige Idee gekommen, subversiv gegen die Anti-Piracy-Einblendungen vorzugehen, die zunehmend auch in deutschen Kinos zu sehen sind: Demonstrativ fotografiert er die Texttafeln. Mit Blitzlicht. Gute Idee. Weiter erzählen. Nachmachen.
Nicht nur der geschätzte Kollege J.R. hat sich darüber Gedanken gemacht, wie die einst prosperierende Musikindustrie dermaßen auf den Hund kommen konnte, auch das US-amerikanische, öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm (ja, so etwas gibt es) hat ein feines Feature zu diesem Thema abgeliefert. Fazit: Die Industrie hat den Bezug zu ihrem eigenen Produkt verloren. Wer etwas Zeit mitbringt: Die komplette, ausgesprochen sehenswerte Sendung dauert eine Stunde.
Gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, genauer: am 28. Mai 1999 machte Scott Rosenberg in einem bemerkenswerten Salon.com-Artikel eine breitere Öffentlichkeit mit dem Blog-Phänomen bekannt:
"If you follow any of these sites over a period of time, you get to know the enthusiasms of their proprietors, along with their blind spots. You can see what the Web world looks like through their eyes -- and figure out where you trust them and where you don't."
Bereits damals ein Thema: Hochnäsige "konventionelle" Journalisten, die abwertend über "Linkalisten" lästerten.
Fünf Jahre und eine anhaltende Medienkrise später erklärt Dan Froomkin was Berufsschreiber seiner Meinung nach von Bloggern lernen sollten: "Have more Fun!"
Was die großen TelCos uns nicht sagen: Intern werden Telefongespräche längst als Voice over IP durchs Netz gejagt. Aber der dumme Telefonierer soll immer noch glauben, Telefonnetz und Internet seien zwei unterschiedliche Paar Socken. Sonst könnte er als Flatrate-User ja auf die Idee kommen zu fragen, warum ein Telefongespräch in USA nach teuren Sekunden abgerechnet wird, ein stundenlanger 40-Gigabyte-Download aber bereits in der Pauschale enthalten ist. Hmmm... mal nachdenken...
Klar, es gibt Skype, aber bis ich meinem Onkel Egberd in Örkeljunga erklärt habe, wie man das Ding installiert und konfiguriert, ruf ich ihn doch lieber an. In den USA und auch hierzulande bieten die ersten Unternehmen bereits VoIP für Daheim an. An den heimischen Router wird einfach ein IP-Telefon geklemmt, und schon kosten Anrufe innerhalb des eigenen Netzes garnix mehr und Ferngespräche nach sonstwo hin nur noch ein paar Cent die Stunde. Fein, aber im Zeitalter der Mobilität irgendwie auch ein wenig anachronistisch. Schließlich wollen wir ja unsere Freunde in China, Burma und in der Antarktis-Forschungsstation auch aus dem Biergarten mit sinnfreien Grüßen versorgen. Also: Was tun?
Mark Frauenfelder stellt in seinem Artikel für "The Feature" einen hübschen Einfall der i2 Telecom vor. Ein kleines Kistchen am wohnungseigenen Internet-Anschluss übernimmt die Vermittlung ins Netz. Einfach zu Hause anrufen, das Dingen erkennt die eigene Handynummer als authorisiert, man erhält ein zweites Freizeichen und schon steht einem stundenlangen Gequatsche mit Tante Tilly in Wisconsin nichts mehr im Wege. M-VoIP sozusagen. Besitzt noch jemad T-Aktien? Jetzt verkaufen. Oder verbrennen. Kommt aufs Gleiche raus.
Da brennt dem Bloggerkollegen das Haus über dem Kopf ab, der arme Kerl besitzt auf einmal nur noch das, was er auf dem Leibe trägt und was treibt Google? Das sinnfreie Adsense-Programm hat nichts besseres zu tun, als - passend zum Text - für Feueralarmgeräte und ähnliches Zeugs zu werben. Wenn da mal nicht ein klitzekleinwenig automatisierter Zynismus mitschwingt:
Wer einen PayPal-Account besitzt und ein paar Münzen übrig hat, kann diese Jay übrigens hier in den Hut werfen.
Auch täglich Hunderte von Müllmails im Postfach? Steigender Blutdruck? Wutausbrüche? Alles harmlos. Rick Jelliffe durfte sich letztens über 30.000 Spam-Mails an einem einzigen Tag freuen.
Ich versuche mittlerweile die tägliche Lösch-Arie zu einer Art Meditation zu transformieren und vernichte die Pimmel-Pastillen-Promotions mit einer Ruhe, wie ich sie bei Tibetischen Mönchen vermute, die gerade den Klostergarten harken. Ihr könnt mir garnix! Nie nicht!
Heute vor fünf Jahren war auch Montag (was ein dämlicher Einstieg). Aber nicht nur das. Dave Winer grübelte öffentlich über die Zukunft des Webs und was für Werkzeuge wir zum Publizieren im Netz benötigen würden - und welche garantiert nicht.
Dave raunte geheimnisvoll von einer Software namens "Manila" an der er gerade friemeln würde und prophezeite: "In ein paar Jahren werden wir über FTP so reden, wie unsere Vorfahren jetzt über Lochkarten sprechen." Das Bloggen war geboren. (Ich weiß, es gibt unterschiedliche Theorien darüber wer das Ur-Blog dereinst ins Netz stellte. Nehmt den Jahrestag einfach mal hin ;-))
Webfähige Handtelefone gehoren mittlerweile nicht mehr zu den seltenen Tierarten. Aber wie sieht eigentlich die eigene Website auf so einer netzfähigen Quatschkiste aus? Diese Frage bring Webmaster und Blogger ab sofort nicht mehr um ihren wohlverdienten Nachmittagsschlaf, denn nun gibt es dieses hübsche Plugin für Mozilla Firebird/Firefox.
Das Progrämmelchen fügt unter "Ansicht" (bzw. "View") den Menüpunkt "Small Screen Rendering" hinzu, der eine Ansicht simuliert, wie sie von gängigen Mobilbrowsern dargestellt wird. Dieses kleine Blog sieht zum Beispiel so aus:
"Manchmal besteht die Kunst des Bergsteigens nicht darin, noch schneller noch weiter und noch höher zu klettern, sondern darin, nicht den Berg herabzustürzen, das Niveau zu halten und sich dort wo man ist einzurichten." Ling Pui
Zum leidigen Thema der Ideenpatente, durfte ich heute eine kleine aktuelle Zusammenfassung auf heute.de veröffentlichen.
Bald sind Europawahlen.
Nachtrag: Es sieht so aus, als müssten wir uns im Ausland wieder schämen: Deutschlands Schwenk gab den Ausschlag für neuen Richtlinien-Entwurf (fuzo)
Meine Spione im Brüsseler EU-Rat konnten sich gerade mit einem Kassiber zu mir vorarbeiten, der folgenden Zwischenstand zum Thema Softwarepatente enthält:
Dank Luxemburg ist die Abstimmung von einem A- (keine Debatte) zu einem B-Punkt gemorpht. Das heißt, anstatt die Vorlage einfach durchzuwinken, wird wenigstens noch einmal darüber diskutiert ("Schön, dass wir darüber geredet haben"). Die Abstimmung wurde auf morgen (Dienstag) vertagt.
Voraussichtliches Abstimmungsergebnis
Dagegen: Belgien und Slowenien
Enthaltungen: Luxemburg, Dänemark, Deutschland (D bekommt massiv Druck von der Basis, dagegen zu stimmen)
Dafür: Schweden, Finnland, Irland, Großbritannien
Eigentlich dafür, aber Chancen, dass sie wackeln: Holland, Spanien, Polen, Ungarn, Italien
Ich gebe zurück zur Rentendebatte.
Liebe Leute! Ich plane einen kleinen Aufsatz zum zehnten Jahrestag des ersten Postings der Bielefeldverschwörung im deutschsprachigen Usenet. Befindet sich unter der geneigten Leserschaft vielleicht der eine oder andere Netzveteran, der damals im Usenet aktiv war? Vielleicht soger in de.talk.bizarre? Danke im Voraus für jeden Hinweis.
Am Montag bin ich ins schöne Dortmund gereist. Dort habe ich ein paar Webseiten angeschaut und gesagt, wie ich die finde. Wenn ich die gut gefunden habe, die Webseiten, und ein paar andere Leute die auch gut gefunden haben, dann sind die auf eine Liste geschrieben worden. Die Webseiten, nicht die anderen Leute. Das nennt man "nominieren". Wenn jetzt noch ein paar noch andere Leute ein paar Webseiten auf dieser Liste ganz toll finden, dann kriegen die einen Preis. Die Webseiten, nicht die noch anderen Leute. Aber der Reihe nach:
Das ist der Bahnsteig von Düsseldorf. Der heißt so, weil man da in die Bahn steigt. Kann man sich gut merken.
» mehr dazu
Bis einschließlich Dienstag werde ich mich im hübschen Dortmund aufhalten, um dort, gemeinsam mit den illustren Kollegen der Nominierungskommission des Grimme Online Awards, aus diversen Bergen von Vorschlägen, die nominierenswertesten herauszudiskutieren. Daher wird es hier wahrscheinlich etwas ruhig werden. Hab aber Notbuch dabei. Mal schauen.
Bisher bestand das mobile Internet weitgehend aus so sinnfreiem Kokolores wie polyphonen Klingeltönen und bunten Bildchen. Der Hauptgrund dafür, warum es keinen Spaß macht, sich mit der Quatschkiste durchs Web zu navigieren, ist - neben der Größe des Bildschirms und den Phantasiepreisen der Mobilfunkkonzerne - sicherlich das Unvermögen/der Unwille der Gerätehersteller, ihre Laberboxen mit so etwas ähnlichem, wie einer Tastatur auszustatten. Die Eingabe eines längeren URL ist somit bislang nur Angehörigen der Generation SMS® mit ihren evolutionär mutierten Daumen möglich.
Semacode will hier Abhilfe schaffen und nutzt dazu eine Technik, die man bei modernen Mobilgeräten ungefragt mitgeliefert bekommt, wie den IE mit Windows: Die Kamerafunktion. Semacode besteht aus einem quadratischen Schwarzweißraster, dessen Größe übrigens mit der Länge der URL zunimmt, und das, einmal mit der Kameralinse angepeilt, den Handybrowser zu der entsprechenden Webseite lotst.
Erhältlich ist Semacode bis Dato lediglich für Geräte mit Symbian-OS, aber andere Systeme sollen folgen. Die sinnvollste Innovation, seit es mobiles Internet gibt. T-Shirts, Aufkleber, Zeitungsanzeigen, Produktbeilagen: Alle möglichen und unmöglichen Druckwerke könnten schon bald die lustigen Muster tragen und einen Link von der realen in die mobile Web-Welt bilden. Der URL dieses kleinen Blogs sieht nebenbei so aus:
Nett: Der Guardian hat durch Stichproben Googeln mit zwei konventionelleren Recherchemethoden verglichen. Wettbewerbskriterien waren Geschwindigkeit und Korrektheit der Ergebnisse. Das Netz hat dabei gar nicht mal schlecht abgeschnitten.
Es reizt mich ja zugegebenermaßen, die Kalauermaschine anzuwerfen, aber ich werde es mir verkneifen. Ich werde nicht titeln "Nanoforschung kommt schrittweise voran" und auch nicht "Ein kleiner Schritt für das Erbgut..." Nein, ich werde einfach auf diesen Artikel im New Scientist hinweisen, der von spazieren gehenden DNS-Strängen handelt und den ich bei Roland Pquepaile eingesammelt habe. Ansonsten werde ich meine Klappe halten.
Estland ist meines Wissens nach die einzige Nation, die ihren Bürgern kostenlosen Internet-Zugang garantiert. Mittlerweile kann man auf zwei Dritteln der Landfläche auch drahtlos online gehen. Meistens gratis. Die großen Tankstellenketten haben kostenlosen Datenfunk mittlerweile als Dienst am Kunden verstanden. Ebenso Cafés und andere gastronomische Einrichtungen. Genau so muss es sein.
Für wie wichtig halten sich eigentlich Blechkisten-Inhaber? Für so wichtig, dass sie in ihre (wahrscheinich noch nicht einmal im Ansatz bezahlten) Kutschen eine Alarmanlage einbauen, die bei zu schrägem Anschauen direkt das ganze Stadtviertel in Alarmstufe Rot versetzt? Keine Romulaner im Anmarsch, noch nicht einmal Klingonen in Sicht. Trotzdem trötet dieses Fahrzeug seit dutzenden Minuten, als stände der Untergang der Föderation bevor.
Liebe Autodiebe: Klaut das Ding! Fahrt es nach Süd-Abchasien und spritzt es um. Zerteilt es bei lebendigem Leibe. Gebt ihm den Schweißbrenner. Ja! Zerlegt es. Baut den Motor aus und die Türen und vor allen Dingen: die Hupe. Macht was Ihr wollt. Aber holt dieses lärmende Ding eines selbstgefälligen Besitzers vor meinem Fenster weg. Danke.
Nein, der Typ am Caféhaustisch nebenan, der die ganze Zeit auf der Tischplatte herum trommelt, leidet weder an Hyperaktivität, noch ist er Bongospieler auf Instrumenten-Entzug. Er schreibt vielmehr einen Geburtstagsgruß an seine Omi. Und zwar auf dem Virtual Keybord, das zwar ungefähr so häufig angekündigt wurde, wie eine baldige Senkung der Krankenversicherungsbeiträge, im Gegensatz dazu jetzt aber wohl wirklich und in echt lieferbar ist. Erfahrungsgemäß muss man bei solcherlei Gerätschaften auf deutsche Treiber höchstens noch einmal doppelt so lange warten.
Da versuche ich seit Tagen, einen Kontakt ins ferne Asien aufzubauen, schicke Emails, erhalte keine Antwort, schicke Faxe und erwäge sogar kostspieliege Telefonate, falls sich nichts rühren sollte und dann das: Hat mein serverseitiger Spamschutz doch frech alles, was von einem chinesischen Server aus gesendet wurde, als Spam behandelt. Aaargggh! Die müssen mich dort drüben für blöd halten, weil ich immer wieder die gleiche Nachricht verschickt, aber nie auf ihre Mails geantwortet habe. Email is broken. Really.
Zumindest das Internet. Wie Interfax meldet, müssen in China sämtliche Internet-Cafés bis Ende 2004 ein Zugangssystem integriert haben, das vor einem Verbindungsaufbau Name, Alter und "Bürgerinformationsnummer" des jeweiligen Surfers abfragt. Obendrein will man durch eine Proxy-Lösung "ungesunde Informationen und Websites" aus dem Netz herausfiltern. Offiziell wird auch im Land der aufgehenden Sonne mit der dicken Mauer drum® dieser Schritt mit dem Schutz der Minderjährigen begründet. Diese sollen vor der Konfrontation mit "Glücksspiel, Pornografie und Gewalt" bewahrt werden. Auch hierzulande wird dieses Argument immer wieder gerne von denjenigen bemüht, die das Internet gerne in eine Art Disneyland verwandeln würden. China ist nicht sooo weit entfernt, auch wenn in .de anscheinend langsam die Vernunft siegt.
... heißt auf Ungarisch: "Ne beszélj hülyeséget!" und wird so ausgesprochen: Real Audio. Wer in Riga sprachlich nicht mehr weiter kommt, dem hilft vielleicht ein "Kas te saksa keelt räägite?" weiter, was soviel heißt wie "Sprechen Sie Deutsch?". (Pragmatiker könnten natürlich auf die Idee kommen, diese Frage direkt auf Deutsch zu stellen, aber das klingt einfach nicht so schön: Real Audio.) Noch mehr sinnvolle und -freie Floskeln, die unser Leben in den neuen Beitrittsländern erleichtern könnten, finden sich im Sprachomat von tagesschau.de. Ich versteh jedenfalls nur Dworzec (Polnisch für Bahnhof).
